Lena Stehr

75 Jahre Diedrich Schröder GmbH & Co. KG

Bremervörde. Dr. Michael Schröder führt inzwischen in dritter Generation, gemeinsam mit seinem Vater Hans-Otto Schröder, das bundesweit tätige Hoch- und Tiefbauunternehmen mit knapp 300 Mitarbeiter*innen.
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Was haben das Krankenhaus und das Kreishaus in Bremervörde, die Staatsoper und das Tropenaquarium mit Elefantenhaus im Tierpark Hagenbeck in Hamburg sowie das europäische Hansemuseum in Lübeck gemeinsam? Für alle Bauwerke zeichnet die Firma Diedrich Schröder GmbH & Co. KG verantwortlich.
 
Bundesweit tätig
 
Das Familienunternehmen, das seit 2007 in dritter Generation von Dr. Michael Schröder geführt wird und knapp 300 Mitarbeiter*innen beschäftigt, ist bundesweit im Bereich Hoch- und Tiefbau tätig und auf Großobjekte spezialisiert.
Vor 75 Jahren - und damit unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs - gründete Baumeister und Kriegsteilnehmer Diedrich Schröder die Firma an der Zevener Straße in Bremervörde. Es folgte ein Umzug an die Wesermünder Straße sowie Ende 2012 der Umzug an den aktuellen Standort im Gewerbepark Voßberg an der Zeppelinstraße.
 
Vom Sohn zum Geschäftsführer
 
Und was haben die beiden Geschäftsführer Hans-Otto und Dr. Michael Schröder gemeinsam? Beide haben nie bereut, in die Fußstapfen ihres Vaters getreten zu sein, auch wenn die Umstände der „Firmenübernahme“ sich voneinander unterscheiden.
Senior-Chef und gelernter Maschinenbauer Hans-Otto Schröder hatte eigentlich zunächst gehofft, dass sein älterer Bruder die Firma des Vaters übernimmt. Der landete allerdings als Hochschulprofessor in Darmstadt. „Daraufhin kam mein Vater auf mich zu, aber ich hatte eine klare Bedingung an ihn“, sagt Hans-Otto Schröder. Es sollte einen klaren Übergang geben - und den gab es dann auch. Nach zwei Jahren zog sich Diedrich Schröder komplett aus der Firma zurück, überließ seinem Sohn das Feld und sattelte auf die Landwirtschaft um.
 
Einstieg „ohne Druck“
 
Für Dr. Michael Schröder war schon früh klar, dass er ins Familienunternehmen einsteigen würde. „Mein Vater hat aber nie Druck gemacht“, sagt er. Nach seiner Betonbauerlehre und seiner Promotion im Bauingenieurwesen kam Dr. Michael Schröder im Jahr 2003 in die Firma und war zunächst vier Jahre als Bauleiter tätig. „Ich war allerdings von Anfang an in die Geschäftsführungsaufgaben eingebunden“, sagt Dr. Michael Schröder. 2007 übernahm er schließlich die operative Führung der Firma und freut sich nach wie vor darüber, dass sein Vater ihm mit Rat und Tat zur Seite steht und ihn auch mal vertritt, wenn der Terminkalender zu voll ist.
 
Vielseitig engagiert
 
Dr. Michael Schröder hat nämlich neben seinem Job als Geschäftsführer noch mehrere Ämter inne. Er ist Vorsitzender des Arbeitgeberverbandes Stade Elbe-Weser-Dreieck, gehört der Vollversammlung der IHK an, ist beisitzender Richter an der Wirtschaftskammer des Landgerichts Stade und Sprecher des Regionalbeirats der Volksbank Osterholz-Bremervörde.
Ein gemeinsames Hobby verbindet den Senior- und den Juniorchef übrigens auch noch. Beide engagieren sich in der Kirchengemeinde St. Liborius und singen in der Kantorei bzw. bei „Viddel 12“.
 
Gute Zukunftsaussichten
 
Und Sorgen um die Zukunft der Firma müssen sich beide - so wie es aussieht - wohl auch nicht machen. Dr. Michael Schröder hat drei Söhne. Der Jüngste, Nicos (18), macht derzeit eine Lehre zum Kfz-Mechatroniker im Familienbetrieb, der Älteste, Kevin (25), ist Zeitsoldat bei der Bundeswehr und Jannik Schröder (22) absolviert nach seiner Lehre zum Stahlbetonbauer gerade ein duales Studium an der Hochschule 21 in Buxtehude - Fachrichtung Bauingenieurwesen.
Die Diedrich Schröder GmbH & Co. KG ist ein Familienunternehmen im wahrsten Wortsinn. Denn auch viele der insgesamt knapp 300 Mitarbeiter*innen sind bereits in zweiter oder sogar dritter Generation im Unternehmen beschäftigt. Darauf sind die Geschäftsführer Hans-Otto und Dr. Michael Schröder sehr stolz. Weil Wertschätzung für beide eine große Rolle spielt, gibt es nicht bloß eine ganze Wand voller Urkunden anlässlich der zahllosen Jubiläen (insgesamt kommen mehr als 4.500 Jahre zusammen), sondern es gibt im Firmenneubau an der Zeppelinstraße sogar einen Raum speziell und ausschließlich für interne Firmenfeiern.
 
