Patrick Viol

Windstärke Niedersachsen

Das Land bleibt 2025 ein zentraler Treiber der Windenergie an Land, doch überzeichnete Ausschreibungen drohen den weiteren Ausbau auszubremsen.

Im Verlauf des Jahres 2025 wurden in Niedersachsen 209 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.156 Megawatt neu errichtet.

Im Verlauf des Jahres 2025 wurden in Niedersachsen 209 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.156 Megawatt neu errichtet.

Bild: Adobestock/ettmer

Niedersachsen. Niedersachsen behauptet seine Schlüsselrolle beim Ausbau der Windenergie an Land. Wie der Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen mitteilte, lag das Bundesland 2025 sowohl bei den Genehmigungen als auch beim tatsächlichen Zubau neuer Anlagen bundesweit auf Platz zwei hinter Nordrhein-Westfalen. Der Verband wertet die Zahlen als Beleg für die Leistungsfähigkeit der Branche, warnt jedoch vor wachsenden Engpässen bei den Ausschreibungen.

Hoher Zubau, deutlich mehr Genehmigungen

Im Verlauf des Jahres 2025 wurden in Niedersachsen 209 Windenergieanlagen mit einer Gesamtleistung von 1.156 Megawatt neu errichtet. Gleichzeitig genehmigten die zuständigen Behörden 813 weitere Anlagen mit zusammen 5.211 Megawatt Leistung. Damit hat sich das genehmigte Leistungsvolumen im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelt. Besonders sticht der Landkreis Emsland hervor, der mit 1.503 Megawatt genehmigter Leistung bundesweit an der Spitze lag.

Dem Zubau stand der Rückbau älterer Anlagen gegenüber. Landesweit wurden 93 Windenergieanlagen mit insgesamt 144 Megawatt Leistung außer Betrieb genommen. Zum Jahreswechsel waren damit in Niedersachsen 6.272 Anlagen mit einer Gesamtleistung von 13.976 Megawatt am Netz. Das entspricht einem Leistungszuwachs von rund acht Prozent bei lediglich knapp zwei Prozent mehr Anlagen.

„Die Zahlen zeigen eindrucksvoll, dass die Professionalität bei Projektierern und Genehmigungsbehörden in der Bearbeitung der Anträge gestiegen ist“, sagte Silke Weyberg, Geschäftsführerin des Landesverband Erneuerbare Energien Niedersachsen/Bremen. Zugleich belegten sie die Effizienz der Branche als Rückgrat der deutschen Energieversorgung.

Ausschreibungen als Flaschenhals

Wachsende Sorgen bereiten dem Verband die Ausschreibungen. In den vier Runden des Jahres 2025 erhielten in Niedersachsen 527 Windenergieanlagen mit rund 3,3 Gigawatt Leistung einen Zuschlag. Alle Ausschreibungen waren jedoch überzeichnet – es lagen also mehr Gebote vor, als bezuschlagt werden konnten.

Für das Jahr 2026 sind bundesweit 10.945 Megawatt zur Ausschreibung vorgesehen. Dem stehen nach Angaben des Verbandes bereits heute rund 14.000 Megawatt genehmigte, aber noch nicht bezuschlagte Leistung gegenüber. Die Branche rechnet daher erneut mit deutlich überzeichneten Runden.

„Das Ausschreibungsvolumen darf nicht zum Flaschenhals werden“, mahnte Weyberg. Allein die in Niedersachsen genehmigte und noch nicht bezuschlagte Leistung könne rechnerisch etwa die Hälfte der für 2026 vorgesehenen bundesweiten Ausschreibungsmenge abdecken. Der Verband fordert, kurzfristig Ausschreibungsmengen nachzuholen, die in den Jahren 2017 bis 2018 infolge des Fehlstarts des Systems verloren gegangen seien.

Netze und Integration rücken in den Fokus

Mit dem beschleunigten Ausbau steigen auch die Anforderungen an Netzbetreiber, Erzeuger und Abnehmer. Insbesondere die Systemintegration der erneuerbaren Energien und der Netzausbau gewinnen an Bedeutung. Entscheidend sei, dass neue Anlagen rechtzeitig und verlässlich an das Stromnetz angeschlossen würden.

„Damit Projekte zügig realisiert und die Ausbauziele erreicht werden können, müssen wir uns von alten Denkmustern verabschieden“, erklärte Weyberg. Der Verband setzt dabei auf einen engeren Schulterschluss zwischen Energieerzeugern, Wirtschaft und Netzbetreibern.

Erzeugung und Verbrauch enger verzahnen

Künftig komme es stärker darauf an, Erzeugung und Verbrauch regional zusammenzudenken. Lokale Abnahmekonzepte, systemdienliche Stromlieferverträge sowie Direktversorgungen gewännen an Bedeutung. Weitere Ansatzpunkte seien der Ausbau von Speichern, flexiblen Verbrauchern, Elektrolyseuren zur Wasserstofferzeugung sowie die Nutzung von Stromüberschüssen für die Wärmeerzeugung.

„Die Windenergie ist längst nicht mehr nur eine Frage des Ausbaus, sondern der intelligenten Integration“, so Weyberg. Niedersachsen könne seine Vorreiterrolle nur halten, wenn diese Herausforderungen gemeinsam angegangen würden.


UNTERNEHMEN DER REGION

E-PaperMarktplatzStellenmarktZusteller werdenLeserreiseMagazineNotdienst BremervördeNotdienst OHZReklamationgewinnspielformular