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Treffpunkt offline

Der Tag der offenen Gesellschaft will Menschen ins Gespräch bringen. In Osterholz-Scharmbeck sind die Omas gegen Rechts OHZ erneut dabei.

Ein Tisch, ein paar Stühle, Kaffee, vielleicht Kuchen - vor allem aber Gespräche, die sonst nicht stattfinden: Darum geht es beim Tag der offenen Gesellschaft, der in diesem Jahr am 20. Juni stattfindet. Die Initiative Offene Gesellschaft ruft bundesweit dazu auf, Tische und Stühle rauszustellen und Menschen zusammenzubringen. Das Motto in diesem Jahr lautet: „Treffpunkt offline!“

 

Aktionstag seit 2017

Der Aktionstag findet seit 2017 statt. Die Grundidee ist einfach: raus aus geschlossenen Räumen und digitalen Empörungs- und Bestätigungsschleifen, hinein in eine nachbarschaftliche Begegnung. „Der Tag der offenen Gesellschaft entstand 2017 als zivilgesellschaftliche Initiative, um im öffentlichen Raum Begegnungen und Dialog über gesellschaftliche Vielfalt zu fördern“, sagt Wouter Bernhardt, Sprecher der Initiative Offene Gesellschaft. Die Idee, Tische und Stühle herauszustellen, sei zwar nicht neu. „Sie hat sich aber als äußerst effektiv bewährt, Sichtbarkeit für Dialog und Begegnung zu schaffen und Menschen zusammenzubringen.“

Bundesweit gibt es gedeckte Tische, Nachbarschaftsfeste, Workshops, Lesungen und Podiumsdiskussionen. Beteiligt seien Vereine, Kirchen, Gewerkschaften, lokale Unternehmen und Gruppen wie die „Omas gegen Rechts“, sagt Bernhardt. Dass der Tag nicht weniger dringlich geworden ist, erklärt er mit der politischen Stimmung. „Seit 2017 hat sich die politische Lage noch einmal deutlich verschärft“, sagt er. Immer mehr Menschen seien „müde vom politischen Alltag“ und zögen sich „in ihre eigene Blase zurück“. Dagegen setze die Initiative eine Gegenbewegung: „Wir zeigen, dass es sich lohnt, sich mit den Nachbarn zu treffen und über Demokratie zu reden.“

„Der Aktionstag ist für alle gedacht, die keinen Bock mehr auf die politische Misere der letzten Jahre haben, die Lust haben auf neue Begegnungen und spannende Gespräche“, sagt Bernhardt. Vor allem in sozialen Medien wird viel geredet, aber wenig miteinander gesprochen. Der Tag der offenen Gesellschaft will den Gegenentwurf liefern: Menschen sitzen sich (in der echten Welt) gegenüber. Sie müssen zuhören, nachfragen, aushalten, antworten. Ein selbstorganisierter Austausch mit dem direkten Umfeld schaffe Mut und sei außerdem die Basis für weiteres Engagement, sagt Bernhardt. Außerdem wichtig: „Im Internet gibt’s keinen Kaffee und Kuchen.“

 

Bremerhaven als Beispiel

„Besonders gelungen finden wir das Bündnis Offene Gesellschaft, das sich letztes Jahr in Bremerhaven organisiert hat und sich dieses Jahr zum zweiten Mal mit vielen Aktionen beteiligt“, antwortet Wouter Bernhardt auf die Frage nach guten Beiträgen zum Aktionstag. Das Beispiel zeige, wie aus einzelnen Veranstaltungen ein Netzwerk entstehen könne.

Im vergangenen Jahr gab es in Bremerhaven Gespräche des Nord-Süd-Forums und der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde auf dem Gartengelände an der Lange Straße. In der Sommerstraße standen politisches Bierpong, Spiele, Seifenblasen und „Deeptalk“ auf dem Programm, in der Sackstraße ein Nachbarschaftstreffen.

In diesem Jahr knüpft die Stadt mit einem umfangreichen Programm daran an. Das Deutsche Auswandererhaus lädt von 10 bis 18 Uhr zu offenen Tischen und Stühlen ein. Bei Kaffee und Tee soll es um Migration und Demokratie gehen. Im Goethequartier verbindet die Quartiersmeisterei Lehe den Aktionstag von 11 bis 14 Uhr mit einem Straßenpicknick. Auf dem Zolli in Lehe ist ein Begegnungstag mit Waffeln, Mitmach-Aktionen und interaktivem Programm geplant.

