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Menschenwürde ist nicht verhandelbar

Rund 600 Menschen kamen am vergangenen Wochenende auf den Rathausmarkt, um Haltung zu zeigen, und für Menschenwürde einzustehen.

Bremervörde (rgp). Gleichzeitig galt die Zusammenkunft als Aufruf, um am 9. Juni, dem Tag der Europawahl, unbedingt wählen zu gehen. Denn dank der freiheitlich demokratischen Grundordnung in Deutschland haben die Bürger:innen hier das Recht, frei zu wählen.

 

Klare Positionen

 

Kurz nach 11 Uhr eröffneten Sergey, Sven und Johann (das Posaunentrio der Kreismusikschule) das Programm auf der Bühne. Die darauffolgenden Redebeiträge wurden von Michael Parey-Freitag (Kirchliche Friedens- und Gedenkstättenarbeit Gedenkstätte Lager Sandbostel) anmoderiert.

Bremervördes Bürgermeister Michael Hannebacher war nicht persönlich vor Ort. Seine Worte trug Kathrin Nübel vom Bremervörder Bündnis für Demokratie & Menschenwürde überzeugend und mit Nachdruck vor. Anschließend bekannte sich Landrat Marco Prietz zu den Idealen unserer Demokratie. Er sagte, es sei sehr wichtig, sich im Alltag klar gegen Rassismus und Ausgrenzung zu positionieren.

 

Die Bedeutung der Demokratie

 

„Hier bei uns steht Vielfalt, Religionsfreiheit, Toleranz, Menschenwürde und Gleichberechtigung an erster Stelle. Als Yezidin mit Migrationshintergrund weiß ich aus eigener Erfahrung, wie wichtig diese Werte sind. Meine Eltern kamen als Religionsflüchtlinge aus der Türkei nach Deutschland“, sagte Evin Elma, u.a. Leiterin der Begegnungsstätte Tandem-Treff. „Demokratie bedeutet, dass jeder und jede von uns eine Stimme hat, um zu entscheiden. Wer bei den Europawahlen eine falsche Entscheidung trifft, kann nicht später behaupten, er habe es nicht gewusst oder habe es nicht wissen können. Denn wir wissen es. Wir kennen die Bedrohung“, führte sie weiter aus. „Wir müssen uns bewusst machen, dass die rechtsextreme Szene keine kurzlebige Erscheinung ist, sondern dass sie auf jahrzehntelanger Aufbauarbeit beruht. Die AfD wird in drei Bundesländern als gesichert rechtsextrem eingestuft. Das ist keine Kleinigkeit. Es steht außer Frage, dass sie die Grundlagen unserer Demokratie gefährdet. Deshalb müssen wir sie auf allen politischen und gesellschaftlichen Ebenen bekämpfen.“

 

Erschreckende Studien

 

Nachdem Kassem Mohsen (31), u.a. Mitarbeiter und Übersetzer der Tafel Bremervörde, sich an die Menge gewandt hatte, fand auch Johanna Becker (21), ehrenamtliche Mitarbeiterin in der Gedenkstätte Lager Sandbostel, deutliche Worte: „Ich glaube, es ist heute sehr einfach in dieses Schweigen zu verfallen. Ich meine, ich mache abends den Fernseher an, schaue die Nachrichten und mir wird all das gezeigt, was gerade alles auf der Welt schiefläuft. Da ist es nicht gerade unverständlich, sich überfordert und machtlos zu fühlen“, so Becker. Im Zuge der politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in Deutschland in die rechte Richtung sei es wichtig, Haltung zu zeigen und nicht nochmal in dieses gesellschaftliche Schweigen zu verfallen. Auch Becker wies noch einmal auf die Europawahl hin. Es sei nicht egal, dass Menschen sich in Deutschland treffen und planen, wie sie andere Menschen vertreiben können. Es sei nicht egal, dass andere aufgrund ihrer Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Sexualität oder aus anderen Gründen ausgeschlossen werden sollen. Es sei nicht egal, dass Politiker:innen einer bestimmten Partei, in Interviews rechtsextreme Aussagen treffen und die Bürger:innen so manipulieren, dass sie trotzdem so viele Stimmen erhalten. „Und besonders erschreckend finde ich das Ergebnis einer Studie, dass noch nie so viele junge Menschen angegeben haben, die AfD wählen zu wollen, wie aktuell - nämlich fast 22 Prozent“, so Becker.

Petra Esch und Marlies Flügge vom Bremervörder Frauenzimmer betonten abschließend, dass die Frauen nicht zum althergebrachten Frauenbild (Kinder und Küche) zurück möchten. Musikalisch wurden die Beiträge von Marno Howald, der Fänger Band und Pure Tonic untermalt.


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