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Die Spuren der Pandemie

Lilienthal (cne). Schüler:innen des Gymnasiums Lilienthal teilten der Schulleitung in einem Fragebogen mit, wie es ihnen in den letzten zwei Jahren erging und was sie sich für die Zukunft wünschen.

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Planen Präventionsstrategie: Schülersprecher Jonathan Kaufmann, Schulleiter Denis Ugurcu und Schulelternvertreterin Mara Jekosch.

Planen Präventionsstrategie: Schülersprecher Jonathan Kaufmann, Schulleiter Denis Ugurcu und Schulelternvertreterin Mara Jekosch.

Die Folgen der Corona-Pandemie für die Schülerschaft am Gymnasium Lilienthal war für die Lehrkräfte zwar sichtbar, doch wollten es Schulleitung und Lehrkörper genau wissen: Welche Belastungen gibt es und welche davon sind auf Corona zurückzuführen?
Vor Corona hätte es an der Schule in der Schülerschaft etwa zwei bis drei „Problemfälle“ im Schuljahr gegeben, jetzt, nach Corona, gäbe es zwei bis drei Problemfälle pro Klasse oder Kurs, muss Thomas Brauer, stellvertretender Schulleiter, bei der Vorstellung der Evaluation einräumen.
 
Von Ehrgeiz bis Lernlücken
 
Um die genauen Auswirkungen der Pandemie und des Homeschoolings festzustellen, nutzte die Schule einen Fragebogen der Schweitzer Beratungsplattform IQUES, der, auf die Fragen der Schule individuell zugeschnitten, die derzeit bestehenden Problematiken sichtbar gemacht hat, erläutert Mechthild Grafe, die am Gymnasium Lilienthal die Schulevaluation betreut. „Wir sind uns allerdings auch darüber im Klaren, dass die Evaluation nicht den Anspruch einer wissenschaftlichen Studie erfüllt. Sie kann jedoch als Gesprächsgrundlage dienen“.
So wurden im vergangenen Herbst die 309 Schüler:innen des neunten und zehnten Jahrgangs per E-Mail zur Teilnahme an der Befragung eingeladen. 145 Schüler:innen (entspricht 46,9 Prozent) füllten den Frageboden dabei vollständig aus, 55 der Jugendlichen beantworteten den Fragebogen nur teilweise, sodass sich insgesamt eine Rücklaufquote von 64,7 Prozent ergab.
Mit der Umfrage habe die Schule auch die Frage beantworten wollen, wie der Wiedereinstieg nach dem Homeschooling in den Regelunterricht gelingen könne.
Die Mehrheit der Schüler:innen nahm sich als motiviert, ehrgeizig und einsatzbereit wahr und freute sich nach dem Homeschooling über den Start der Schule. 56 Prozent der Befragten geben zudem an, im Kreis ihrer Familie, Freunde und Lehrer Unterstützung zu finden, 46 Prozent sagen, aus ihrer Sicht den Lernstoff während des Homeschoolings gut verarbeitet zu haben. Trotzdem geben 15 Prozent der Befragten an, sich in mindestens zwei Fächern überfordert zu fühlen. Aber nur 12 Prozent hatten das Gefühl, in mehr als zwei Fächern große Lücken zu haben.
 
Niemanden zum Reden
 
Die Schulleitung war von der selbstkritischen Wahrnehmung der Schüler:innen angenehm überrascht, sagte Schulleiter Ugurcu. „33 Prozent der Befragten gab an, zu viel Zeit am Computer zu verbringen, 65 Prozent beklagten Lustlosigkeit und Frustration und 64 Prozent gaben an, wenig oder schlecht zu schlafen“.
Bei den Fragen mit Mehrfachauswahl finden es die Lehrkräfte besonders beunruhigend, dass jeweils 20 Prozent angaben, mit niemandem reden zu können, ein guter Freund oder eine Freundin fehle. Die Hälfte der Befragten gibt auch an, momentan Schwierigkeiten bei Arbeiten für die Schule zu haben.
 
Wünsche der Schüler:innen und Prävention
 
Zur Verbesserung des Lebens am Gymnasium Lilienthal wünscht sich die überwiegende Mehrheit mit 82 Prozent der Befragten eine Evaluation zum Thema Digitale Ausstattung, 60 Prozent sehen eine Evaluation zum Thema Unterrichtsqualität als notwendig an, und 46 Prozent wünschten eine Evaluation über die Ausstattung des Schulhofes und der Pausenhalle.
Doch zwei Jahre Pandemie seien nicht nach zwei Jahren zu lösen, befand Schulleiter Ugurcu. Die Warteliste der pädagogischen Mitarbeiterin, an die sich Schüler:innen auch schon vor der Pandemie wenden konnten, weist schon jetzt 37 problembelastete Jugendliche aus. Jetzt wolle die Schule Präventionsmaßnahmen umsetzen, wie etwa Teambuilding-Maßnahmen in der 5. und Gewaltprävention in der 6. Klassenstufe. Die 7. und 8. Klassenstufe soll sich in den nächsten Jahren mit Drogen, Sucht und Medienkonsum auseinandersetzen, der 9. Jahrgang soll sich über sexuelle Gewalt und Übergriffe informieren. Im 10. Jahrgang soll der Fokus dann auf psychischer Gesundheit liegen - hier werden dann auch die Eltern verstärkt mit einbezogen.
Weiterhin sei demnächst ein Schulausflug aller 1300 Schüler:innen nach Porta Westfalica geplant, auch ein Schulfest, Klassenfahrten und eine intensivierte Ganztagsbetreuung der Jugendlichen ebenso wie neue AGs am Nachmittag wie Golf, Yoga und Floorball sieht das Präventionspaket der Schule vor.
Laut Schulelternvertreterin Mara Jekosch ist geplant, in zwei Jahren die Evaluation zu wiederholen, um die Entwicklung hinsichtlich der Schulgesundheit bewerten zu können.


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