Ralf G. Poppe

Parteiübergreifend für Bremervörde Jochen Hake tritt als Kandidat zur Bürgermeisterwahl in der Ostestadt an

Bremervörde (rgp). Am 9. September soll Jochen Hake auf der Ortsverbandssitzung der Bremervörder Grünen als ihr Bürgermeisterkandidat offiziell bestätigt werden. Ein Portrait.
 

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Foto: Patrick Viol

Jochen Hake lebt seit knapp zwei Jahren mit seiner Ehefrau und seinen beiden Söhnen wieder in seiner Heimat. Er ist nicht einfach nur ein Amtsbewerber, sondern er hat bundesweit Erfahrungen gesammelt. Er könnte frischen Bürgermeisterwind in die Ostestadt bringen, da die bisherigen Verwaltungschefs meist ein CDU- oder SPD-Parteibuch hatten.
 
Bremervörde einen
 
Dennoch setzt Hake darauf, im Miteinander die Punkte für Bremervörde zu stärken, die alle Einwohner*innen verbinden. Aspekte, die trennen, sind nicht seins. So empfindet es Hake als relativ unwichtig, dass der Bewerber der CDU im Gegensatz zu ihm keinerlei Verwaltungserfahrung hat. „Das halte ich nicht für entscheidend. Darum sollte es auch nicht gehen. Bei einer guten Verwaltung, und die haben wir, kann auch jemand ohne Verwaltungserfahrung ein guter Bürgermeister sein.“ Hake möchte die Attraktivität der Ostestadt erhöhen und versuchen, die Neue Straße, die Bremervörde bisher „zerschneidet“, zu einer attraktiven Verbindung zu entwickeln. Hake möchte im übertragenden Sinne die positive Arbeit für die Stadt fortsetzen, die sein Vater als Lehrer bzw. sein Großvater als Chefarzt des Bremervörder Krankenhauses bereits leisteten. „Mein Opa war Dr. Heinz Engler. Auf der Flucht verschlug es meine Oma mit ihren damals zwei Töchtern nach Bremervörde-Elm. Mein Opa, der Arzt beim Roten Kreuz war, kam später nach. Meine Großeltern waren Vertriebene. Sie haben sich im Studium in Berlin kennengelernt. Meine Mutter ist 1947 in Bremervörde geboren.“ Auch Jochen Hake (50) wuchs im direkten Bremervörder Umfeld auf. Zuerst in Iselersheim, dann in Hönau-Lindorf. „Während meiner Schulzeit am Landwirtschaftsgymnasium und meiner zweijährigen Bundeswehrzeit wohnte ich in der Kernstadt.“
 
Bundestag in Berlin
 
Anschließend ging es zum Studium nach Oldenburg. „Dort wurde ich politisch aktiv, erst Fachschaft, dann Studierendenparlament und schließlich Vertreter der Studierenden im Senat der Universität sowie als einer der beiden Vorsitzenden der Studierendenschaft.“ Anschließend arbeitete Hake für die Partei Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag in Berlin. „Das war Zufall. Ich hatte mich eigentlich nach meinem Abschluss als Diplom-Biologe und einem Jahr im Bereich Suchtprävention nochmals zu einem Studium entschlossen, um Lehrer zu werden. Dann rief mein Vorgänger - er war für die Jusos Vorsitzender - mich an. Er ermunterte mich bei der Grünen Bundestagsfraktion eine Bewerbung einzureichen. Nach Praktikum bzw. Werkverträgen wurde ich nach der Wahl 2005 Referent für Umwelt und Nachhaltigkeit bei der Bundestagsfraktion.“
 
Umweltbehörde Hamburg
 
Derzeit arbeitet Hake in der Umweltbehörde in Hamburg im Bereich Luftreinhaltung. Er verfügt über gute Kontakte und vielfältige Erfahrungen. Obendrein hat er ein breites Wissen darüber, wie Gesetze entstehen, wie sie zu lesen und zu nutzen sind. „Ich fing im September 2018 in Hamburg an, vorher war ich ein halbes Jahr in der Hamburger Landesvertretung beschäftigt. Somit bringe ich praktische Bundestags- und Bundesratserfahrung ein. Durch diese Tätigkeiten bin ich sowohl im politischen als auch im Verwaltungsbereich breit vernetzt. Viele Weggefährt*innen sitzen Behörden. Auch zu den ehemaligen Kolleg*innen bei den Fraktionen der SPD, FDP und CDU habe ich viele Kontakte. Mit ihnen habe ich immer gerne zusammengearbeitet. Das setzte sich in meiner ersten Tätigkeit in Hamburg fort. Dort war ich Leiter der Geschäftsstelle der Umweltministerkonferenz im Hamburger Vorsitzjahr. In der Zeit wurden meine Kontakte in die Länder intensiviert. Gleichzeitig lernte und lerne ich immer noch viel, wie behördliche Verwaltungsabläufe zu gestalten sind.“
 
Bürgermeister von Bremervörde?
 Doch warum hat Jochen Hake entschieden, sich in seiner Heimatstadt um das Amt des Bürgermeisters zu bewerben? „Bremervörde ist solch ein Kleinod. Die Stadt hatte mit der Landesausstellung ein Geschenk, das - aus Sicht von außen - nicht genutzt wurde. Bremervörde verharrte im Denken der siebziger Jahre. Ich finde, Bremervörde hat mehr verdient. Der Kern, der diese Stadt mit den umliegenden Dörfern ausmacht, ist immer noch erhalten. Es ist noch nicht zu spät. Wir haben hier eine Gemeinschaft, lebendige Vereine, viele Ehrenamtliche. Ich möchte nicht, dass das verloren geht. Wenn ich eine solche Meinung vertrete, dann muss ich auch bereit sein, mich dafür einzusetzen. Lieber packe ich mit meinen Möglichkeiten an, als nur danebenzustehen und zu kritisieren. Ich möchte Bremervörde mit den tollen charakteristischen Dörfern für die hier Lebenden attraktiv gestalten. Damit wir alle mit Stolz von unserer Heimat sprechen können. Zur Kandidatur entschlossen habe ich mich, als wir entschieden hatten, nach Bremervörde zu ziehen. Da war mir klar, dass ich kandidieren muss. Ich finde, die Menschen sollen eine Wahl haben. Lediglich ein Bürgermeisterkandidat wäre keine Wahl. Natürlich liegt mir unsere Umwelt am Herzen. Ich will die Klimakrise begrenzen, damit auch unsere Kindeskinder noch in Bremervörde leben können. Mir ist zudem wichtig, dass unsere Stadt Familienfreundlich ist. Dazu gehört für mich auch, Wege abseits von Autostraßen zu pflegen. Den Hafen will ich attraktiver gestalten und gemeinsam mit dem Vörder See als Ausflugsziel für alle stärken. Die Sperrung des dortigen Spielplatzes mit dem Verlust der Hauptattraktion darf sich nicht wiederholen. Es gibt so viele Baustellen, nicht nur beim ehemaligen Minimal- oder Penny-Gelände. Zuerst müssen wir aber das was wir haben, vor dem Verfall bewahren.


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