

Dass die SPD, die nach den Worten ihres nordrhein-westfälischen Landtagsfraktionsvorsitzenden Jochen Ott den Freiheitsbegriff nicht den „dummen Kerls“ von rechts überlassen will, dann aber den Vorstoß der Frauen-Union, islamische Vollverschleierung – den stofflichen Ausdruck patriarchalischer Gewalt- und Ehrkultur, die Frauen individuationsfeindlich auf ein zu versteckendes Sexualobjekt herabwürdigt – aus der Öffentlichkeit zu verbannen, nicht unterstützt, ihn stattdessen als Bevormundung und Angriff auf ein „freies und selbstbestimmtes Leben“ von Frauen verklärt, beweist nicht nur, dass die von Sozialdemokraten vertretene progressive Ideologie der Toleranz bloß die Maske ihrer aus Resignation vor der Übermacht der Verhältnisse hervorgegangenen Bewusstseinserkaltung, ihrer zur Unmenschlichkeit gesteigerten Erfahrungsunfähigkeit ist, sondern auch, dass ihr Freiheitskampf ein konfliktfeiges, moralistisches und die Ich-Verkümmerung verdeckendes Selbstvergewisserungstheater darstellt, dessen Freiheitsbegriff nicht Autonomie, sondern die Schnäppchenjagd „dummer Kerls“ bedeutet – weshalb nicht der Vorstoß der Frauen-Union, sondern die SPD ein freies und selbstbestimmtes Leben behindert, weil sie – ganz im Sinne von Islamisten – angstvoll internalisierte, kulturell-religiöse Gewaltverhältnisse verschleiert.
Die Kolumne versteht sich über ihren Inhalt hinaus als einen konstruktiven Beitrag zum Erhalt und Verständnis deutscher Sprache, die mehr ist als ein Kommunikationsmedium von Informationen. Sie ist wesentlich Ausdrucksform und Medium der Erkenntnis. Die Regression der Sprache auf eine Kette von Hauptsätzen, wie sie heute von taz bis tiktok statthatt, ist auch eine des Bewusstseins, die empfänglich macht für Populismus. Jenem einen Cestoda lingua einzusetzen, der - im Gegensatz zum Bandwurm im Darm - seinen Wirt stärkt, damit der Populismus keinen Nährboden findet, ist das Anliegen dieser Kolumne.


