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Das Handwerk trotzt Corona

Landkreis (eb). Nachdem die Corona-Krise im Frühjahr das Handwerk fest im Griff hatte, zeichnet sich in der aktuellen Herbstumfrage der Handwerkskammer eine stabilere Entwicklung ab.

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„Dieses Ergebniss lässt aufatmen“, sagt Eckhard Sudmeyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer.  Foto: eb

„Dieses Ergebniss lässt aufatmen“, sagt Eckhard Sudmeyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Foto: eb

War der Geschäftsklimaindex im April noch von 141 auf 79 Punkte abgestürzt, so liegt er jetzt mit 119 Punkten nur acht Punkte unter dem Vorjahreswert. „Dieses Ergebnis lässt aufatmen. Offenbar sind viele Handwerksbetriebe bislang relativ gut durch die Corona-Krise gekommen oder konnten sich von dem Einbruch einigermaßen erholen“, sagt Eckhard Sudmeyer, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Braunschweig-Lüneburg-Stade. Aktuell bewerten 60 Prozent der befragten Handwerksbetriebe ihre Geschäftslage als gut, weitere 29 Prozent zeigen sich zufrieden. Damit lägen die Werte fast auf dem Vorjahresniveau, in dem 65 Prozent ihre Geschäftslage als gut und 28 Prozent als zufriedenstellend beurteilten.
 
Leichte Unsicherheit beim Blick in die Zukunft
 
Leichte Unsicherheit zeige sich aber beim Blick in die Zukunft: Zwar gingen zwei Drittel der Handwerksbetriebe für die kommenden Monate von einer unveränderten Geschäftslage aus, 19 Prozent erwarten allerdings eine Verschlechterung, so Sudmeyer.
Von einer verbesserten Geschäftslage gehen laut Umfrage lediglich 14 Prozent aus. „Bei den Zukunftserwartungen spielt sicherlich die allgemeine Sorge vor erneuten Einschränkungen eine große Rolle“, vermutet Sudmeyer. „Einen weiteren flächendeckenden Lockdown könnten viele Betriebe nicht verkraften.“ Er müsse daher unbedingt vermieden werden.
 
Blick auf die einzelnen Handwerksgruppen
 
Unterschiedlich ist das Bild in den einzelnen Handwerksgruppen. Während sich das Geschäftsklima im Bauhauptgewerbe gegenüber dem Vorjahr um elf Punkte auf 115 Punkte abgekühlt hat, liegt der Geschäftsklimaindex im Ausbau-Handwerk weiterhin bei einem relativ hohen Wert von 126 Punkten (minus drei Punkte). „Speziell im Bauhandwerk haben sich auch die Aussichten inzwischen stärker eingetrübt“, sagt Sudmeyer.
Wichtig sei daher, dass die öffentliche Hand weiterhin investiere und Aufträge vergebe. Damit ließen sich Rückgänge im gewerblichen Bereich zumindest teilweise kompensieren. Eine stabile Baukonjunktur sei Stützpfeiler für die Binnenkonjunktur.
 
Starke Erholung im Gesundheitshandwerk
 
Die stärkste Erholung verzeichnen die Gesundheitshandwerke, wo der Index um fünf auf 155 Punkte zulegt. Mit 133 Punkten zeigt das Stimmungsbarometer auch in den Nahrungsmittelhandwerken einen weiterhin hohen Wert an (minus drei Punkte). Während das Kraftfahrzeughandwerk mit 117 Punkten stabil bleibt (plus einen Punkt), trübt sich die Stimmung unter den handwerklichen Zulieferern deutlich ein: In der Gruppe der Handwerke für den gewerblichen Bedarf sinkt der Geschäftsklimaindex um 14 Punkte auf einen Wert von 105 Punkten.
 
Friseure und Fotografen besonders betroffen
 
Die von der Corona-Krise besonders betroffenen Dienstleistungshandwerke wie Friseure oder Fotografen leiden weiter unter den Auswirkungen. Hier ist der Geschäftsklimaindex gegenüber dem Vorjahr um 32 Punkte abgesackt und erreicht aktuell nur noch 90 Punkte.
Stabil geblieben sind die Auftragsbestände und der Umsatz im Handwerk des Kammerbezirks Braunschweig-Lüneburg-Stade. Positiv sieht es auch bei der Beschäftigung aus, die im dritten Quartal wieder leicht zulegen konnte: 19 Prozent der Handwerksbetriebe meldeten einen Zuwachs, nur zwölf Prozent reduzierten die Zahl der Mitarbeitenden.
 
„Eigenkapitalbasis stärken“
 
Auch die Investitionen bleiben laut Umfrage aktuell noch konstant. Jedoch befürchte mehr als jeder zehnte Handwerksbetrieb, in den kommenden Monaten seine Investitionen zurückfahren zu müssen. Kammerhauptgeschäftsführer Sudmeyer sieht darin ein Warnsignal: „Die Corona-Krise hat gerade den kleinen und mittleren Betrieben einiges abverlangt. Nun ist es wichtig, durch gezielte Maßnahmen ihre Eigenkapitalbasis wieder zu stärken.“


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