Seitenlogo
pvio

Antisemitismus ausgrenzen

Die Stadt, der DGB, die Kirchengemeinde St.Willehadi und die Jusos erinnerten an die Opfer der Reichspogromnacht und mahnen Verantwortung an.

Osterholz-Scharbeck. Um 16 Uhr kommen ca. 90 Menschen am Mahnmal der in der Reichspogromnacht zerstörten Synagoge in der Bahnhofstraße zusammen. Ungefähr doppelt so viele wie im letzten Jahr. Der Grund für die höhere Anzahl der Teilnehmer:innen am Gedenken der Opfer des Nationalsozialismus liegt auf der Hand: das Massaker an ca. 1.400 Jüdinnen und Juden vor einem Monat in Israel und der besorgniserregende Anstieg des Antisemitismus.

So verweist die stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Neuner-Krämer in ihrer Ansprache nicht nur auf die historische Verantwortung der Deutschen, dafür zu sorgen, dass „Jüdinnen und Juden frei und ohne Angst bei uns und auf der Welt leben können.“ Ebenso spricht sie die aktuelle Losung Israels im Kampf gegen die Hamas aus: „Nie wieder ist jetzt.“ Denn einem ernst gemeinten Gedenken der Opfer nationalsozialistischer Herrschaft folge die „Solidarität mit dem israelischen Volk“. Dabei bezieht sie klar Stellung gegen Israels Feind: „Die Hamas kämpft für eine Auslöschung des Staates Israel und den Tod aller Juden.“ Die Hamas seine „keine Freiheitsbewegung, sondern eine mordende Terrorgruppe.“ Zugleich betont Neuner Krämer, dass die Solidarität mit Israel nicht „das Mitgefühl mit dem unermesslichen Leid der Zivilbevölkerung in Gaza“ ausschließe.

 

Lichterkette für eine offene Gesellschaft

 

Eine Stunde später, gegen 17 Uhr, hat sich der Platz der Synagoge noch einmal gefüllt. Ca. 60 Menschen sind dazugekommen, um im Anschluss an eine kleine Ansprache des stellvertretenden Juso-Vorsitzenden Tom (Nachname wollte nicht genannt werden) eine Lichterkette vom Mahnmal bis zum Marktplatz zu bilden.

Auch Tom betont, dass mehr denn je gegen Antisemitismus getan werden müsse. Nicht nur sei er angestiegen - befeuert „von einer Partei“ -, in manchen Milieus sei er gar wieder salonfähig geworden. Ein Viertel der Deutschen, so zitiert er die Otto Brenner Stiftung, finde, dass Juden mit üblen Tricks arbeiteten und nicht zur deutschen Gesellschaft passen würden.

Er hält dagegen: Wer ausgrenzt, passe nicht zu Osterholz-Scharmbeck.


UNTERNEHMEN DER REGION