Ute Mahler-Leddin

Faslom - Ausnahmezustand in Hollen

Hollnseth. Bei dem feucht-fröhlichen Fest ziehen die Männer mit Musik von Haus zu Haus und müssen strenge Regeln befolgen.

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Der 2. Januar steht in Hollen traditionell im Zeichen des Faslom. Ein Brauch, der in diesem Jahr das 70. Mal - mit zwei Jahren Corona-Pause - zelebriert wurde.

Wie muss man sich „Faslom in Hollen vorstellen“? Für Neulinge schwer zu erklären, für Einheimische oder „getaufte“ aber inzwischen ein nicht wegzudenkendes Brauchtum.

Die Hollener Männer, deren Bekannte, Freunde und Arbeitskollegen treffen sich am späten Vormittag, um vom Faslompräsidenten Henry Springer den aktuellen Faslommarsch, die aktuelle Route und die geltenden und zwingend notwendig einzuhaltenden Regeln zu erfahren. Zuvor wurde es aber noch einmal emotional, als Springer an inzwischen verstorbene Mitglieder des Fasloms erinnerte, die dieses Fest maßgeblich geprägt haben. Ehrenpräsident Hans Popp, die langjährigen Kassierer Helmut Springer und Heinrich Müller, Kapellmeister Hermann Popp und auch Thomas Schult von der Presse waren noch beim letzten Faslom vor Corona dabei und hinterließen nun eine große Lücke.

 

Mit der Kapelle von Haus zu Haus

 

„Wir sagen Dankeschön“ von den Flippers war in Anlehnung an die Rückkehr zur Normalität das diesjährige Faslomlied, das von der sechs Mann starken Kapelle Popp in jedem Haus mindestens einmal erklang. Jeder Gastgeber bot den Gästen eine Mahlzeit an, die natürlich bedingt durch die Anzahl der Häuser, nicht von jedem Mitgänger angenommen wurde. Grünkohl, verschiedene Suppen, Kartoffelsalat mit Würstchen, Nuggets und belegte Brötchen wurden gereicht. Zu trinken gab es Klaren – oder mal einen Kaffee oder Bier dazu. Einen Korn abzuschlagen, kostest Strafgeld, wenigstens „anbeißen“ sollte Mann ihn, besagen die Faslomregeln.

„Gut 20 bis 30 Minuten ist die Musik in jedem Haus – dann wird „muss i denn“ aufgespielt und der erste Tross mit dem Faslompräsidenten verlässt das Haus und macht Platz für die nächsten – es wird aber nicht erwartet, das man Platz für eine Hundertschaft bietet, und so rücken immer alle zusammen“, berichten die Hollener.

Festgeschriebene und seit Jahren immer wieder in Erinnerung gerufene Regeln machen das Fest somit zu einem für alle annehmbaren „Ausnahmezustand“ in Hollen. Auch wird sehr penibel darauf geachtet, dass keiner unter 18 Jahren an diesem doch sehr feucht-fröhlichen Fest teilnimmt.

 

Taufe der Neulinge

 

Höhepunkt des Tages ist, ungefähr zur Hälfte der Häuser, die Taufe der Neulinge, wobei hier aber nur die Auswärtigen getauft werden, die das erste Mal am Faslom teilnehmen. In diesem Jahr fand die Taufe bei Werner Heinsohn in der Autogarage statt. Faslompräsident Henry Springer freute sich, in diesem Jahr sieben Täuflinge vor sich und den Hollenern auf den Knien zu sehen. Getauft mit Korn von außen und innen wurden die Neulinge offiziell in den Club der Faslomgänger aufgenommen. Nach dem die gut 70 Faslomgänger die Häuser mit Standhaftigkeit gemeistert hatten, sorgten die Musiker auf dem Saal des Dörphuus mit flotter Musik für Stimmung und es wurde mit den dazu gekommenen Frauen des Ortes bis in die Morgenstunden getanzt und gefeiert. Der Start ins neue Jahr war also ein doppelter Grund zu feiern: Zurück zur Normalität und das Bestehen einer sieben Jahrzehnte alten Tradtion.

 

Die Geschichte des Hollerner Fasloms

 

Faslom kommt von Fastnacht, dem letzten Tag vor der Fastenzeit, die früher besagte, das 40 Tage vor Ostern keine Feste und schon gar keine Tanzveranstaltungen stattfinden durften. Davor wollten die Hollener dann noch einmal ein zünftiges Fest feiern – das sogenannte Faslom – das, laut Aussage der älteren Hollener, dank zweier ortsansässiger Musikkapellen früher, vor dem Krieg, eine ganze Woche gefeiert wurde.

Man tanzte einfach reihum bei den Bauern auf der Diele – Köm und Bier floss in Strömen und das liebe Vieh zeigte sich wenig begeistert von dem Lärm. So wurde schließlich entschieden, in Zukunft nur noch an einem Tag zu feiern. In den Kriegsjahren und den Jahren nach dem Krieg fand kein Faslom pietschen statt – erst im Jahr 1953 kamen Wilhelm Müller, Klaus Wilkens und Eduard Mahlandt am späten Abend des 2. Januars auf die Idee, das Faslom pietschen wieder ins Leben zu rufen.

Kurzerhand wurden die Hollener Männer einer nach dem anderen aus den Betten geholt und man zog – damals noch ohne Regularien – von Haus zu Haus.

Der erste Faslompräsident nach dem Krieg war Wilhelm Müller, der die Gesellschaft von 1953 bis 1964 leitete und auch die ersten Faslomregeln einführte. Sein Nachfolger war Georg Müller, bevor dann für 26 Jahre - von 1966 bis 1992 - der Hollener Johannes Tiedemann die Geschicke der Faslomgesellschaft leitete. Von 1993 bis 2014 hatte Hans Popp das Kommando über die Männerschar, die Jahr für Jahr am 2. Januar durch Hollen zieht und in den Häusern von den Frauen bewirtet wird. Seit 2015 darf Henry Springer als Faslompräsident als erstes in jedes Haus eintreten und den ersten Korn vom Gastgeber in Empfang nehmen. Hollen wurde inzwischen in vier Routen aufgeteilt, so dass jeder Gastgeber alle vier Jahre die Bewirtung der etwa 100 Männer übernimmt.


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