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Selsingen macht sich fit für morgen

Die B71 wird zur Baustelle – doch Geschäfte und Betriebe sollen erreichbar bleiben. Am Ende bekommt der Ortskern deutlich mehr als nur eine neue Fahrbahn.

Die Grafik zeigt die ersten drei geplanten Bauabschnitte an der B 71.

Die Grafik zeigt die ersten drei geplanten Bauabschnitte an der B 71.

Bild: Ingenieurgesellschaft Nordwest

Selsingen. Eine Großbaustelle mitten im Ort ist zunächst einmal keine Nachricht, bei der jeder vor Freude in die Hände klatscht. Umleitungen, Absperrungen und längere Wege werden auch in Selsingen dazugehören. Doch bei genauerem Blick wird deutlich: Was entlang der B71 geplant ist, kann den Ort auf Jahrzehnte verändern – und deutlich aufwerten.

Die Ortsdurchfahrt soll nicht einfach neu asphaltiert werden. Fahrbahn, Geh- und Radwege sowie Bushaltestellen werden angepackt, gleichzeitig sollen die alten Schmutz- und Regenwasserleitungen erneuert beziehungsweise saniert werden. Einige dieser Leitungen stammen aus dem Jahr 1975. Statt den Ort einige Jahre später für Kanalbauarbeiten erneut aufzugraben, sollen möglichst viele Arbeiten miteinander verbunden werden.

Damit ist die Baumaßnahme zugleich ein wichtiger Teil der langfristigen Entwicklung von „Selsingen-Mitte“. Ziel des Städtebauförderprogramms „Lebendige Zentren“ ist ein attraktiverer Ortskern mit besseren Wegen, mehr Barrierefreiheit, einem aufgewerteten öffentlichen Raum und einem gestärkten Einkaufsstandort. Für Teile der kommunalen Baumaßnahmen beteiligen sich Bund und Land jeweils zu einem Drittel an den Kosten.

 

Nicht ganz Selsingen wird gleichzeitig dichtgemacht

Das dürfte für Kunden und Geschäftsleute die wichtigste Nachricht sein: Die komplette Ortsdurchfahrt wird nicht gleichzeitig gesperrt. Gebaut werden soll abschnittsweise. Für den jeweiligen Bauabschnitt ist zwar eine Vollsperrung vorgesehen, anschließend zieht die Baustelle weiter.

Die Gemeinde macht ausdrücklich deutlich, dass die Erreichbarkeit der Geschäfte und Gewerbebetriebe an der B71 während der Bauzeit gewährleistet werden soll. Auch große Zielpunkte im Ort sollen erreichbar bleiben. Fußgänger sollen die jeweiligen Baustellenbereiche passieren können. Für Schwerlast- und Durchgangsverkehr ist dagegen eine großräumige Umleitung vorgesehen; innerhalb Selsingens sollen je nach Bauabschnitt kleinere Umleitungsstrecken genutzt werden. Selbst die Müllentsorgung soll nach den bislang veröffentlichten Planungen während der Arbeiten sichergestellt werden.

Das bedeutet: Selsingen bleibt offen. Wer zum Bäcker, zum Einzelhändler, ins Restaurant, zur Apotheke oder zum Supermarkt möchte, soll auch während der Bauzeit ans Ziel kommen – möglicherweise nicht immer auf dem gewohnten Weg. Gerade deshalb wird es wichtig sein, auf die jeweils aktuelle Beschilderung und die Hinweise zu den einzelnen Zufahrten zu achten.

Anfang September hat die Gemeinde bei einer weiteren Informationsveranstaltung genau diese Fragen in den Mittelpunkt gestellt: Wann wird welcher Abschnitt gesperrt? Wie fahren Busse und Durchgangsverkehr? Wie kommen Fußgänger und Radfahrer durch den Ort? Und wie bleiben Grundstücke erreichbar? Planer, Straßenbaubehörde und Bauamt standen den Einwohnern dabei Rede und Antwort.

 

Ein Umbau, der sich am Ende auszahlen soll

Für die Selsinger Geschäfte wird die lange Bauphase dennoch eine Herausforderung. Umso wichtiger dürfte es sein, dass Kunden ihrem Ort die Treue halten. Ein paar Minuten Umweg sind schließlich leichter zu verkraften als ein dauerhaft geschwächter Ortskern.

Und das Ziel kann sich sehen lassen: bessere Geh- und Radwege, modernere Bushaltestellen, neue Leitungen, eine erneuerte Fahrbahn und ein insgesamt attraktiverer Ortskern. Die Städtebauplanung verfolgt ausdrücklich das Ziel, Selsingen als Einkaufs-, Wirtschafts-, Wohn- und Kulturstandort zu stärken.

Die kommenden Monate werden deshalb vor allem Monate der Vorbereitung. Wenn anschließend die Bagger rollen, beginnt für Selsingen eine anstrengende Zeit – aber eben auch eine Investition in die Zukunft des Ortes.

 

So soll es nach bisherigem Plan weitergehen

Herbst/Winter 2026: Weitere Vorbereitung, Abstimmungen und Ausschreibungsverfahren. Bei der Informationsveranstaltung am 3. September wurden Bauzeiten, Umleitungen und Grundstückszufahrten bereits detailliert mit Einwohnern besprochen. Ein konkreter Baustarttag ist öffentlich bislang nicht genannt.

Erste Jahreshälfte 2027: Der derzeit von der Gemeinde genannte Zeitraum für den Baubeginn.

Bauabschnitt 1: „Zum Hollen bis ALDI“, rund 480 Meter, nach bisheriger Abschnittsplanung etwa 4,5 Monate.

Bauabschnitt 2: Bereich Durchlass Selsinger Bach, rund 125 Meter, etwa 2,5 Monate.

Bauabschnitt 3: Im Sick bis Bahnhofstraße, rund 335 Meter, etwa 3,5 Monate.

Bauabschnitt 4: Bahnhofstraße bis Birkenstockstraße, rund 420 Meter, etwa vier Monate.

Bauabschnitt 5: Birkenstockstraße bis Ortseingang, rund 250 Meter, etwa 2,5 Monate.

Bauabschnitt 6: Zum Hollen bis Ortseingang, rund 120 Meter, etwa 1,5 Monate.

Bauabschnitt 7: Arbeiten an den Einmündungen sowie Restarbeiten unter anderem an Birkenstockstraße, Bahnhofstraße, Im Sick und Zum Hollen, bislang mit rund zwei Monaten kalkuliert. Diese Abschnittsdauern stammen aus der bislang veröffentlichten Detailplanung und können sich durch Ausschreibung, Bauablauf und Witterung noch verändern.


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