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Wahrheit im gestalteten Volumen: Bildhauer Waldemar Otto ist gestorben

Osterholz-Scharmbeck. (eb). Er war einer der letzten lebenden großen Bildhauer der Berliner Schule: Waldemar Otto. Am vergangenen Freitag verstarb Otto in Osterholz-Scharmbeck. In seinem Nachruf würdigt Arie Hartog das Werk des Bildhauers.

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Waldemar Otto war einer der Bildhauer, die sich im Konflikt zwischen gegenständlicher und ungegenständlicher Kunst, der die 1950er- und frühen 1960er-Jahre prägte, ohne Wenn und Aber für die Figur entschieden hat. Gegen das Gegenstandslose setzte er das „Kubische“: nicht den Kubus, sondern das gestaltete Volumen.
Otto pflegte die Berliner Tradition: Seine bildhauerischen Vorbilder waren Gerhard Marcks, Hermann Blumenthal und Waldemar Grzimek. Der Grundgedanke ihrer Bildhauerei war, dass es einen Widerspruch zwischen Natur und Stereometrie gibt. Während die Wirklichkeit unübersichtlich und spannend ist, sind stereometrische Formen zwar übersichtlich, aber auch spannungslos und langweilig. Also galt es, die beiden auszusöhnen. Ottos inhaltliche Vorbilder waren Otto Dix und Käthe Kollwitz und so verband er die Errungenschaften der Berliner modernen figürlichen Bildhauerei mit Satire und Empathie. Bei aller formalen Überzeichnung verstand sich Otto immer als „Realist“ und vertrat diese Position lautstark. Es galt, Wahrheit mithilfe gestalteter Form zu vermitteln. Dabei hatte er einen doppelten Anspruch. Erstens kann Kunst etwas über das menschliche Dasein aussagen und zweitens kann sie Zeitgrenzen überspringen. Die Idee einer Gegenwartskunst war ihm ein Graus. Otto wollte Werke schaffen, die auch in einem zukünftigen Hier und Heute Bedeutung haben und das könne nur die gegenständliche Kunst. Er verwies selbstbewusst auf Goya, Picasso und Rodin als Künstler, deren Werke immer noch berühren.
Dass Museen, die sogenannte Gegenwartskunst feiern, für ihre Marketingziele dann doch immer auf klassische Moderne zurückgreifen, sei keine Dialektik mehr, sondern zeige die Dummheit im System.
Ottos große Präsenz im öffentlichen Raum (Berlin, Bremen, Düsseldorf, Hamburg, Oldenburg, Münster, Rostock, Schleswig u. a.) erklärt sich aus der mit seiner Kunstauffassung gegebenen Ambition, Inhalte formal überzeugend zu gestalten.


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