Amelie Nobel

Interesse für den Nächsten

Lokaljournalismus: Themen mit persönlicher Note

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Der Lokaljournalismus wird häufig belächelt und hat mit Vorurteilen zu kämpfen. Für Viele hat er keine Relevanz und wirkt im Vergleich zum Feuilleton oder großen politischen und sozialen Themen eher unwichtig. Tatsächlich hat der Lokaljournalismus Schwächen. Er wirkt manchmal wie aus einer anderen Zeit, Themen wiederholen sich, die ein oder andere Jahreshauptversammlung schafft es jedes Jahr in die Zeitung, die Digitalisierung schreitet nur langsam voran. Darüber hinaus scheint es manchmal in Zeiten großer Krisen und Umbrüche unwichtig, was in der unmittelbaren Umgebung passiert.

Doch was als Schwäche empfunden wird, ist vielleicht die größte Stärke des Lokaljournalismus. Er ist nah an seiner Leserschaft dran. Die persönliche Bedeutung für das Individuum ist deshalb nicht zu unterschätzen. Obwohl wir uns heutzutage dank sozialer Medien mit der ganzen Welt vernetzen und vergleichen können, interessiert es die meisten Menschen doch, was vor ihrer eigenen Haustür passiert. Ob es nun der Bericht über die alte Schule ist, ein Bericht über einen Bekannten, die Nachricht über einen Todesfall oder einen Unfall, den man gesehen oder vermutet hat, weil den ganzen Tag die Straße gesperrt war: Die lokalen Themen sind für die meisten doch von großer Bedeutung. Gäbe es keinen Lokaljournalismus, würden diese Themen wohl kaum Einzug in die Berichterstattung halten. Denn was im Landkreis Osterholz passiert, interessiert vermutlich hauptsächlich die Bevölkerung des Landkreises selbst.

Der Lokaljournalismus hat es jedenfalls nicht immer leicht. Die Leser:innen sterben aus, teilweise scheint es überholt, fast langsam, wenn die Journalistinnen mit Schreibblock zu den Menschen fahren und die nächste Ausgabe dann frühestens am nächsten Wochenende erscheint. Aber ist das Lokale wirklich nicht mehr relevant, der Lokaljournalismus vielleicht sogar überholt?

Die nächsten Jahrzehnte werden zeigen, wie es um die Zukunft kleiner Zeitungen und Wochenblätter steht, auf der anderen Seite haben Sie doch auch heute in diese Lokalzeitung geguckt, auch wenn Sie vielleicht nur die Anzeigen anschauen wollten. Es scheint Sie also doch zu bewegen, was in ihrer Nähe passiert. Denn was unser Bekanntenkreis und die Menschen, die wir von früher kennen, heute machen, ist für Viele relevant. Das zeigen zumindest auch Soziale Medien, wo viele Menschen Bekannten folgen, von denen sie dank ihrer Posts, Stories und Feeds viel wissen, obwohl es möglicherweise sehr lange her ist, seit sie sich das letzte Mal gesehen haben.

Es könnte also eine Chance sein, auf die Nähe und die Verbundenheit zu setzen, die der Lokaljournalismus bietet. Denn der Lokaljournalismus ist wohl dichter an seiner Leserschaft als alle anderen Ressorts und wird von dieser auch immer noch kritisch überprüft. Und auch wenn viele der Themen auf den ersten Blick vielleicht banal und manche Berichte über das lokale Geschehen unkritisch wirken, der Lokaljournalismus erfreut sich auch heute noch großer Beliebtheit und darf der Leserschaft auch ruhig etwas zutrauen. Denn das Verhältnis zwischen Medien und Adressaten in der lokalen Berichterstattung ist wohl etwas Besonderes.


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