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Mareike Kerouche

Shantys und plattdeutsche Geschichten - Unterhaltsamer Abend in alfstedt begeisterte das Publikum

Pianist Klaus Scharffenorth (r.) und Autor Hans-Hinrich Kahrs freuten sich über den gelungenen Lese-Liederabend in Alfstedt. Foto: uml

Pianist Klaus Scharffenorth (r.) und Autor Hans-Hinrich Kahrs freuten sich über den gelungenen Lese-Liederabend in Alfstedt. Foto: uml

Alfstedt (uml). Zu einem „komödigen Abend mit plattdeutschen Geschichten und Shantys“ hatte der Alfstedter Chor „Sealfood“ eingeladen. Der Saal von Steffens Gasthaus war sehr gut besucht und das bunt gemischte Publikum freute sich auf einen unterhaltsamen Abend.
In diesem Punkt wurden alle Erwartungen übertroffen. Die zehn Sänger unter der Leitung des bekannten Pianisten Klaus Scharffenorth aus Bielefeld begeisterten die Entourage mit ihrem Potpourri aus sentimentalen und rockigen, traditionellen und modernen, altbekannten und neuen, deutsch, englisch oder auch plattdeutsch gesungenen Liedern.
Die 2013 gegründete Gruppe setzt sich aus Sängern aus Alfstedt, Neu-Ebersdorf, Heinschenwalde und aus Langen bei Bremerhaven zusammen. Shantys sind meist traditionelle Lieder über Menschen, die zur See gefahren sind, über Schiffe, aber auch über die Erlebnisse in den Häfen, Spelunken und den berüchtigten Etablissements. Sealfood hatte eine große Bandbreite an Liedern parat und begeisterten mit ihr Vielseitigkeit. Zwischen den Shantys übernahm der Alfstedter Autor, Hans-Hinrich Kahrs, das Mikrofon und ließ sein Publikum an seinen alten und neuen Geschichten „op platt“ teilhaben. Bevor er aber aus seinem Buch „Dor liggt dat gröne, platte Land“ vorlas, gab der Gymnasiallehrer eine kleine Unterrichtsstunde in Sachen „Plattdeutsch“.
Während das Sprechen von Plattdeutsch früher eher verpönt war, ist es heutzutage wieder auf dem Vormarsch. Besonders hier in der Region ist es keine Seltenheit an einem Tisch einen stetigen Wechsel zwischen hoch und platt zu hören, ein hin und her zwischen denen, die sich immer auf platt unterhalten und den anderen, die sich nur mit manchen auf platt unterhalten und mit anderen auf Hochdeutsch. Warum es das so ist, das weiß man manchmal noch nicht einmal, aber irgendwie klappt es immer mit der Völkerverständigung, sagte Kahrs schmunzelnd, und jeder versteht den anderen. Ums verstehen geht es schon in der Begrüßung, wenn die Betonung von dem ortsüblichen „Moin“ zu „Moin-Moin“ und „Moooooin“ oder „Mohoin“ wechselt. Daran hört der Kenner schon, wie die Stimmung an dem Tag ist und ob man lieber in Deckung gehen sollte oder nicht.
Außergewöhnlich humorvoll nahm der aus Alfstedt-Bredemehe stammende Autor die unterschiedliche Aussprache des Plattdeutschen aus der Börde Lamstedt, Alfstedt oder dem benachbarten Ebersdorf aufs Korn, der unterschwellige Einfluss des Englischen und Französischen sorge zusätzlich noch für die kleinen Feinheiten der Region. Aus dem im Jahr 2017 erschienenen Buch „Dor liggt dat gröne, platte Land“ las der Berater für die niederdeutsche Sprache der Landesschulbehörde ein paar Geschichten vor, die zum Lachen aber auch zum Nachdenken anregten. Zum Schmunzeln hingegen waren die Erlebnisse des „Co-Trainers“ beim Fußball in der Pampersliga, bei der sich so manches Elternteil in der Geschichte wiederfand.
Zum Lachen war auch die grammatikalische Aufklärung von „Mein und sein, mir und mich“ im plattdeutschen, die auch im wirklichen Leben für so manchen Ausbruch der Heiterkeit sorgen kann.
Mit einer großen Portion Humor, Selbstironie und einem Quäntchen Wahrheit brachte der Autor seine Geschichten und Gedichte mitten aus dem Leben heraus zum Besten, immer gepaart mit einer großen Einheit Lokalkolorit. Ein unterhaltsamer Abend der, dem Beifall nach zu urteilen, nach Wiederholung schreit.


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