Mareike Kerouche

Kein Platz für Extremismus - Gedenkfeier zum 74. Jahrestag der Befreiung des Lagers Sandbostel

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„Der Preis für den Sieg über den Nationalsozialismus war enorm.“: Der Vertreter des russischen Generalkonsulats Andrei Sharashki (r.), hier zusammen mit seinem Übersetzer, mahnte an, dass es in Europa keinen Platz mehr für Faschismus und Radikalismus geben dürfe.  Foto: ue

„Der Preis für den Sieg über den Nationalsozialismus war enorm.“: Der Vertreter des russischen Generalkonsulats Andrei Sharashki (r.), hier zusammen mit seinem Übersetzer, mahnte an, dass es in Europa keinen Platz mehr für Faschismus und Radikalismus geben dürfe. Foto: ue

Sandbostel. Zum 74. Mal jährte sich in diesem Jahr die Befreiung des Kriegsgefangenenlagers Stalag XB in Sandbostel. Wie in den vergangenen Jahren würdigte man diesen Tag in besonderer Form in der Gedenkstätte Lager Sandbostel und der Kriegsgräberstätte. Im Kreise vieler Vertreter aus dem öffentlichen Leben kamen erneut zahlreiche Angehörige ehemaliger Lagerinsassen zur Gedenkfeier zusammen.
„Muss man denn immer noch an die Geschehnisse rund um den Zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus erinnern?“ Diese Frage, so Günther Justen-Stahl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Lager Sandbostel, in seiner einleitenden Begrüßung, stamme nicht aus den 50er Jahren, sondern sei besonders in letzter Zeit in populistischen Politkreisen und auch den Medien immer wieder hochgekocht. Diese Frage müsse man aufs Schärfste zurückweisen. „Wir dürfen nicht zulassen, dass solches Gedankengut wieder salonfähig wird.“
Landrat Hermann Luttmann erinnerte in seinem Grußwort an das Leid, der hier während der Kriegsjahre internierten Kriegsgefangenen und KZ-Häftlinge. „Seit drei Generationen haben wir Frieden in Europa. Aber wir dürfen nicht glauben, dass das selbstverständlich ist“, so Luttmann und sprach den Krieg auf dem Balkan und den seit fünf Jahren schwelenden Konflikt auf der Krim an.
Heute sehe er Deutschland als demokratischen und verlässlichen Partner in der Welt. „Ich bin zuversichtlich, dass sich ein diktatorisches Regime wie zur Nazi-Zeit nicht wiederholen wird und auch kein Krieg mehr von deutschem Boden ausgehen wird.“
In seiner Ansprache erinnerte der Vertreter des russischen Generalkonsulats Andrei Sharashki an die in wenigen Tagen bevorstehenden Feierlichkeiten in seinem Land zum Kriegsende 1945. Dies sei ein Fest unter Tränen, denn: „Der Preis für den Sieg war enorm. Es mussten viele Millionen Menschen geopfert werden, damit wir heute in Frieden leben. Vor 74 Jahren wurde der Faschismus besiegt, doch nicht ganz. Heute sehen wir in ganz Europa faschistische Kräfte wachsen und an Bedeutung gewinnen“, mahnte Sharashki. Nach seiner Ansicht dürfe kein Platz für Toleranz gegen Rechtsextremismus sein.
Bis zu 40.000 Russen seien in Sandbostel ums Leben gekommen. „Wir müssen uns heute unserer Pflicht diesen Opfern gegenüber erinnern. Diese Pflicht wird nur erfüllt, wenn Europa frei von Faschismus und Radikalismus sein wird.“ So ein Europa, so Andrei Sharashki weiter, werde das beste Denkmal für die Menschen sein, die hier in Sandbostel gestorben seien.
Adam Borkowski, Vizekonsul der Republik Polen in Hamburg, erinnerte in seinem Grußwort an den militärischen Widerstand Polens gegen die deutschen Besatzer, der in Warschau vernichtend niedergeschlagen wurde. Es sei nach seinen Worten wichtig, alles zu unternehmen, damit ein solcher Krieg nie wieder passieren könne.
Diese Meinung teilte auch der italienische Generalkonsul Giorgio Taborri aus Hannover: „Ohne eine geteilte tief gehende Erinnerung könnten sich die Tragödien der Vergangenheit wiederholen.“ Die Überlebenden des Lagers Sandbostel erinnerten uns alle an den Wahnsinn des Krieges und wie wichtig und wertvoll eine demokratische Welt heute sei.
Mit einem gemeinsamen Gebet von Vertretern verschiedener Religionen und Kranzniederlegungen endete die Feier auf der Kriegsgräberstätte und wurde anschließend in der ehemaligen Lagerküche der Gedenkstätte fortgesetzt. Ein von der St. Lamberti-Kirchengemeinde Selsingen ausgestalteter Gedenkgottesdienst rundete am Abend die diesjährige Gedenkfeier ab.


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