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Ralf G. Poppe

Von der Bundesliga in den Stadtrat

Bremervörde. Die parteilose Lehrerin Maren Meinke gehört zum neuen Stadtrat und blickt auf eine spannende Handball-Karriere zurück.
Handball und Reiten sind Maren Meinkes größten Leidenschaften.

Handball und Reiten sind Maren Meinkes größten Leidenschaften.

Maren Meinke ist ein Kind Bremervördes. Sie ist in der Ostestadt geboren, aufgewachsen, hat hier ihr Abitur absolviert und beim TSV mit dem Handballspielen begonnen. Nun möchte die Parteilose ihrem Heimatort im Stadtrat etwas zurückgeben.
„Wenn ich mich einer Wahl stelle, muss ich Entscheidungen treffen“, sagt die 42-jährige, die seit vielen Jahren als Lehrerin in Stade arbeitet. „Ich stand auch deshalb als parteilos zur Wahl, weil ich mich nicht nur zu einer Partei hingezogen fühle“, führt sie weiter aus. Während ihr die Klima- und Umweltpolitik der Grünen - auf deren Liste sie kandidierte - gut gefalle, stehe sie sozialpolitisch der SPD näher. Es gehe aber grundsätzlich um die Sache, nicht um ein Parteibuch.
 
Abitur und Bundesliga
 
Geboren 1979 in Bremervörde, begann Meinke bereits im Alter von fünf Jahren mit dem Handball. Erst stand sie im Tor, dann zeigte sich, dass sie als Feldspielerin wertvoller ist. Als sie 12 Jahre jung war, kamen Sichtungslehrgänge dazu. Irgendwann kam sie diesbezüglich gar mit dem DHB (Deutscher Handball-Bund) in Kontakt. Als B- und A-Jugendliche spielte Maren bereits für den MTV Wisch aus dem Alten Land in der Oberliga. Anfragen vom Buxtehuder SV lagen schnell vor.
1998 erfolgten erste Probe-Trainingseinheiten – doch noch ging das Abitur vor. „Das tägliche Training hätte sich mit dem Abi nicht vereinbaren lassen“, sagt Meinke. 1999, nach erfolgreich bestandenem Abitur, folgte der feste Wechsel zum Buxtehuder SV in die erste Damen-Handball-Bundesliga. Meinke war sofort Stammspielerin. Ihre Position auf Linksaußen wurde frei, da sich die bisherige Stammspielerin verletzt hatte. Dieses Schicksal sollte leider auch Meinke ereilen – so war nach drei Saisons auf eigenen Wunsch Schluss mit der Bundesliga.
Dennoch zeigt Meinke sich rückblickend sehr dankbar. Sie hätte schließlich großartige Zeiten und Erlebnisse gehabt. Dazu gehörte z.B. eine Handball-Reise nach Island, inklusive Vulkan-Besuch. „Wenn die ganze Halle voll ist, alle kennen deinen Namen, das gibt schon Gänsehautmomente“, erinnert sich die Handballerin. Andererseits gab es auch Angstgefühle – so wurde ihre Mannschaft nach einem Pokalspiel einmal mit Cola-Dosen beworfen, der Trainer dadurch am Kopf verletzt. Mit Polizeischutz ging es aus der Halle, in der knapp 1.000 frenetische Fans der Heimmannschaft dicht am Spielfeldrand zugejubelt hätten. Die Dosenwürfe wären allerdings Einzelfälle gewesen.
 
Deutsche Meisterin und Nationalspielerin
 
Als Meinke beim MTV Wisch spielte, war sie parallel als Beachhandballspielerin aktiv. Auch das wäre eine schöne Erfahrung gewesen, erzählt sie mit leuchtenden Augen. Schließlich war sie hier im Kader der deutschen Nationalmannschaft. Und die MTV-lerinnen wurden nach einem Turnier in Cuxhaven gar die ersten offiziellen deutschen Beachhandball-Meisterinnen der Bundesrepublik. „Wir als Amateur-Mannschaft, das war eine Riesen-Gaudi“, sagt die Sportlehrerin.
2001 kam dann die schwere Verletzung. Das gesamte Knie war kaputt und wurde dreimal operiert. Da Meinke Sportlehrerin werden wollte, überlegte sie kurz, beendete dann das Engagement in der Bundesliga, um in Horneburg in der Regionalliga weiterzuspielen.
Irgendwann, Meinke war längst als Lehrerin für Sport, Deutsch und Religion aktiv, erfolgte der Wechsel zurück zum TSV Bremervörde. „Back to the roots“, zu dem Verein, mit dem sie sich sehr verbunden fühlt. Meinke spielte fortan in der ersten Damenmannschaft, war gar deren Trainerin, bis die Pandemie den Sport unterbrach. „Wenn man ein Teamplayer ist, fühlt man sich dem Team verbunden“, sagt sie.
Mitten in der Saison wäre Ersatz für den Trainer gesucht worden, da würde man nicht schnell adäquaten Ersatz finden. So übernahm sie auch hier die Verantwortung. Mit vielen der Spielerinnen sei sie zusammen aufgewachsen, und für eine „3. Halbzeit“ träfe man sich auch jetzt - soweit möglich - immer noch. Handball hier sei fast wie eine Familie.
 
Mit dem Pferd raus aus der Komfortzone
 
Ein anderes Steckenpferd von Maren Meinke ist mittlerweile zudem der Reitsport geworden. Nach ihrer Verletzung wollte sie sich unbedingt weiter sportlich betätigen, und zwar so, dass sie „einen Arschtritt“ bekäme, um nicht auf dem Sofa zu bleiben. So begann Meinke 2001 nach dem Kreuzbandriss mit dem Reitsport, denn ein Pferd kann man nicht auf später vertrösten. Da müsse man raus aus der Komfortzone.
 
Im Rat etwas verändern
 
Und genau diese Zone wird sie nun obendrein für ihre Arbeit im Stadtrat ebenfalls oft verlassen müssen. Als Maren Meinke darauf angesprochen worden war, ob sie sich eine Kandidatur vorstellen könne, hat sie zugesagt. Denn sie kennt die Arbeit aus der eigenen Familie. Ihr Vater war früher ebenfalls im Stadtrat aktiv, ihre Mutter im Vorstand einer demokratischen Partei hier vor Ort. Die Konsequenzen sind ihr also bewusst. Doch Meinke ist es gewohnt, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen zu verantworten: „Ich gehöre nicht zu denen, die nur meckern, sondern möchte das ein oder andere verändern“, sagt sie.


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