Janine Girth

Vier Landkreise - ein Thema - Diskussion über Widerstand gegen Erdgasförderung

Mitglieder der Bürgerinitiative „NoMoorGas“ mit ihren roten Xen vor dem Grasberger Hof.  Foto: ui

Mitglieder der Bürgerinitiative „NoMoorGas“ mit ihren roten Xen vor dem Grasberger Hof. Foto: ui

Grasberg. Rote Xe vor dem Eingang deuteten darauf hin, um welches Thema es in der Diskussionsrunde im Grasberger Hof ging: „Widerstand gegen Erdgasförderung“. Viele Menschen in den Landkreisen Osterholz, Verden, Rotenburg und Diepholz sind davon überzeugt, dass die Erdgasförderung krank macht. Radio Bremen 2 war der Veranstalter im gut besuchten Grasberger Hof, in dem Hilke Theessen durch die Livesendung führte.
Die Moderatorin diskutierte mit Bürgermeisterin Marion Schorfmann, dem SPD-Landtagsabgeordneten Gerd Hujahn, dem Präsidenten Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie – LBEG, Andreas Sikorski, der Vertreterin der Bürgerinitiative „NoMoorGas“, Anja Büssenschütt, und mit dem Vertreter der Deutschen Erdöl AG (DEA). Letztere plant in diesem Jahr Messungen im Bremer Umland, um herauszufinden, ob es in den oben genannten vier Landkreisen Erdgasvorkommen gibt (wir berichteten).
Die Bürgerinitiative fürchte, so Anja Büssenschütt, dass es bei den seismischen Messungen nicht bleiben werde. Die DEA werde die seismischen Daten weiter auswerten und dann entscheiden, ob hier nach Erdgas gebohrt werde. Und das sei der Hauptpunkt, der den Menschen hier Sorge bereite. Sie hätten Angst vor Erdbeben, Verunreinigung von Trinkwasser und letztlich Angst um ihre Gesundheit.
Marion Schorfmann sei positiv überrascht gewesen, wie schnell die Leute zusammenkommen. „Und wie war es denn auf politischer Seite?“, wollte Hilke Theessen von der Bürgermeisterin wissen. „Wir hatten einen Antrag vorliegen für die Straßennutzung für diese Vibro-Trucks. Wir haben dann im Gemeinderat über alle Fraktionen und Parteien hinweg gemeinsam entschieden, dass wir diesen Antrag ablehnen.“
Auch die niedersächsische Regierungskoalition sei sich bei dem Thema Erdgassuche und -förderung einig, sagte Gerd Hujahn. „Wir haben eine recht eindeutige Position: Unkonventionelles Fracking nicht in Niedersachsen.“
Dort habe man die besondere Situation, dass sich hier viel Erdgasvorkommen konzentrieren. Mehr als 90 Prozent des in Deutschland geförderten Erdgases käme aus Niedersachsen, erläuterte Andreas Sikorski. Und die Voraussetzungen für die Erdgasförderungen seien sehr gut. Technisch sei man weltweit spitze.
Es gehe nicht darum, dass die DEA als Unternehmen irgendwo gern fördern möchte, sondern fördern könnte, betonte Heinz Oberlach. „Hier ist nämlich Erdgas, nicht irgendwo, wo wir es gerne hätten ... Und um das herauszufinden, ist die Seismik da.“ Auf die Frage, ob er mit so viel Gegenwind gerechnet habe, antworte er: „Mit Gegenwind auf jeden Fall. Lob an Frau Büssenschütt, das ist gut organisiert.“ Die Frage sei nur, worauf das basiere, auf einer Emotion oder auf einer Information, die eine Kommunikation bei Fachleuten ermögliche.
Wie streng sie eine Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) ist, darauf ging Gerd Hujahn ein. Die UVP sei nicht für alle Vorhaben notwendig, bei einer Menge 500.000 Kubikmeter Erdgas kann sie angeordnet werden, das sei eine Sache, die aus dem Bergrecht kommt. Er würde sich wünschen, dass UVPs deutlich öfter angeordnet werden, weil sie Transparenz und Öffentlichkeit herstelle.
Andreas Sikorski erklärte den interessierten Besuchern, welche Aufgabe seine Behörde hat, wenn eine Firma wie die DEA Gas fördern will. Das Interesse der Genehmigungsbehörde sei es, dass Verfahren mit Öffentlichkeitsbeteiligung durchgeführt werden. Man könne sicher sein, dass alle Unterlagen, die vorgelegt werden, sehr umfänglich sein werden. Alles werde über Gutachten abgedeckt. Und natürlich wolle man mit der Öffentlichkeit diskutieren. Die Bedenken und Sorgen der Menschen würden sehr ernst genommen.
Wie sieht es aus, wenn die DEA einen Antrag stellt, ist das nach geltendem Recht zu verhindern? Der bestehende Antrag sei ja zurückgezogen worden, derzeit liege noch keiner neuer Antrag des Unternehmens vor, teilte Andreas Sikorski mit. Wenn dieser Antrag gestellt würde, fände ein Beteiligungsverfahren mit den Landkreisen und den betroffenen Kommunen vor Ort statt. Danach würden die Argumente zusammengestellt. Und dann sei zu entscheiden.
Probleme sehen die Menschen in der Region. So sieht Herr Banz aus Rotenburg, Mitglied bei Ärzte gegen Atomwaffen, deutliche Zusammenhänge zwischen der Nähe der Bevölkerung zu Förderungsstellen und dem Auftreten von gesundheitlichem Schaden. Ein weiterer Besucher wollte wissen, warum in Niedersachsen der letzte Tropfen Gas gegen den Willen der gesamten Bevölkerung aus dem Boden gequetscht werden müsse, wo wir doch hochwertiges Gas aus Russland und vielleicht auch aus den USA bekämen. Es gehe nicht darum, die Erde auszupressen, „sondern in einer vernünftigen Weise Erdgas zu fördern, um dann Niedersachsen zu versorgen“. Und das sei ein Produkt aus der Region für die Region.
Das letzte Wort hatte Marion Schorfmann. Sie fragte: „Müssen wir das jetzt fördern? Das reicht doch in 50 Jahren oder 100 Jahren auch noch. Unsere Kinder sind so klug, die haben in der Zukunft viel bessere Techniken, die können das viel klüger fördern.“


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