

Bremervörde. Im Sommer 2024 gründete der Bremervörder Marcel Plagmann zunächst drei ehrenamtlich geführte WhatsApp-Gruppen. Im November 2024 verband er diese Gruppen zur WhatsApp-Community „Bremervörde vernetzt sich“. Innerhalb von weniger als zwei Jahren ist daraus nun ein weitverzweigtes regionales Netzwerk entstanden.
Aktuell gehören 1.570 Menschen der Community an. In 53 Gruppen tauschen sie sich über gemeinsame Interessen aus, unterstützen einander und verabreden sich zu Aktivitäten vor Ort. Aus der ehemals privaten Initiative ist nun der eingetragene Verein „Bremervörde vernetzt sich e. V.“ hervorgegangen. Der Vorstand setzt sich zusammen aus dem ersten Vorsitzenden Marcel Plagmann, dem zweiten Vorsitzenden Stefan Pleuss und Markus Bunger als Kassenwart.
Aus digital wird real
Menschen aus Bremervörde und den umliegenden Orten sollen unkompliziert zueinanderfinden, gemeinsame Interessen entdecken und daraus Begegnungen, Gruppen oder eigene Angebote entstehen lassen. Das Smartphone soll dabei nicht das Ziel, sondern der Türöffner sein. Initiator Marcel Plagmann war aufgefallen, dass es in der Region zahlreichen WhatsApp-Gruppen gab, darunter Flohmarkt- und Verschenke-Angebote. Was aus seiner Sicht fehlte, war ein gemeinsames und übersichtliches Dach, unter dem solche Gruppen leichter gefunden werden und miteinander in Verbindung treten konnten. Die drei von Plagmann im Sommer 2024 gegründeten Gruppen waren „Selbstgemacht für Dich“, „Hilfe zur Hand“ und „Plauder Runde“.
Am 7. November 2024 verband er die drei Gruppen zu einer WhatsApp-Community. Anschließend nahm er Kontakt zu den Administratoren bestehender regionaler Gruppen auf. Dabei ging es nicht darum, sämtliche Angebote neu zu erfinden oder vorhandene Strukturen zu ersetzen. Bestehende Gruppen sollten vielmehr sichtbarer werden. Das Konzept traf schnell auf große Resonanz. Bereits im März 2025 gehörten mehr als 1.100 Menschen zur Community. Gegen Ende desselben Jahres verteilten sich fast 1.400 Mitglieder auf 48 Gruppen. Im Juli 2026 sind es nun 1.570 Menschen in insgesamt 53 Gruppen. Dabei sind die Themen so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Einige Gruppen richten sich an Menschen in bestimmten Lebenssituationen oder mit besonderen Interessen.
Gezielt auswählen
Der Vorteil des gemeinsamen Daches liege auf der Hand, so Plagmann. Niemand müsse alle Nachrichten aus sämtlichen Bereichen verfolgen. Die Mitglieder können gezielt die Gruppen auswählen, die zu ihren Interessen oder ihrem Alltag passen. Gleichzeitig dürfen neue Angebote innerhalb der Community kommuniziert werden und dadurch Menschen erreichen, die andernfalls möglicherweise nie davon erfahren hätten.
Hinter den 53 Gruppen steht inzwischen ein Team von 28 ehrenamtlichen Administratoren. Sie begleiten einzelne Themenbereiche, beantworten Fragen, achten auf die jeweilige Ausrichtung der Gruppen und helfen dabei, den Austausch übersichtlich und respektvoll zu gestalten. Dass so viele Menschen Verantwortung übernehmen, ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzepts. Die Community soll nicht von einer einzelnen Person bestimmt werden, sondern möglichst viele Beteiligte einbeziehen und ihnen Raum zur Mitgestaltung geben.
Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, bürgerschaftliches Engagement zu fördern. Menschen würden ermutigt, ihre persönlichen Herzensthemen einzubringen, ihr Wissen weiterzugeben oder selbst Verantwortung zu übernehmen, so Plagmann. Wer eine Idee für eine neue Gruppe, einen Austauschabend, einen Vortrag oder ein regelmäßiges Treffen habe, könne Unterstützung bei der Entwicklung und Organisation erhalten. „Viele Menschen verfügen über wertvolles Wissen, besondere Erfahrungen oder praktische Fähigkeiten. Oft fehlt ihnen lediglich eine Möglichkeit, damit die richtigen Menschen zu erreichen oder daraus ein eigenes Angebot zu entwickeln“, sagt Plagmann weiter. „Wir möchten ihnen Mut machen, den ersten Schritt zu gehen und ihnen eine Struktur anbieten, mit der aus einer Idee etwas Gemeinsames entstehen kann.“ Auf diese Weise sind bereits sehr unterschiedliche Begegnungsformate entstanden. Dazu gehören Spaziergänge bei „Walk & Talk“, Brett- und Kartenspieleabende, Kräuterwanderungen und Vorträge über heimische Wildpflanzen, kreative Treffen, Angebote rund um Handarbeit und Wolle sowie Einsteigerkurse zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz. Am Mittwoch, 19. August, startet zudem eine Malrunde in Langenhausen. Weitere Ideen entwickeln sich fortlaufend aus den Gruppen selbst.
Zusammenführen, was verbindet
Zu den frühen Unterstützern gehört Dirk-Frederik Stelling, Ortsbürgermeister der Stadt Bremervörde und Gründungsmitglied des Vereins. Er begleitete die Entwicklung der Community von Anfang an. Seine Unterstützung steht beispielhaft für viele Menschen, die mit Rat, Kontakten und praktischer Hilfe dazu beigetragen haben, dass aus der ursprünglichen Idee ein tragfähiges Netzwerk entstehen konnte.
Vereine, Initiativen, private Fachleute und interessierte Bürger:innen werden nicht als voneinander getrennte Angebote betrachtet. Stattdessen sollen Verbindungen entstehen, von denen alle Seiten profitieren: Vereine erreichen neue Menschen, Wissen und Räume können gemeinsam genutzt werden und aus einzelnen Ideen entwickeln sich neue Veranstaltungen oder längerfristige Angebote.
Der Verein soll künftig unter anderem Räume, Werbung, Fördermittel und Kooperationen ermöglichen. Die Geschichte handelt damit nicht nur vom Wachstum einer WhatsApp-Community, sondern davon, wie digitale Vernetzung bürgerschaftliches Engagement fördern und Menschen dazu inspirieren kann, gemeinsam vor Ort etwas Eigenes entstehen zu lassen. Weitere Informationen und der Zugang zur Community sind unter bremervoerde.community zu finden.



