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Verlässliche Hilfe

Trans*Net OHZ bietet seit zehn Jahren Beratung, Austausch und Orientierung für trans Personen, Angehörige und Unterstützer im ländlichen Raum.

Kim M. Becker und Gründerin Ilka Christin Weiß sind heute die Ansprechpersonen bei Trans*Net OHZ.

Kim M. Becker und Gründerin Ilka Christin Weiß sind heute die Ansprechpersonen bei Trans*Net OHZ.

Bild: Ek

Osterholz-Scharmbeck. Im Januar 2016 gründete Ilka Christin Weiß Trans*Net. Gute Presse habe damals geholfen, das erste Treffen bekannt zu machen. „Heute bin ich stolz auf Trans*Net, denn wir sind weit über die Landkreisgrenzen überregional eine bekannte Marke geworden.“

Weiß blickt auf zehn Jahre Arbeit zurück: Vernetzung, Seminare, Kontakte, Veranstaltungen und viele Gespräche. Mit der VHS fand sie früh einen Kooperationspartner, der bis heute an der Seite des Netzwerks steht. „Sonst war ich allein auf weiter Flur“, erinnert sie sich. Aber schon das erste Treffen als Stammtisch habe gezeigt, wie groß der Bedarf im ländlichen Raum ist.

Beratung im ländlichen Raum

Immer mehr Menschen und Institutionen wurden auf Trans*Net aufmerksam. Betroffene wurden an das Netzwerk verwiesen und fanden dort Hilfe. „Der Beratungsbedarf der trans*Personen gerade im ländlichen Raum wird von keiner Stelle abgedeckt. Gerade ältere trans*Personen haben oft einen jahrelangen Leidensweg hinter sich, weil sie versteckt lebten und nie die Gelegenheit hatten, sich mit anderen Menschen über dieses Thema auszutauschen.“

Der Leidensdruck sei häufig groß. Trans*Net OHZ habe seit der Gründung viele Betroffene beraten, aber auch Angehörige und Eltern von transidenten Kindern oder Jugendlichen, schreiben die Ansprechpartner Ilka Christin Weiß und Kai M. Becker in ihrer Info-Broschüre. Nicht selten fühlten sich Menschen in den vertraulichen Gesprächen erstmals als selbstbestimmte Personen verstanden. „Trans ist ein vielfältiges und komplexes Phänomen mit vielen verschiedenen Facetten.“

Die Erstberatung soll zunächst Druck nehmen. In weiteren Gesprächen geht es um Orientierung auf dem Weg der Transition – sozial, körperlich und rechtlich. „Im therapeutischen und rechtlichen Bereich ist einiges in den letzten 15 Jahren deutlich entspannter, doch noch lange nicht alles definiert und normiert. Aber es hat sich schon deutlich geändert. Bis 2011“, sagte Becker, „wurden Trans*Menschen noch zwangssterilisiert.“ Wer den Geschlechtseintrag ändern lassen wollte, musste faktisch Unfruchtbarkeit nachweisen, daher die Rede von OP- und Sterilisationszwang.

Mehr Sichtbarkeit, mehr Verständnis

Auch für nicht-binäre Menschen habe sich manches verändert. „Nicht-binäre Leute brauchen was anderes. Ich selbst habe gemerkt, ich komme mit der mir zugeordneten Kleidung, der mir zugeschriebenen Zuordnung einfach nicht klar. Mein Weg wäre ohne die Änderung im Jahre 2018, die die so genannte dritte Option ‚divers‘ möglich machte, nicht möglich gewesen“, sagte Becker. „Als ich kurz davor von ‚nicht binär‘ hörte, machte alles endlich Sinn.“

Die Sichtbarkeit habe die Situation verbessert. Zugleich bleibe die Gruppe klein und angreifbar. „Wir sind eine kleine Minderheit, es lässt sich leicht drauf herumhacken. Aber hier in der Bevölkerung ist das völlig unproblematisch“, sagte Becker. Weiß ergänzt: „Ganz im Gegenteil: Das Interesse am Transsexuellengesetz hatte die Landfrauen mich einladen lassen zu einem Vortrag.“

Auch persönliche Reaktionen hätten gezeigt, dass das Thema viele Menschen berührt. „Ich habe auch so ein Kind“, hätten sich Menschen geöffnet. Weiß sagt: „Trans*Personen machen unter einem Prozent der Bevölkerung aus, und die meisten leben unterm Radar. Du kennst keine trans*Person – aber trans*Personen kennen dich.“

Verlässliche Ansprechpersonen

Der Weg einer geschlechtsangleichenden Transition kann Psychotherapie, Indikationsschreiben, Endokrinologie und Hormontherapie umfassen. „Der deutsche Nordwesten ist in dieser Hinsicht mit Angeboten gruselig“, sagte Weiß. Dank der Vernetzung in der queeren Community sei der Weg zwar weiterhin nicht einfach, aber weniger kräftezehrend, als allein vor dieser Aufgabe zu stehen.

„Dieses Angebot unserer Selbsthilfegruppe Trans*Net bedeutet auch, dass man einen langen Atem haben muss. Dieses Angebot ist auch Verpflichtung! Jedes unserer Treffen hat einen geregelten Ablauf mit den abschließenden Fragen ‚was hat mir gefallen, was hat mir nicht gefallen‘ und vor allem ‚was nehme ich mit nach Hause‘. Wir sind als Ansprechpartnerinnen verlässlich dabei mit einer ständigen Erreichbarkeit, denn wir wollen für die Leute da sein.“

Die Arbeit bleibe ein dickes Brett. „Aktuell bläst uns ordentlich Wind von rechts entgegen. Aber wir wünschen uns eine Professionalisierung der Peer-Beratenden und eine breite Akzeptanz für die Lebenslage der trans*Personen. Denn wir haben uns das nicht ausgesucht und konnten das nicht mitentscheiden.“

TransNet bietet jeden ersten Freitag im Monat von 19.15 Uhr bis 21.30 Uhr einen Gruppenabend für Trans, Angehörige, Freund und Unterstützer im Bildungshaus im Campus, Lange Straße 28, in Osterholz-Scharmbeck an. Eine Anmeldung wird unter 0176/73 54 54 66 oder per E-Mail an info@transnet-ohz.de erbeten


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