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Wenn die Seele aus dem Gleichgewicht gerät

Worpswede (cne). Trauer richtig verarbeiten und nicht verdrängen - diese Möglichkeit geben Stefanie Garbade und Petra Reiß Hinterbliebenen in auffangendem Ambiente in Worpswede.

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In gepflegtem Ambiente, bei Kerzenschein und gutem Essen finden die Trauernden langsam zurück ins Leben.

In gepflegtem Ambiente, bei Kerzenschein und gutem Essen finden die Trauernden langsam zurück ins Leben.

Wenige Ereignisse im Leben sind so einschneidend, wie ein Trauerfall. Wenn die Erkenntnis einsetzt, dass der geliebte Partner nie mehr an der Seite sein wird, bricht für viele Hinterbliebene nicht nur eine Welt zusammen, sie sehen sich plötzlich auch Aufgaben und Verantwortlichkeiten gegenüber, denen sie im Grunde noch gar nicht gewachsen sind. „Die Seele gerät aus dem Gleichgewicht“, sagt Stefanie Garbade, die gemeinsam mit Petra Reiß in Worpswede eine geschlossene Trauergruppe anbietet.
Reiß, Sterbe- und Trauerbegleiterin, und Garbade, zertifizierte Trauerbegleiterin und engagierte Trauerrednerin, riefen im vergangenen Jahr eine Trauergruppe mit einzigartigem Konzept ins Leben: Es geht nicht einfach nur darum, in einer Gruppe mit anderen Betroffenen zu sprechen, sondern auch das Ambiente sollte dabei unterstützen, aus der Trauerphase zu finden und neuen Lebensmut zu tanken.
 
Zeit zu trauern
 
Dazu trafen sich die ersten neun Damen insgesamt an neuen Abenden zu einem Trauerseminar in einem großen, hellen Gebäude mit einer Sitzgruppe um einen Kamin und einem großen Esstisch unter einem Kristall-Kronleuchter. Denn auch gepflegtes Essen und gute Getränke gehören zum Heilungsprozess.
In früheren Jahrhunderten wurde dem Trauernden üblicherweise ein ganzes Jahr zur Verarbeitung der Trauer eingeräumt, in dem auch die Umgebung Rücksicht auf den Hinterbliebenen nahm. Das ist in unserer Gesellschaft nicht mehr üblich, bedauern Stefanie Garbade und Petra Reiß. „Heute sollen möglichst alle schnell wieder funktionieren“. Oft fehlt auch die früher übliche Unterstützung der Familie, die heute viel kleiner und oftmals auch weiter verteilt wohnt. „Da hat jeder genug mit sich selbst zu tun“, beschreibt es eine der Teilnehmerinnen.
In der Trauergruppe von Garbade und Reiß hingegen fanden die Teilnehmerinnen schnell ihren Platz. „Ich möchte meine Trauer richtig verarbeiten, nicht verdrängen, ich habe mir diesen Kurs als Werkzeug gesucht, mit meiner Trauer umzugehen“, sagt etwa eine weitere Teilnehmerin, die aus Gründen der Privatsphäre lieber ungenannt bleiben möchte.
 
Ohne Bewertung
 
Jeder Abend stand unter einem anderen Motto, bei vielen Gelegenheiten wurde auch gebastelt oder kleine Rituale durchgeführt: So entstanden „Schmunzelsteine“, die „Rose von Jericho“ erblühte zur Weihnachtszeit, Teelichter und „Hoffnungslaternen“ zeigten, dass es immer noch Licht im Leben gibt.
„In der Gruppe konnten wir über das Unaussprechliche reden, Geborgenheit und Akzeptanz erfahren: Hier wurden wir nicht bewertet“, lobt eine weitere Teilnehmerin.
Die Teilnehmerinnen konnten feststellen, dass es anderen ebenso geht wie ihnen selbst. „Das ermutigte, sich auszutauschen“.
Ziel dieser besonderen Gruppe war auch, die Trauernden untereinander zu vernetzen, sagt Stefanie Garbade. Zunächst vielleicht über den Austausch der Rezepte der Abendessen, dann stellten etliche Gruppenmitglieder fest, dass sie auch andere Interessen als das gemeinsame Schicksal verbindet. Konkret planen einige der Teilnehmerinnen sogar einen gemeinsamen Urlaub in der Lüneburger Heide.
 Mehr Informationen zu Trauerbegleiterin Stefanie Garbade gibt es im Internet unter www.worpswede-tipps.de/trauerleben.


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