

Bremervörde. Die Bremervörderin Mia Wittich und der Gnarrenburger Luca Ehlers sind 18 Jahre alt. Sie besuchen unterschiedliche Gymnasien. Obwohl sie sich in der CDU, er sich in der SPD engagiert, unterscheiden sich ihre Prioritäten kaum. Gleiches gilt für den 21-jährigen Grünen Jonas Wiesehan aus Oerel.
Der Anzeiger hatte die drei jungen Leute aus drei verschiedenen Wahlbezirken zu einem gemeinsamen Gespräch eingeladen, um zu erfahren, was sie kurz vor der Kommunalwahl beschäftigt, und aus welchen Gründen sie sich politisch engagieren. Obwohl die drei Kandidaten unterschiedlichen Parteien nahe stehen, sind sie sich in wesentlichen Punkten einig.
Frühes Engagement
Mia Wittich steht als parteilose Kandidatin auf den Bremervörder Listen für den Stadt- und Ortsrat. Ihr Interesse für Politik begann vor sechs Jahren, als der Corona-Lockdown die Menschen bewegte. „Da habe ich gemerkt, wie Politik unser aller Leben beeinflusst“, so Wittich. Seither fand sie das Thema spannend. Im vergangenen Jahr, als sie die 11. Klasse besuchte, absolvierte sie ein Praktikum bei der CDU-Bundestagsabgeordneten Vanessa Zobel in Berlin. Dort habe sie erfahren, dass der Bremervörder Bürgermeisterkandidat der CDU, Dirk Stelling, noch Unterstützung suchte, um Videos zur Kommunalwahl zu drehen. Wittich sagte zu.
„Dann hat er mich irgendwann gefragt, ob ich nicht auch Lust hätte, zu kandidieren. Natürlich habe ich ja gesagt, weil das eine großartige Gelegenheit ist, wirklich etwas für uns hier in der Stadt zu machen“, erzählt Wittich weiter. Sie könne sich vollkommen mit dem Bremervörder CDU-Team identifizieren. „Ich fühle mich da einfach wohl.“ In die Partei sei sie jedoch nicht eingetreten, weil sie zunächst noch Erfahrungen sammeln möchte, bevor sie sich in eine Partei einbringen könne.
Das geht Luca Ehlers ähnlich. „Tatsächlich möchte ich auch erst einmal Erfahrung sammeln“, sagt der Gnarrenburger. Er finde, man müsse zwischen der Bundesebene und der Kommunalpolitik unterscheiden. In der Bundespolitik gebe es ein paar Unstimmigkeiten, ein paar Dinge, die ihm nicht passten. Deshalb sei er noch nicht in die SPD eingetreten. „Jetzt wird es ein bisschen langweilig… Denn mein Beweggrund, mich politisch zu engagieren, ist ähnlich gelagert wie bei Mia“, sagt der 18-Jährige mit einem Lächeln. Er habe sich erstmals in der 5. Klasse für Politik interessiert. „Da habe ich mich das erste Mal für die Wahl zum Klassensprecher aufstellen lassen.“ Später sei er Schülersprecher gewesen. „Irgendwann bekommt man dann mit, was im Umfeld passiert. Das war mein Einstieg.“
Allerdings sei er familiär etwas „vorbelastet“. Mit seinem Großvater, der kürzlich verstorben ist, habe er bis zum Schluss viel über Politik gesprochen. Sein Opa sei Mitglied der SPD und in Karlshöfen Bürgermeister gewesen. „Ich habe dann herausgefunden, dass auch meine Urgroßeltern bereits in der SPD waren. Auch 1933, also zur NS-Zeit.“ Genau wie Wittich, finde auch er „sein“ Gnarrenburger SPD-Team super sympathisch. Ehlers kandidiert ebenfalls für beide Gremien – Samtgemeinderat und Gnarrenburger Ortsrat.
Für Mia Wittich ist es nicht das erste Ehrenamt: „Ich war eigentlich auch immer Klassensprecherin, und, seit ich 16 bin, ehrenamtlich Kirchenvorsteherin im Hesedorf. Dort habe ich quasi erfahren, wie das ist, etwas für die Gemeinde zu machen, mit Menschen zu arbeiten. Es ist wirklich ein schönes Ehrenamt.“ Luca Ehlers hat ebenfalls schon Erfahrungen gesammelt. Die beiden Kandidaten haben - bis jetzt - einen ähnlichen Werdegang hinter sich.
Autobahn – pro oder contra?
Auch ihre Meinung zum geplanten Autobahnbau bei Bremervörde unterscheidet sich nicht groß. Man müsse sorgfältig pro und contra abwägen, finden beide. Deutlich dafür, oder dagegen aussprechen, möchten sie sich im Gespräch nicht. Mittlerweile ist auch Jonas Wiesehan aus Oerel zur Runde gestoßen - aus beruflichen Gründen wie verabredet etwas später. Alle drei Jugendlichen sind sich einig, dass Autobahnen Vorteile mit sich bringen. „Natürlich ist es schön, wenn hier die Wirtschaft angekurbelt wird. Wenn da allerdings etwas quer durch ein Naturschutzgebiet gefräst wird, ist das auch nicht schön“ heißt es unisono.
„Das Thema Autobahn ist schwierig. Da muss auch ich kurz überlegen“, sagt Wiesehan. „Prinzipiell muss man den Einzelfall abwägen. Es gibt Fälle, da laufen Autobahnen durch Naturschutzgebiete. Das sehe ich kritisch. Und natürlich müssen die Anwohner, die in erster Linie mit Lärmbelästigungen zu kämpfen haben, einverstanden sein. Das ist ein Punkt. Andererseits kann ich auch die andere Seite verstehen. Eine gute Verkehrsanbindung ist wichtig. Gerade für die Wirtschaft. Ich bin also zwiegespalten, und glaube, diesbezüglich kann man gar nicht pauschal antworten.“
Wiesehan ist 21 Jahre alt. Der Oereler Steuerfachangestellte ist Parteimitglied beim Bündnis 90 / Die Grünen. „Der finale Grund für den Eintritt in die Partei war für mich schlussendlich die Wiederwahl von Donald Trump zum US-Präsidenten. Allerdings habe ich zu dem Zeitpunkt bereits länger darüber nachgedacht“, erläutert der Oereler aus der Samtgemeinde Geestquelle. Für die Partei habe er sich aus bundespolitischer Überzeugung entschieden. „Ich kandidiere allerdings in erster Linie für den Gemeinderat in Oerel. Dort geht es um die Person, nicht um die Parteien. Ich möchte im Gemeinderat als individuelle Person auftreten, nicht als Partei.“ Wie seine beiden jüngeren Gesprächsteilnehmer:innen wird auch er sich stark für die Themen der Jugend einbringen, da er einfach noch näher an deren Themen dran sei. Alle drei sagen aber auch, dass ihnen ein guter Mix aus Jung und Alt in den Räten wichtig sei.
Verwurzelt in der Region
Sowohl Wittich als auch Ehlers betonen, in ihrer jeweiligen Region sehr stark verwurzelt zu sein, sich dort wohlzufühlen. Ob sie „später“, wenn sie die Chance bekämen, bei einem guten (politischen) Angebot ihre Heimat verlassen würden, mochten jedoch beide nicht spontan entscheiden. Lediglich Wiesehan lehnte eine derartige Möglich kategorisch ab: „Das würde nicht passieren. Das kann ich mir in meiner aktuellen Lage nicht vorstellen.“



