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Auswärtiges Amt hebt Reisewarnungen auf - Nachfrage verhalten

Landkreis (jm). Die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes sind innerhalb der Europäischen Union größtenteils aufgehoben. Dennoch gibt es für Urlaubsreisende noch einiges zu beachten.

Landkreis (jm). Die Reisewarnungen des Auswärtigen Amtes sind innerhalb der Europäischen Union und des Schengen-Raums seit Montag größtenteils aufgehoben. Dennoch gibt es für Urlaubsreisende, die sich in diesem Sommer tatsächlich auf den Weg machen wollen, noch einiges zu beachten.
Die EU-Kommission hatte den Mitgliedsstaaten vor wenigen Tagen empfohlen, die Beschränkungen für nicht notwendige Reisen innerhalb Europas wieder aufzuheben. Das Auswärtige Amt ist dieser Empfehlung gefolgt und hat die bisher geltenden Reisewarnungen für die meisten europäischen Staaten zum 15. Juni (für Spanien zum 21. Juni) zurückgenommen. Ausgenommen sind bisher Finnland, Norwegen und Schweden: Wegen des Infektionsgeschehens und weiterhin geltender Einreisesperren bleibt die Warnung für diese Länder bestehen. Abgeraten wird zudem von Reisen nach Großbritannien, Irland und Malta. Dort gibt es Quarantänevorschriften für Einreisende.
 
Reisewarnung ist kein Verbot
 
Dürfen Urlauber*innen nun also unbesorgt in den übrigen europäischen Staaten Ferien machen? Grundsätzlich müssen sie selbst entscheiden, ob sie das Risiko eingehen möchten, denn eine Reisewarnung ist kein Reiseverbot - das gilt auch für Drittstaaten wie die Türkei, die aktuell auf Platz drei der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen rangiert. Zwei Punkte sind jedoch besonders zu beachten: Gibt es Einreisebeschränkungen oder Sonderkontrollen für Reisende aus Deutschland im Zielland, wie beispielsweise in Großbritannien? Welche Bestimmungen gelten für die Rückreise nach Deutschland?
Letzteres ist in großen Teilen der EU seit Anfang der Woche kein Problem mehr. Die deutschen Bundesländer haben jeweils eigene Regelungen, was die Rückreise betrifft. In Niedersachsen müssen Reiserückkehrer aus Risikogebieten in Quarantäne. Dazu zählt innerhalb der EU aktuell Schweden: Weil das Land die Obergrenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen überschritten hat, bleibt die Reisewarnung bestehen. Die Türkei wird ebenfalls als Risikogebiet eingestuft.
Die Reisewarnung kann außerdem rechtliche Konsequenzen haben, beispielsweise für die Gültigkeit einer Reisekrankenversicherung. Hierzu sollten sich Reisende mit ihrem Versicherungsdienstleister in Verbindung setzen.
 
Weltweite Reisewarnung bleibt
 
Reisen in Nicht-EU-Länder bleiben daher kompliziert, denn die weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes soll nicht vor Ende August aufgehoben werden. Ausnahmen für einzelne Länder seien jedoch möglich. Die EU-Kommission wünscht sich ein koordiniertes Vorgehen der Mitgliedsstaaten bei der Aufhebung von Beschränkungen für Drittländer. Die Kommission schlägt vor, die Regelungen ab dem 1. Juli schrittweise zu lockern. Dabei sollen die Mitgliedsstaaten anhand fester Kriterien, wie etwa der Gesundheitssituation vor Ort oder den Sicherheits- und Hygienekonzepten in den Flughäfen, gemeinsam entscheiden, für welche Länder die Beschränkungen aufgehoben werden.
 
Reisebüros mit Stornierung und Beratung beschäftigt
 
Mit einem Ansturm auf die Urlaubsgebiete ist angesichts der ersten Lockerungen wohl noch nicht zu rechnen. Die Nachfrage sei in der ersten Woche verhalten gewesen, bestätigt Tatjana Koch vom ReiseStudio am Markt in Osterholz-Scharmbeck. „Es gibt ein bisschen Nachfrage für Reisen innerhalb Deutschlands, das wird aber auch viel direkt bei den Unterkünften gebucht“, sagt sie. Aktuell sei das Team vor allem damit beschäftigt, Informationen zusammenzutragen und die Kund*innen zu beraten. „Viele erkundigen sich, was geht und was nicht, das Interesse ist schon da“, berichtet Koch. „Viele wissen aber auch nicht, wie es finanziell und mit dem Beruf weitergeht. Da kaufe ich mir lieber eine Scheibe Brot, als eine Reise.“
Außerhalb Deutschlands könnte Spanien eines der ersten Ziele sein, die wieder von Touristen besucht werden, vermutet Koch. Aktuell findet dort ein Pilotprojekt mit deutschen Urlaubern statt, um die Sicherheitskonzepte zu testen. „Auf Menorca und Ibiza soll es auch solche Projekte geben, Ende Juni soll es dann wieder losgehen“, sagt Koch.
„Es wird nicht der Urlaub, wie wir ihn kennen“, so viel sei klar. Im spanischen Pilotprojekt wurden die Urlauber*innen unter anderem durch eine Gesundheitskontrolle geschickt, wo sie einen Fragenkatalog abgeben mussten, anschließend wurde mit einer Wärmebildkamera ihre Körpertemperatur gemessen. In Hotels und anderen Anlagen gelten Abstandsregeln, Masken müssen ebenfalls getragen werden. „Andererseits muss ich hier auch eine Maske tragen“, sagt Tatjana Koch.
In den vergangenen drei Monaten sei das ReiseStudio am Markt hauptsächlich mit Stornierungen beschäftigt gewesen. „Von den Reiseveranstaltern kommen auch immer noch Absagen rein, für die Türkei zum Beispiel“, erzählt Koch. „Wir waren auch die ganze Zeit per E-Mail und Telefon erreichbar, seit dem 20. April ist unser Laden wieder offen.“
Über die Stornierungen wird derzeit in der EU immer noch gestritten. Die Kommission besteht darauf, dass die Kosten den Verbraucher*innen erstattet werden. Verpflichtende Gutscheinlösungen, wie sie auch in Deutschland angedacht waren, will sie nicht akzeptieren. Die Bundesregierung hat die Idee deshalb inzwischen verworfen.


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