Die besondere Rolle der Frauen
 
„Bei dem Thema kommen auch unsere Frauen ins Spiel“, betont Dr. Michael Schröder. Schon seine Großmutter Katarine sowie anschließend seine Mutter Barbara und inzwischen auch seine Frau Martina sorgten und sorgen dafür, dass sich die Mitarbeiter*innen rundum wohlfühlen. Sie organisieren die Jubiläen, kümmern sich um die Imagebroschüre oder verteilen selbst gebackenen Butterkuchen in den Werkstätten, auf Baustellen und in den Büros. „Alle drei Frauen waren und sind immer sehr präsent, auch wenn sie keine Positionen im Unternehmen innehatten und haben“, sagt Dr. Michael Schröder. So fing alles an Den Grundstein für das Familienunternehmen legte Diedrich Schröder zusammen mit seiner Frau Katarine 1945 als er erste unternehmerische Tätigkeiten im Bereich Baustofflieferung, Fertigteilerstellung und einfachen Bautätigkeiten aufnahm.
Neben den Notstandsarbeiten nach der Währungsreform 1948, dem Handel von Baustoffen und der Fertigung des Deckenhohlblocksystems HEIWA I und HEIWA II kamen in den frühen 1950er Jahren erste Tiefbauarbeiten und später auch zunehmend komplexe Tief- und Ingenieurbauten sowie einfache Hochbauten dazu. 1971 kommt Hans-Otto Schröder Spätestens mit Eintritt des Sohnes Hans-Otto Schröder im Jahr 1971 hatte sich die D. Schröder KG als Universalbauunternehmen etabliert.
Die Sparte Hochbau wurde zunehmend dominanter und bereits Mitte der 1980er Jahre war der Schwerpunkt der Tätigkeiten in den Gewerken Beton- und Stahlbetonbau, Maurer- und Verblendarbeiten angesiedelt. Die Firma war mittlerweile auf ca. 200 Mitarbeiter gewachsen. Mit der friedlichen Revolution 1989 brach allerdings über Nacht eines der umsatzstärksten Geschäftsfelder der D. Schröder KG weg: der Bau von Kasernen- und Schutzgebäuden.
Doch es wurden neue Geschäftsfelder in den neuen Bundesländern erschlossen und zahlreiche große Gewerbe- und Wohnimmobilien in den Folgejahren erstellt. Eine Kooperation mit einer kleinen Baugesellschaft in Mecklenburg-Vorpommern mündete in einer Niederlassung in Brüel. Zunehmend wurde auch der schlüsselfertige Bau ein wichtiges Geschäftsfeld der D. Schröder KG.
 
Lange Jahre der Krise
 
Aber der Goldgräberstimmung folgten ab 1995 lange Jahre der Krise, einhergehend mit dem bis dato wohl größten Abbau von Arbeitsplätzen in einem einzelnen Wirtschaftszweig. Innerhalb von nicht einmal zehn Jahren verloren über die Hälfte der im Bauhauptgewerbe beschäftigten Mitarbeiter*innen ihren Arbeitsplatz. Die D. Schröder KG reagierte auf diese Entwicklungen anders als viele Mitbewerber. Größere Entlassungswellen gab es nicht. Stattdessen konzentrierte man sich auf die Kernkompetenzen des Unternehmens: den klassischen Hochbau. Das häufig ruinöse Wettrechnen bei den Schlüsselfertigvergaben stellte man stattdessen ein.
 
Alleinstellungsmerkmal
 
Hans-Otto Schröder, ab 2003 unterstützt von seinem Sohn Dr. Michael Schröder, gelang es so, dem Unternehmen ein Alleinstellungsmerkmal zu verpassen, das sich im Zuge des konjunkturellen Aufschwungs ab 2005 zu einem großen Wettbewerbsvorteil entwickeln sollte. Anders als viele Mitbewerber, die ab spätestens 2006 über den „Fachkräftemangel“ klagten, hatte die D. Schröder KG einen gewachsenen Mitarbeiterstamm zur Verfügung und war in der Lage, auch hochkomplexe Bauwerke ausschließlich mit eigenen Mitarbeiter*innen zu erstellen.
Nach der Übernahme der operativen Führung durch Dr. Michael Schröder wurde die D. Schröder KG konsequent als Spezialanbieter für komplexe Beton- und Stahlbetonarbeiten sowie Maurer- und Verblendarbeiten weiterentwickelt. Der Baustoffhandel wurde ausgegliedert und der eigene Mitarbeiterstamm durch Ausbildung weiter verstärkt. 2015 baute die D. Schröder KG eine neue Fachabteilung für die Überlassung von Kranführern und Baumaschinisten im gesamten Bundesgebiet auf. Hier stehen fast 100 ausgebildete und erfahrene Baumaschinisten zur Verfügung.
 
 Feier im kommenden Jahr?
 
Hans-Otto und Dr. Michael Schröder hoffen, dass sie im kommenden Jahr die geplante Feier anlässlich des 75-jährigen Jubiläums nachholen können. Dann gibt es auch noch zwei weitere Gründe zu feiern: Der Seniorchef wird 80 und kann auf 50 Jahre im Familienunternehmen zurückblicken. Wenn das kein gutes Omen ist.


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