 

„Omas gegen rechts“ machen wieder mit

Ebenfalls zum zweiten Mal sind die Omas gegen Rechts OHZ in diesem Jahr beim Tag der offenen Gesellschaft dabei. Im vergangenen Jahr war die Veranstaltung vom Bündnis für Demokratie OHZ initiiert worden, zu dem auch die Omas gegen Rechts gehören. In diesem Jahr übernehmen sie allein die Organisation. Das gemeinsame Anliegen bleibe aber dasselbe, sagt Roswitha Strube, Schriftführerin der Omas gegen Rechts OHZ: „Zusammen für Demokratie.“

Die Erfahrungen aus dem vergangenen Jahr beschreiben die Organisatorinnen als ermutigend. Das Motto lautete damals „Gemeinsam – Mensch sein“. Mit einem Plakat wurde in der Stadt auf die Aktion aufmerksam gemacht, auf dem Marktplatz kamen nach Einschätzung des Orga-Teams rund 30 Personen um die Eiche zusammen. Viele hätten sich vermutlich bereits gekannt und seien gesellschaftspolitisch engagierten Gruppen zuzurechnen gewesen. Zugleich sei aber auch das gelungen, worauf der Aktionstag zielt: „Es wurden auch einige Menschen – wie erwünscht – spontan im Vorbeigehen auf uns aufmerksam und gesellten sich dazu.“

Bei Keksen und manchmal einer Tasse Kaffee seien Gespräche entstanden, spontan oder angeregt durch Dialogkarten. Die Themen reichten von Gesellschaft und Politik über die Frage „Was ist uns die Demokratie wert?“ bis zu „Was wollen die Omas gegen Rechts?“ und „Wie fühle ich mich in Osterholz-Scharmbeck?“. Es sei aber nicht nur abstrakt über Demokratie gesprochen worden. Die Gespräche seien auch ins Private gegangen, schreibt Strube. Die Omas hätten von „Einsamkeit und Unglück“ erfahren. Auch über die damaligen Corona-Auflagen und die Frage „Wer darf sich Demokrat nennen?“ sei diskutiert worden. Auch die angebotenen Rikscha-Fahrten seien gern angenommen worden.

 

Miteinander statt übereinander sprechen

In diesem Jahr laden die Omas gegen Rechts OHZ am Samstag, 20. Juni, von 10.30 bis 13 Uhr auf den Scharmbecker Marktplatz ein. Unter dem Motto „Stühle und Tische raus!“ sollen Bürgerinnen und Bürger zum Austausch und Mitmachen an den Stand kommen. Wer möchte, darf einen eigenen Stuhl mitbringen. Kaffee und Tee stehen bereit. Der Tag der offenen Gesellschaft stehe für „Demokratie, Vielfalt, Zusammenhalt und respektvollen Dialog“, heißt es in der Ankündigung. Eine offene Gesellschaft lebe „vom Austausch und von Menschen, die miteinander statt übereinander sprechen“.

Passend zum diesjährigen Motto „Treffpunkt offline!“ wollen die Omas gegen Rechts dem „Trubel der digitalen Welt“ für eine kurze Zeit etwas entgegensetzen. Durch gedeckte Tische und Bänke solle eine „familiäre, gemütliche Atmosphäre“ entstehen, in der vorbeigehende Menschen eingeladen werden, sich zueinander zu setzen, miteinander ins Gespräch zu kommen, sich auszutauschen und kennenzulernen. Welche Themen dabei aufkommen, lasse sich kaum voraussagen, sagt Strube. Demokratie und die bevorstehende Kommunalwahl dürften aber sicher eine Rolle spielen.

Neben Gesprächen und Informationen sind auch kleine spielerische Aktionen für Kinder geplant, damit Familien den Tag gemeinsam und ausdrücklich offline erleben können. Die Omas gegen Rechts hoffen auf viele Begegnungen, interessante Gespräche und einen lebendigen Tag auf dem Marktplatz. Ziel sei es, gemeinsam ein sichtbares Zeichen für Demokratie, Toleranz und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu setzen.


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