

Bremervörde. Das Bachmann-Museum Bremervörde bewahrt rund 950 historische Kleidungsstücke. In den vergangenen Monaten haben das Museumsteam und zwei Textilrestauratorinnen sämtliche Objekte gesichtet, gereinigt und neu verpackt.
Das Projekt ist Teil der langfristigen Vorbereitung auf den Umzug in ein zukünftiges Zentraldepot. „Die großen Umlagen aus unserem Museumsgebäude haben wir inzwischen erfolgreich abgeschlossen. In den kommenden Jahren werden wir unseren gesamten Sammlungsbestand auf den Umzug in das zukünftige Zentraldepot vorbereiten. Dabei konzentrieren wir uns auf Objektgruppen“, erklärt die Museumsleiterin Ellen Horstrup.
Ein Schwerpunkt lag zuletzt auf Textilien aus dem 18. bis 20. Jahrhundert. Zum Bestand zählen Trachten aus dem zentralen Elbe-Weser-Dreieck mit Tüchern und Bändern, Uniformen, Alltagskleidung und ein kleines Konvolut an Puppenkleidung.
Kleidung als Spiegel ihrer Zeit
Die Objekte sind ein bedeutender Teil der regionalgeschichtlichen Sammlung. Kleidung schützt nicht nur vor Witterung, sie unterscheidet sich auch von Person zu Person. Sie verändert sich im Laufe der zeit, wird je nach Anlass und persönlichem Geschmack angepasst und kennzeichnet soziale Zugehörigkeit.
Die Sammlung erlaubt damit Einblicke in gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen im Elbe-Weser-Dreieck über mehrere Jahrhunderte.
Fachgerechte Reinigung
Der Bestand im Bachmann-Museum ist über Jahrzehnte gewachsen. Im Depot lagerten die Textilien bislang sorgfältig verpackt in Kartons, teils jedoch verstaubt oder im getragenen Zustand. Eine behutsame Reinigung durch Expertinnen war daher notwendig.
Die Diplom-Textilrestauratorin Eva Kümmel aus Lübeck und ihr Team prüften jedes einzelne Stück – darunter ein eindrucksvolles Brautkleid vom Ende des 19. Jahrhunderts und ein historischer Herrenanzug. „Alle Kleidungsstücke sind in einem wirklich guten zustand, das ist für eine Textilsammlung, die über einen so langen Zeitraum entstanden ist, nicht selbstverständlich. Hier haben die Verantwortlichen im Museum schon seit Jahrzehnten beeindruckende Arbeit geleistet und auf diesen interessanten Bestand gut aufgepasst“, sagt Kümmel.
Für die Arbeiten richtete das Museum eine sogenannte Arbeitsstraße ein. „So konnten wir den großen Bestand an mehreren Stationen parallel Schritt für Schritt bearbeiten“, verrät Miriam Gáyer. Sie ist seit 2025 im Bereich Restaurierung tätig und verfügt über einen Bachelorabschluss in Konservierung und Restaurierung für Holzobjekte, Möbel und Materialkombinationen.
Dokumentation und sichere Lagerung
Zunächst begutachtete Textilexpertin Kümmel den Zustand der Stücke. Anschließend wurden sie mit einem speziellen Staubsauger und Bürsten von trockenem Schmutz befreit. Bei stärkeren Verschmutzungen kam Reinigungsalkohol zum Einsatz.
Anschließend übernahm Sammlungsverwalter Lothar Safier die Objekte. Er fotografierte jedes Stück, vergab Inventarnummern und ergänzte Materialangaben, Maße sowie Bezeichnungen in der digitalen Datenbank. „So konnten wir Lücken in der Inventarisierung schließen, haben gleichzeitig ein aktuelles Foto für jedes Objekt ergänzt und können zukünftig über unsere Standortverwaltung jedes Kleidungsstück am Lagerort wiederfinden“, erklärt Safier.
Zum Abschluss verpackte das Team die Textilien in spezielle, flache Kartonanlagen, in denen die Stücke ungefaltet lagern können. Falten würden die empfindlichen Fasern langfristig schädigen. Rund 120 Kartons sind nun transportsicher eingelagert und warten auf den Umzug in das neue Zentraldepot.
Durch Spende ermöglicht
Das Projekt wurde durch eine Spende der Heinz-Wieker-Stiftung ermöglicht. Sie leistete einen entscheidenden Beitrag zur Bestandssicherung. „Es ist ein beruhigendes Gefühl zu wissen, dass es diesem empfindlichen Sammlungsbestand gut geht. Wir werden weiterhin sehr genau darauf aufpassen und können hoffentlich bald das ein oder andere Objekt in der neuen Dauerausstellung des Museums zeigen“, sagt Horstrup.




