Alfons Volmer

Effektive Verbesserung des Tierwohls

Schwanewede. Gwendolyn Manek züchtet auf dem Furthhof in Schwanewede Ziegen. Unterstützung bekommt sie dafür aus dem LEADER-Programm für ihren vorbildlichen Tierschutz.

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„Ich habe keinen Bock“ - diesen Satz dürfte man von Gwendolyn Manek wohl nie hören, zieht die Geschäftsführerin des Bioland-Verbandes doch auf einem 2019 erworbenen Bauernhof in Schwanewede 100 Ziegenbocklämmer auf - mit dem Anspruch ihnen ein schönes Leben bis zur Schlachtung zu schenken.
Zur Vorstellung des Entwicklungsstandes ihres innovativen Projektes konnte sie u. a. die Landesbeauftragte für Tierschutz, Michaela Dämmrich, die Amtsleiterin für Kreisentwicklung, Jana Lindemann und Klaus Gerdes als Sachgebietsleiter Tierzucht der Landwirtschaftskammer sowie H. Schumacher vom Amt für Wirtschaftsförderung begrüßen.
 
Kein ähnlicher Betrieb deutschlandweit
 
Eine hoch motivierte Frau der Tat bedankte sich für die Förderung im Rahmen des LEADER-Programms und merkte an, dass sie hier absolutes Neuland betreten, Pionierarbeit geleistet und sich das Know-how weitestgehend selbst angeeignet habe, wobei ihr allerdings die Erfahrung als frühere Fachberaterin für Kleinwiederkäuer zugute gekommen sei. „Es gibt in Deutschland zwar ca. 4500 Ziegenhalter, aber nur einen weiteren Betrieb wie diesen“, erklärt Gerdes. Dämmrich ergänzte, dass die männlichen Tiere ja als unerwünschtes Nebenprodukt der Ziegenzucht meist kurz nach der Geburt in der Tierfutterproduktion oder in Schnellmastbetrieben ihr Ende fänden „Ich beziehe meine Lämmer aus einem Betrieb in NRW und ermögliche ihnen dann durchschnittlich ein Jahr unter bestmöglichen Lebensbedingungen. Für sechs bis acht Wochen brauchen die Kitze noch besonders viel Aufmerksamkeit und Pflege. Dann geht es auf die Weide, wo sie ihrem Bewegungs- und Kletterdrang an Bäumen und auf Holzwippen nachgehen können. Die wählerischen Ziegen bevorzugen als Nahrung zwar u. a. Blätter, Kräuter und junge Triebe, werden jedoch schnell an den Gras- und Heukonsum gewöhnt“, erklärt Ziegenzüchterin Manek. Auch forstwirtschaftlicher Baumschnitt stehe zuweilen auf der Speisekarte.
 
Wolfsschutz aus eigener Tasche
 
Die Wiese mit den Springinsfelden stelle aber leider auch das Objekt der Begierde für ein im Umfeld recht aktives Wolfsrudel dar, weswegen die Anlage durch einen Elektrozaun gesichert ist. „Da wurde das Nischendasein deutlich, denn die Form der reinen Brudertierhaltung war nicht im Katalog für erstattungsfähige Maßnahmen enthalten, also habe ich die 2000 Euro aus eigener Tasche bezahlt, denn das Wohl meiner Tiere liegt mir ganz besonders am Herzen und ist für mich nicht verhandelbar. Auch bei dieser für die Tiere so vorteilhaften Aufzuchtform steht am Ende zwar die Schlachtung, aber bis dahin können sie ein glückliches Ziegenleben führen und durch die nahezu komplette Verarbeitung des Tieres zeigen wir zudem unsere Wertschätzung und Anerkennung“, erzählt Manek.
 
Praktizierter Tierschutz
 
Dann ging es in den über 100 Jahre alten ehemaligen Schweinestall, aus dem dank der LEADER-Förderung nun ein kleiner, aber feiner Hofladen, ein heller Seminarraum mit Präsentationstechnik sowie eine vollausgestattete Küche mit Lager- und Verarbeitungsraum entstanden sind. Bei der von Mutter und Kräuterpädagogin Antje vorbereiteten Verköstigung verschiedener Ziegenfleischprodukte konnte schnell das sich zäh haltende Vorurteil eines eigentümlichen, strengen Geschmacks ausgeräumt werden. Sicherlich habe das hochwertige und leckere Ziegenfleisch seinen höheren Preis, aber dieser relativiere sich doch schnell unter dem Aspekt vorbildlichen Tierschutzes und praktizierter Nachhaltigkeit.
„Dieses Projekt stellt sowohl eine Attraktivitätssteigerung der Region als auch effektive Verbesserung des Tierwohls dar“, befand Jana Lindemann. Künftig sollen hier auch Kinder bzw. Schüler:innen die Landwirtschaft samt Ziegenwelt erleben können.
Öffnungszeiten, Veranstaltungstermine und Preise auf www.furthhof.de, weitere Besuche nach Rücksprache unter 04209 9873727 oder 0162 4066446 bzw. mail an info@furthhof.de möglich.


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