Patrick Viol

Inhaberin von Schuhhaus Steffens plädiert für lokalen Einkauf

Landkreis (pvio). Die politischen Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens treffen auch die Textil- und Schuhbranche hart. Auch das Schuhhaus Steffens ist davon betroffen, doch seine Inhaberin gibt sich kämpferisch und appelliert an ihre Mitmenschen.

Bilder
Den Kaufladen um die Ecke zu unterstützen, ist derzeit wichtiger denn je, findet Schuhhaus Steffens Inhaberin Anne Steffens Springer.  Foto: Steffens-Springer

Den Kaufladen um die Ecke zu unterstützen, ist derzeit wichtiger denn je, findet Schuhhaus Steffens Inhaberin Anne Steffens Springer. Foto: Steffens-Springer

Foto: Patrick Viol

Keine andere Branche lebt so sehr vom Anschauen, Anfassen und vor allem vom Anprobieren wie das Mode- und Schuhgeschäft. Niemand rennt in einen Schuhladen, scannt mit Roboteraugen das Sortiment, verlässt sich auf die angegebene Größe an der Sohle, bezahlt und geht. Das Durchstöbern der aktuellen Kollektionen, das Anprobieren und Betrachten wie eine persönliche Beratung gehört im Schuh- wie im Modegeschäft zum Einkaufen dazu. Macht es zu einem Erlebnis. Doch dies zu tun, das verhindern derzeit die Eindämmungsmaßnahmen des Corona-Virus.
 
Wegfall der starken Monate
 
Das fatale für regionale Schuh- und Modegeschäfte an dieser Situation ist nicht nur der Einbruch der Einnahmen, sondern dass sie bereits in Vorkasse gehen mussten. 90 Prozent aller Schuhe werden ein halbes Jahr vor der Saison beim Lieferanten bestellt.
Nun fallen aber die starken Verkaufsmonate weg und man bleibt auf der Ware sitzen, weil sie nicht zurückgegeben werden kann. Und in der nächsten Saison ist sie teilweise aufgrund neuer Modetrends veraltet. So trifft ein, was derzeit allen Unternehmen vor Ort droht: Kosten für Personal, Leasing, Miete, Zinsen & Tilgungen, Versicherungen, Strom, Heizen können nicht bezahlt werden. Auch die Soforthilfen vom Staat reichen bei den meisten nicht aus, um die Ausfälle aufzufangen.
 
Durch dick und dünn
 
Auch Anne Steffens-Springer und ihr Schuhhaus Steffens sind von der misslichen Situation betroffen. Aber anstatt den Kopf in einen Berg von Schuhen zu stecken, prescht sie nach vorne: „Ein Masterplan-Corona muss her“, so die engagierte Schuhverkäuferin.
Steffens-Springer findet die politischen Maßnahmen wichtig und richtig und wünscht allen, dass sie gesund bleiben. Aber „wir werden jede Möglichkeit nutzen, um diese schwere Zeit zu überstehen“, sagt Steffens-Springer.
Das Schuhhaus sei nicht nur ein Familienbetrieb in dritter Generation, sondern eine „Familie, die immer zusammenhält und durch dick und dünn geht“, so die Chefin kämpferisch. Sie ist stolz auf ihre Mitarbeiter*innen, die trotz der wirtschaftlichen Katastrophe hinter ihr stehen. Und sie ist ihnen dafür nicht nur dankbar, sondern setzt sich mit aller Kraft und Kreativität dafür ein, dass sie alle ihre Jobs behalten können. Das lässt sich nur schaffen, wenn man ein kreatives und gemeinsames Konzept entwickelt. Eines von dem nicht nur das Schuhhaus, sondern die lokale Wirtschaft profitiert. Die Idee der Schuhverkäuferin ist hierfür aber ganz einfach: Kauft lokal.
 
Online Überlebensstrategie
 
Um trotz der massiven Einschränkungen wirtschaftlich zu überleben, um die Arbeitsplätze der Mitarbeiter*innen zu sichern und zugleich die wirtschaftlichen Strukturen in der Region zu erhalten, müssen die Unternehmen vor Ort ihren Onlinehandel entwickeln, so Steffens-Springer.
Hierin sieht die Inhaberin die Chance für ihr Schuhhaus mit über 80 Mitarbeiter*innen, die in der Zentrale und der eigenen Schuhmacher-Werkstatt in Armstorf sowie in den zehn zurzeit geschlossenen Filialen in Bremervörde, Lamstedt, Hemmoor, Otterndorf, Bad Bederkesa, Harsefeld, Fredenbeck, Osterholz-Scharmbeck Kund*innen persönlich beraten.
 
Kontaktlos liefern lassen
 
Das Schuhhaus Steffens hat nicht nur sein Sortiment komplett online gestellt, sondern bietet zudem der Situation angepasste Serviceleistungen an. „Wir versenden zum Beispiel kostenlose Kinderfuß-Messtabellen bis Größe 25, aber auch Fußmessleisten für Erwachsene. Und in unserer Schuhmacher-Werkstatt fertigen wir weiterhin Einlagen an, reparieren und verschönern“, so Steffens-Springer. Zudem erfolgt per Mail (info@schuhhaus-steffens.de) oder unter der Nummer 0160-95548907 (per Nachricht) eine Beratung rund um die Uhr. „Wir halten einen kontaktlosen Draht zu unseren Kunden“, versichert Steffens-Springer.
 
Kauft lokal
 Anne Steffens-Springer denkt aber nicht nur an ihr Schuhgeschäft, sondern an alle kleinen und mittleren Unternehmen vor Ort. An die wohnungsnahen, zum Stöbern einladenden Geschäfte. Das sollte man auch nach der Krise tun, empfiehlt die Schuhexpertin. „Kauft lokal“, ist ihr Motto. Sei es nun die Milch vom regionalen Landwirt, das Essen der Restaurants im Ort, die Mode ansässiger Textilhäuser, Reisen hiesiger Reisebüros, das Brot der Bäcker*innen oder die Blumen der Florist*innen um die Ecke - „kauft bei all jenen, die immer persönlich für uns da sind“, bittet Anne Steffens-Springer ihre Mitmenschen, denen sie für den Zusammenhalt in dieser katastrophalen Lage dankbar sei.


UNTERNEHMEN DER REGION