Lars Schmitz-Eggen

Fundgrube nicht nur für Bedürftige - DRK-Kleider-Shop Worphausen besteht seit zehn Jahren

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Seit zehn Jahren betreiben ehrenamtliche Kräfte im Worphausener DRK-Haus eine Kleiderkammer.  Foto: lse

Seit zehn Jahren betreiben ehrenamtliche Kräfte im Worphausener DRK-Haus eine Kleiderkammer. Foto: lse

Lilienthal. Mittwochs kurz vor halb drei wird es vor dem DRK-Gebäude in Worphausen unruhig. Bis zu 50 Personen können es sein, die sich dann vor dem Haus drängeln, um den Kleider-Shop des Roten Kreuzes zu besuchen. Wer als Erstes da ist, hat die besten Chancen, ein besonders interessantes Stück zu ergattern.
Vor zehn Jahren, am 11. November 2009, öffnete die sogenannte Kleiderkammer erstmals ihre Türen. Anfangs kümmerten sich drei Damen um die abgegebene Ware und den Verkauf. Ein kleiner Kellerraum stand den Ehrenamtlichen für ihren Dienst zur Verfügung. Heute ist das Team auf 14 Helferinnen und einen Herrn angewachsen, der besonders schwere Gegenstände trägt und verstaut.
Kaum dass die DRK-Mitarbeiterinnen die Tür öffnen, durchqueren die ersten Besucher zügigen Schrittes den kleinen Verkaufsraum. Die Regale sind üppig gefüllt mit Hemden, Hosen und Pullovern. Doch das erste Ziel ist für sie der Keller. Agnes Kruse, die den Shop mit ihren Mitstreiterinnen betreibt, kennt das schon. „Unsere Stammkunden zieht es immer als erstes in den Keller, wo sie die neue Ware vermuten“, lacht sie.
Im langen Flur greifen sich die „alten Hasen“ im Vorübergehen einen leeren Beutel und steigen dann die Treppen ins Untergeschoss hinab. Unterwegs können sie einen Blick auf das Schuhangebot werfen, das paarweise an der Wand entlang ausgestellt wird. Darüber baumeln an der Garderobe Gürtel in diversen Ausführungen. Auch einige Hüte warten hier auf neue Besitzer. Weiter geradeaus liegt der Besprechungsraum des DRK-Hauses, der mittwochnachmittags als Umkleide genutzt wird. Große Spiegel sind hervorgeholt worden, damit jeder kritisch prüfen kann, ob das gefundene Kleidungsstück auch seinen Vorstellungen entspricht.
Das Gebäude teilen sich die DRK-Ortsvereine Grasberg, Worpswede und Lilienthal. Intern wird es daher „GraWoLi“ genannt und zum Beispiel für Erste-Hilfe-Kurse oder Treffen der Bereitschaften genutzt. Nur einmal in der Woche nehmen es die Helferinnen des Kleider-Shops komplett in Beschlag. Dann hat Worphausen zwischen 14.30 und 17.30 Uhr sein eigenes Warenhaus. Auch Spielsachen und DVDs werden angenommen.
Draußen in einer der Garagen ist Elke Brandt damit beschäftigt, neue Ware anzunehmen und zwischenzulagern. Neben Altkleidersäcken sind auch Bettwäsche und Kisten mit DVDs oder Kinderspielsachen nicht ungewöhnlich. „Wir nehmen alles an. Auch wenn uns Möbel angeboten werden, haben wir jemanden, der die an Bedürftige vermittelt“, erzählt Elke Brandt. Nur wer Porzellan abgeben möchte, erhält derzeit einen Korb. Aktuell fehlt der Platz, um Teller, Tassen oder Schalen unterzubringen. Erst im nächsten Jahr soll sich die Lage entspannen.
Selbst alte Bücher werden regelmäßig vorbeigebracht. Für sie ist auf dem Gelände eine ehemalige Telefonzelle aufgebaut worden, die jetzt als Bücherei dient. „Die ist Tag und Nacht geöffnet. Da kann sich jeder bedienen. Im Dunkeln schaltet sich sogar Licht an, wenn man die Tür öffnet“, freut sich Agnes Kruse. Ein Solarpanel auf dem Dach macht es möglich.
Bis zu 100 Kunden besuchen an einem Nachmittag den Shop. Manche nehmen weite Anfahrten auf sich, um im Worphausener DRK-Haus bummeln zu gehen. Eine fünfköpfige Frauenclique gehört ebenso zu den Stammkundinnen wie eine Fahrgemeinschaft älterer Damen aus Lilienthal.
2018 gingen rund 30.000 Teile über die Theke des DRK-Shops. Wird der Trubel zu viel, ziehen sich die Helferinnen mal kurz in die Küche zurück. Bei einer Tasse Kaffee und selbst gebackenem Kuchen wird besprochen, was als Nächstes ansteht. Oft bringen treue Kunden auch Gebäck vorbei, um sich zu bedanken. „Wir erfahren sehr viel Anerkennung und Dankbarkeit für unsere Arbeit“, sagt Agnes Kruse. Das motiviert sie und die anderen, die Kleiderkammer trotz des begrenzten Platzangebots weiter auszubauen. Aktuell werden dringend Winterjacken benötigt. Auch an Hallensportschuhen besteht oft ein Mangel. Aber für solche Probleme wird sich bestimmt eine Lösung finden, wie schon so oft in den vergangenen zehn Jahren.
Der DRK-Kleider-Shop öffnet immer mittwochs zwischen 14:30 und 17:30 Uhr. Zu finden ist er im DRK-Haus, Worphauser Landstraße 54 c, 28865 Lilienthal, am Ortseingang/-ausgang von Worpswede.


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