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Abschied von Krankenhausseelsorger Rudolf Preuß

Bremervörde (dcl). Während des Gottesdienstes am Pfingstsonntag um 9.30 Uhr in der St. Liboriuskirche wird Pastor Rudolf Preuß durch Superintendant Wilhelm Helmers in den Ruhestand verabschiedet.

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Mit dem Fahrrad möchten Pastor Preuß und seine Frau jetzt viele schöne Touren machen.  Foto: dcl

Mit dem Fahrrad möchten Pastor Preuß und seine Frau jetzt viele schöne Touren machen. Foto: dcl

In den letzten knapp 1,5 Jahren war Preuß als Krankenhausseelsorger für den Kirchenkreis Bremervörde-Zeven für drei Häuser zuständig. In der OsteMed Klinik Bremervörde, im Maßregelvollzug in Brauel und in der Median-Rehaklinik Gyhum war der Theologe an festen Tagen für die Patient*innen vor Ort. „Man wusste nie, was einen erwartet“, erinnert sich Preuß, „Alter, Diagnose oder Familienstand - ja, sogar die Konfession des Gegenüber war mir selten bekannt, wenn ich in ein Krankenzimmer kam.“
 
Eine herausfordernde Tätigkeit
 
Für den Seelsorger sei es immer wichtig gewesen, dem Menschen zuzuhören, aktiv dabei zu sein. Aber gerade bei sehr kranken oder sterbenden Patient*innen war das nicht immer einfach, da sie teilweise nicht mehr reden konnten - oder wollten, so der Pastor. Einen „Alltag“ habe es für den Seelsorger nicht gegeben: Jeder Tag, jede/r Patient*in und jede Situation war immer wieder neu und herausfordernd - für beide Seiten. Vor dem täglichen Rundgang durch die Stationen wurde mit dem Pflegepersonal abgesprochen, wo ein Besuch angebracht wäre oder wer gezielt um ein Gespräch gebeten hat. Im Laufe der Zeit haben sich so einige Schicksale ergeben, die den Familienvater lange begleitet haben. Nicht nur im negativen Sinne, stellt Preuß klar, auch viele positive Erfahrungen habe er gewinnen können. Einige ältere oder kranke Patient*innen, die gut mit ihrem Leben abschließen konnten, die zufrieden mit ihrem „guten und langem Leben“ waren, haben dem Theologen viel Kraft gegeben, wie er sagt.
 
Eine bleibende Erfahrung
 
Die Arbeit von Krankenhausseelsorgern ist nicht konfessionsgebunden - im Laufe der Zeit habe Preuß auch hier Erfahrungen sammeln dürfen. Durchweg positiv, wie er feststellt. In Erinnerung sei ihm eine Trauerandacht im Maßregelvollzug in Brauel geblieben, als ein Patient mit muslimischen Wurzeln verstarb. Die kurzfristig organisierte Andacht sei von verschiedenen Glaubensrichtungen geprägt gewesen und habe den Theologen unheimlich beeindruckt. Trauer sei glaubensunabhängig.
 
Der Werdegang
 
Rudolf Preuß wurde 1956 in Assel, Kreis Stade, geboren und legte 1987 sein 2. Theologisches Staatsexamen ab. Nach der Familienphase ging es für die junge Familie erst nach Ostfriesland und anschließend nach Stade in die dortige Johannisgemeinde. Im Jahr 2008 zog es die Familie dann nach Bremervörde, wo er in der St. Liborius Kirchengemeinde arbeitete. „Die Gemeindearbeit hat mir immer sehr viel Spaß gebracht, ein breites Spektrum von spannenden und vielfältigen Aufgaben, die dafür sorgten, dass ich meine Arbeit sehr gerne gemacht habe“, verrät der noch fitte Pensionär.
 
Zukunftsaussichten
 
Für die Zukunft gebe es schon ein paar Pläne: Preuß bleibe mit seiner Frau zwar in Bremervörde wohnen, nutze aber die freie Zeit, die Tochter und ihre beiden Söhne regelmäßig zu besuchen. Ein paar Tage Urlaub in Dänemark stünden auch schon an, sagt Preuß erfreut. Aber auch im Garten gebe es viel zu tun, einige handwerkliche Projekte seien geplant und in seiner Heimat in Assel stehen ein paar alte Obstbäume, die zu pflegen seien. Im Herbst und Winter möchte er dann die alten Apfelsorten als eigene Ernte in seinem kleinen Selbstbedienungslädchen vor der Haustür verkaufen.
Die Corona-Zeit habe Preuß als sehr spannend erlebt. Das Leben aller sei in kürzester Zeit auf den Kopf gestellt worden und er fragt sich: „Was macht Corona mit uns, mit dem Land und mit der Kirche - und wie wird es ökonomisch und ökumenisch mit uns weitergehen? Es ist eine große, bewundernswerte Kreativität entstanden, aber uns wurden auch viele Lücken aufgezeigt, die uns hoffentlich in der Zukunft zu einem bewussteren Leben umdenken lassen“.


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