Mareike Kerouche

Beethoven, Skrjabin, Chopin - Klassik im Rathaus mit Pervez Mody

Bremervörde (eb). Kammerkonzerte im Bremervörder Ratssaal sind quasi ein Monopol des Kultur- und Heimatkreises. Jüngstes Beispiel am vergangenen Mittwoch war ein gut besuchter Klavier-Soloabend mit dem aus Bombay stammenden Pianisten Pervez Mody.

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Mit Ludwig van Beethovens Kurfürstensonate begann ein Abend, der sich von Komponist zu Komponist und von Werk zu Werk steigerte. Hatte man sich Beethovens Jugendsonate noch etwas farb- und kontrastreicher gewünscht, zeigten dann die Bagatellen 1 und 2 aus op. 33, dass Mody zu Recht einen großen Namen als Beethoven-Interpret besitzt. Bagatellen werden in mancher Hinsicht als Vorläufer der romantischen Kleinform angesehen. Eine Mischung von Eigenwilligkeit und kontrastreicher Formkraft. Hier war Mody in seinem Element. Dass er sowohl ein Pianist der leisen Töne, wie von Stärke und kraftvollem Anschlag ist, zeigte sich in der „Sonata quasi una fantasia“, später Mondschein-Sonate genannt, die von ihm mit breitem Modulationsspektrum vorgetragen wurde. Mit sensiblem Pedalgebrauch und nuancenreicher Dynamik wusste er hier absolut zu überzeugen.
Alexander Skrjabin ist eine der exzentrischsten Persönlichkeiten der Musikgeschichte und eine Herausforderung für Interpret und Hörerschaft. Wer sich als Pianist auf diesen Russen einlässt, wird auch zum Abenteurer. Der Außenseiter der Musik des 19. und 20. Jahrhunderts vereint Widersprüchliches. Extremste Gegensätze emotionaler und klaviertechnischer Ein- und Mehrdeutigkeit treffen aufeinander.
Vielleicht hat der Werdegang von Pervez Mody die Annäherung erleichtert: Der gebürtige Inder studierte in Moskau und lebt heute in Deutschland. Tonalität im herkömmlichen Sinne ist in Skrjabins Sonate Nr. 6 op. 62 nicht mehr erkennbar. Mody spielte all ihre Kontraste, ihre charakteristischen Extreme und ihre mysteriöse, finstere Dämonie brillant aus. Die nachfolgenden frühen Etüden des Komponisten Nr. 3 und Nr. 8 aus op. 8 wirken dagegen geradezu klassisch chopinesk und harmonisch.
„Etüde“ heißt eigentlich Übung“. Bei Frédéric Chopin ist dies eher im übertragenen Sinne gemeint. Sie sind keine Übungsstücke, sondern poetische Meisterwerke. Und so folgten denn sehr passend drei seiner Etüden, die durchaus Übung verlangten. Das Schwergewicht der 1. Etüde aus op. 10 liegt auf chromatischen Arpeggione-Läufen der rechten Hand, während die folgende 1. Etüde aus op. 25 Arpeggione-Läufe für die linke Hand vorsieht.
Spätestens bei der Revolutionsetüde op. 10 Nr. 12, packte Mody seine Zuhörer und riss sie mit sich in einem pianistischen Wirbel ohne gleichen. Allein dieses Stück und seine Interpretation wären das Kommen wert gewesen. Den kollossalen Abschluss bildete dann Scherzo Nr. 3 op. 39, ein Wechsel von kraftvollen Akkorden und dynamischen Läufen, die zu einem gewaltigen Staccato verschmolzen.
Als erklatschte Zugaben spielte Mody mit musikalischem „Augenzwinkern“ zwei Bearbeitungen von ihm selbst: zum einen über das Lied „Wohin“ von Franz Schubert und abschließend eine über Juventino Rosas Stück „Over the waves“.


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