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Neue Zukunft für alte Mauern

Die historische St.-Lamberti-Kirche in Selsingen soll 2027 umfassend renoviert werden, wobei moderne Technik und eine neue Gestaltung den Kirchenraum fit für die Zukunft machen sollen, ohne seinen jahrhundertealten Charakter zu verlieren

 

Bild: Lf

Selsingen. Seit Jahrhunderten steht die Kirche St. Lamberti mitten in Selsingen. Sie ist Gotteshaus, Orientierungspunkt und ein Stück Ortsgeschichte. Nun soll St. Lamberti erneut aufgefrischt werden: Nach den bisherigen Planungen ist für die erste Jahreshälfte 2027 eine umfassende Renovierung des Innenraums vorgesehen. Wände und Decke sollen einen neuen Anstrich erhalten, die Beleuchtung und technische Ausstattung werden erneuert. Auch die Kirchenbänke und die historische Ausstattung stehen im Blick. Das Ziel: den Charakter des alten Gebäudes bewahren und den Kirchenraum zugleich für die Anforderungen der kommenden Jahrzehnte weiterentwickeln.

 

Eine Kirche mit langer Geschichte

Dass an dieser Stelle schon sehr lange eine Kirche steht, zeigt vor allem der Turm. Die Anfänge des Gotteshauses reichen vermutlich bis in die Zeit vor dem Jahr 900 zurück; Teile des Turms könnten aus dem 11. Jahrhundert stammen. Sicher ist: Die Vorgängerkirche wurde 1239 von einem Brand getroffen. Die heutige Feldsteinkirche entstand 1725 am selben Platz. Dafür verwendete die Gemeinde Steine des älteren Gebäudes. Der Neubau soll in nur vier Monaten fertiggetellt worden sein. St. Lamberti ist damit nicht einfach ein Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, sondern trägt noch heute Spuren einer deutlich älteren Geschichte.

 

Historische Ausstattung bleibt im Blick

Auch im Inneren begegnet Besuchern die Vergangenheit. Der Kanzelaltar stammt aus dem Jahr 1642 und wurde ursprünglich für eine Kirche in Stade geschaffen. Um 1725 kam er nach Selsingen. Die bronzene Taufe gehört ebenfalls zu den älteren Ausstattungsstücken. Solche Elemente prägen den Raum und sollen bei den Arbeiten besonders geschützt werden. Die Renovierung ist deshalb mehr als ein neuer Anstrich: Sie muss praktische Verbesserungen mit dem Erhalt des historischen Bestands verbinden.

 

Nach mehr als 30 Jahren ist es Zeit

Die letzte umfassende Renovierung des Innenraums wurde Anfang der 1990er-Jahre abgeschlossen. Inzwischen zeigen sich erneut Risse im Putz und Schäden am Anstrich; an einigen Stellen ist die Farbe verblasst oder blättert ab. Die Arbeiten sollen diese Schäden beheben und zugleich ein stimmiges Gesamtbild schaffen. Pastor Markus Stamme zufolge geht es darum, den Kirchenraum für die Zukunft aufzustellen. Neben der Farbgestaltung spielen dabei Licht und Technik eine wichtige Rolle.

 

Neue Farbe, neues Licht, mehr Möglichkeiten

Geplant sind die Überarbeitung von Wänden und Decke mit einer neuen Farbfassung sowie das Aufarbeiten der Kirchenbänke. Auch die Beleuchtung soll neu gestaltet werden. Eine zeitgemäße technische Ausstattung – darunter Beamer und Leinwand – soll künftig zusätzliche Möglichkeiten für Gottesdienste, Andachten und Veranstatugnen eröffnen. Dabei geht es nicht darum, den historischen Raum grundlegend zu verändern. Vielmehr sollen die Neuerungen so eingebunden werden, dass die besondere Atmosphäre von St. Lamberti erhalten bleibt und der Raum zugleich vielseitiger genutzt werden kann.

 

Fördermittel machen das Vorhaben möglich

Für die Planung wurden gemeinsam mit Dr. Christiane Sell-Greiser und Marcel Bonse sowie dem Amt für regionale Landesentwicklung ein Renovierungs- und ein Finanzierungskonzept erarbeitet. Nach den vorliegenden Angaben sollen 75 Prozent der Kosten über das ZILE-Programm gefördert werden. Die Maßnahmen werden außerdem mit der kirchlichen und der niedersächsischen Denkmalpflege abgestimmt. Diese Abstimmung ist wichtig, damit notwendige technische Verbesserungen mit den Anforderungen an den Schutz des historischen Gebäudes vereinbar sind.

 

Während der Bauarbeiten zieht die Gemeinde um

Bevor Handwerker loslegen können, muss die Kirche weitgehend ausgeräumt werden. Instrumente, Bänke, Taufbecken und Stühle werden vorübergehend an einen anderen Ort gebracht. Altar und Orgel erhalten eine schützende Einhausung. Danach werden Gerüste für die Elektro- und Malerarbeiten aufgebaut. Für die Gemeinde bedeutet das eine vorübergehende Umstellung: Gottesdienste und weitere Veranstaltungen sollen während der Bauzeit im benachbarten Gemeindehaus stattfinden. Das vertraute Kirchengebäude wird also zeitweise nicht wie gewohnt zur Verfügung stehen.

 

Gemeinde diskutiert über die Zukunft

Wie St. Lamberti nach der Renovierung wirken soll, war auch Thema eines Gemeindeabends am 7. Oktober im Gemeindehaus. Dort wurden der Stand der Planung vorgestellt und Ideen für Licht und Technik diskutiert. Gesprächsstoff bot zudem die Frage, ob einzelne Kirchenbänke künftig durch Stühle ersetzt werden könnten. Dahinter steht auch die Überlegung, wie sich der Raum für unterschiedliche Anlässe nutzen lässt, ohne seinen gewachsenen Charakter zu verlieren. Die Rückmeldungen aus der Gemeinde sollen helfen, die Planungen mit den Bedürfnissen der Menschen vor Ort in Einklang zu bringen.

Wenn die Arbeiten wie vorgesehen 2027 umgesetzt werden, erhält Selsingen einen Kirchenraum, der seine lange Geschichte sichtbar bewahrt und zugleich neue Möglichkeiten eröffnet. Die alten Feldsteine, der historische Kanzelaltar und die vertraute Atmosphäre bleiben Teil des Ganzen. Dazu kommen frische Farbe, ein neues Lichtkonzept und moderne Technik. St. Lamberti soll so auch künftig das bleiben, was sie seit Jahrhunderten ist: ein Mittelpunkt des kirchlichen Lebens in Selsingen.


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