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IGS-Schulleiterin Inge Kerlinski geht in den Ruhestand

Osterholz-Scharmbeck (jm). Nicht nur der Abschlussjahrgang verlässt dieser Tage die Integrierte Gesamtschule (IGS) Osterholz-Scharmbeck: Nach 13 Jahren als Schulleiterin verabschiedet sich auch Inge Kerlinski zu den Sommerferien in den wohlverdienten Ruhestand.

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Zu den Sommerferien geht IGS-Schulleiterin Inge Kerlinski in den Ruhestand. Sie leitete die Gesamtschule seit 2007.  Foto: eb

Zu den Sommerferien geht IGS-Schulleiterin Inge Kerlinski in den Ruhestand. Sie leitete die Gesamtschule seit 2007. Foto: eb

„Wir haben gleich noch die beiden Abschiedsveranstaltungen“, sagt Kerlinski am Donnerstagnachmittag, ihrem vorletzten Tag in der IGS. „Ich habe mit meinem Team abgesprochen, dass ich meine drei Millionen Überstunden abfeiere“, lacht die Schulleiterin. Sie freue sich für die Abschlussklassen, „dass wir noch einen würdevollen Rahmen für die Zeugnisübergabe gefunden haben und das nicht per Post machen müssen.“ Die Abgänger*innen hätten schließlich schon auf vieles - unter anderem den Abiball - verzichten müssen. Wegen Corona muss die feierliche Zeugnisübergabe in zwei getrennten Veranstaltungen stattfinden.
Die letzten Monate im Berufsleben waren für Kerlinski dank der weltweiten Pandemie noch turbulenter, als es der Schulalltag ohnehin schon ist. „So hatte ich das nicht bestellt“, lacht sie. Erst Schulschließung, dann teilweise Öffnungen, ständig neue Vorschriften und Pläne. „Manches davon war auch nicht praktikabel und der eigene Menschenverstand hat einem was anderes gesagt.“ Dass sie dabei nicht die Nerven verloren habe, verdanke sie auch ihrem Alter, meint Kerlinski. „Ich bin froh, dass das zum Ende meiner Karriere passiert ist und nicht am Anfang. So hatte ich schon eine gewisse Altersgelassenheit, um mit dieser Krise umzugehen.“
 
Nachfolger*in gesucht
 
„Ich steuere das Schiff jetzt noch in den Sommerhafen und dann gehe ich von Bord“, so fühle sich der Abschied inmitten der Corona-Krise an. Wer die Leitung der IGS übernimmt, sei noch nicht klar. „Das wird sich vielleicht auch erst im kommenden Februar entscheiden, das Bewerbungsverfahren wurde auch wegen Corona unterbrochen“, berichtet Kerlinski. Bis dahin übernimmt ihr Stellvertreter Stefan Dilbat kommissarisch den Schulleiterposten.
 
Gute Entwicklung
 
„Schule muss sich immer verändern“, sagt Kerlinski im Rückblick auf ihre Zeit an der IGS. „Ich habe damals eine gut aufgestellte Schule übernommen und sie weiter bewegt.“ Als sie 2007 an die IGS kam, kannte Kerlinski die Schule bereits von einem kurzen „Ausflug“ nach Buschhausen als Lehrerin. „Damals habe ich mir schon gedacht: Das ist so eine tolle Schule, genau hier will ich hin“ - und tatsächlich kehrte sie einige Jahre später als Schulleiterin zurück. „Es gibt auch keine andere Schulform, die ich hätte machen wollen. Ich habe meine Entscheidung an keinem Tag bereut“, sagt sie bis heute. Ähnliches gelte auch für das Kollegium: „Wir haben ein sehr junges und engagiertes Team. Niemand geht an eine Ganztagsschule, die so nach Arbeit riecht, wenn er nicht unbedingt genau an diese Schule will.“
 
Viele Baustellen
 
Inhaltlich habe man sich stets der Zeit angepasst, zum Beispiel in Fragen der Digitalisierung: „Bei uns weiß jeder Kollege, wie man eine Videokonferenz macht.“ Die Berufsorientierung sei im Laufe der Jahre verstärkt worden. „Wir haben ja auch viele Schülerinnen und Schüler, die kein Abitur machen. Auch da muss man investieren, man sieht ja, was für einen Mangel an Fachkräften wir zum Beispiel im Handwerk haben.“ Nicht zuletzt wurden die Auslandskontakte intensiviert; sich zu internationalisieren „ist ein Muss für jede Schule heutzutage.“ Schulpartnerschaften unterhält die IGS zum Beispiel nach Barcelona und Debre Markos.
Ein großer Wermutstropfen sei die buchstäbliche Baustelle, die das Schulgebäude längst hätte werden sollen. „Ich bedauere, dass ich es nicht geschafft habe, dass wir heute in einem neuen Gebäude sitzen“, sagt Kerlinski. Sie habe den schlechten Zustand des Schulgebäudes und der alten Turnhalle sofort registriert, als sie 2007 an die IGS kam. „Ich habe mich gleich rangemacht, das auf die Agenda zu setzen. 13 Jahre später ist gerade erst der Spatenstich für die Sporthalle gewesen. Das ist schade.“ Raumpläne seien bereits vor 10 Jahren erstellt worden. „Ich hoffe für die Zukunft, dass es einen Neubau geben wird“, wünscht sich Kerlinski.
 
„Ich werde mich engagieren“
 
Der Ruhestand beginnt für Kerlinski nicht unbedingt ruhig. „Nächste Woche fahre ich nach Salzburg und nehme mein Fahrrad mit. Von dort aus fahre ich dann bis in die Alpen, allein. Das ist schon lange ein Traum von mir gewesen.“ Weitere konkrete Pläne gebe es noch nicht, fest steht aber: „Ich werde mich engagieren.“ Wie genau, weiß Kerlinski heute noch nicht, nur die Politik schließt sie definitiv aus. „Ich freue mich darauf, jetzt alles ausprobieren zu können.“


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