

Der Wahlerfolg der AfD in Sachsen-Anhalt steht kurz bevor, auch wenn es für eine Alleinregierung wahrscheinlich nicht reichen wird, und die Wut auf die sogenannten Altparteien ist groß.
Der Rahmen, in dem das stattfindet, ist eine katastrophale Politik der CDU (und der inzwischen nahezu komplett in der Bedeutungslosigkeit verschwundenen SPD), die wirkt, als wolle man der AfD beim Durchmarsch assistieren. Horrende Sozialkürzungen – gerade das im Osten noch einmal aus verschiedenen Gründen sensiblere Thema Rente wurde mit einer Rabiatheit angegangen und von Kanzler Merz, der eh schon große Schwierigkeiten hat, mit Menschen zu sprechen, mit der Sensibilität einer Machete kommuniziert.
Nun braucht man in Deutschland traditionell nicht zwangsläufig reale Probleme, um rechtsradikal zu wählen und zu werden. Da reicht es schon, wenn der Bus ein paar Mal zu oft nicht kommt oder ein paar mehr nicht-deutsch aussehende Menschen durch die Fußgängerzone laufen als noch vor 15 Jahren; was allerdings im Osten gar nicht der Fall ist, aber egal.
Ginge es real um Probleme wie horrende Mieten, Altersarmut und stagnierende Löhne, würde man keine Partei wählen, deren Wirtschaftsprogramm sich von dem der CDU nicht wesentlich unterscheidet. Das Versprechen der AfD ist ein anderes: Versprochen wird die Gängelung und auch Abschaffung von allem, was links, grün, queer oder nicht von hier ist, was sich für Gesundheits- und Klimaschutz interessiert, und das Auflösen einer pluralen Gesellschaft zugunsten einer angeblichen Gemeinschaft, in der das Volk, also was man dafür hält, die verbindende Größe sein soll.
Die kommenden Jahre drohen also nicht nur gefährlich, sondern intellektuell und kulturell ungemein trist zu werden. Aktuelle Zeugnisse dieser Tristesse kann man aktuell in den Beiträgen derer lesen, die sich instinktiv der Gruppe anschließen wollen, bei der sie in Zukunft die Macht vermuten.
Exemplarisch ist hier Ulf Poschardt, im Springer-Verlag inzwischen hauptsächlich für Social-Media-Krawall zuständig. In einem Kommentar für die „Welt“ moniert er, und er meint das ernst, das schlechte Benehmen einiger AfD-Anhänger, das die Partei in ein schlechtes Licht rücken würde. Poschardt sieht in der AfD eine verfolgte Gruppe, die von links jahrelang medial gegängelt und gedemütigt worden sei. Das habe zu „Verhärtungen“ und zu Radikalisierung geführt. Trotzdem sei das Verhalten mancher Anhänger nicht schön, und im AfD-Umfeld tummeln sich, so Poschardt, auch „Pfeifen, Nieten und verrückte Vögel“, die nun einfach zurückpöbeln.
Angesichts möglicher Regierungsverantwortung müsse die AfD radikale und unbürgerliche Kräfte „möglichst schnell“ aussortieren. Denn „die Realpolitik“ stelle schließlich „ganz andere Herausforderungen (...) als der ewige aufmerksamkeitsökonomische Wettbewerb im Wahlkampf“.
Die guten Wünsche für eine Partei, die die verhassten Linken und Grünen plattmacht und sich des vorgeblichen zentralen Problems im Mindset der Rechten, der Flüchtlinge, annimmt, dabei aber nicht wie eine hässliche Faschistenhorde wirkt, schimmern durch diese Sätze erkennbar durch. Rechtsextreme an die Macht, aber bitte manierlich.
Ich habe selten einen Text gelesen, der so unberührt ist von jedem Wissen über den Gegenstand, mit dem er sich beschäftigt, und es ist vielen bürgerlichen und konservativen Liberalen leider nicht mehr vermittelbar, dass das eine ohne das andere nicht zu haben sein wird. Das zentrale Versprechen der AfD ist eben nicht das Versprechen auf ein besseres Leben (das ja noch im Konservatismus steckt, als das Versprechen, das Bewahrenswerte zu bewahren), sondern das Versprechen auf Zerstörungslust und die Rache an Gruppen, die noch machtloser sind als man selbst.
Mehr ist nicht zu holen, und wer glaubt, dass dieses Versprechen sich ohne Diskriminierung, Geschrei und Gewalt zu realisieren versuchen wird, der irrt. Oder verbirgt hinter der Forderung nach besseren Manieren nur, dass seine eigenen politischen Phantasien und das Versprechen der AfD doch sehr eng beieinanderliegen.
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Der Kolumnentitel ist den ersten Sätzen des Films La Haine entnommen: "Dies ist die Geschichte von einem Mann, der aus dem 50. Stock fällt. Während er fällt, wiederholt er, um sich zu beruhigen, immer wieder: 'Bis hierher lief’s noch ganz gut, bis hierher lief’s noch ganz gut…' Aber wichtig ist nicht der Fall, sondern die Landung."




