

Worpswede. Die Kandidatenliste für das Amt des Bürgermeisters in Worpswede ist mittlerweile auf fünf Bewerber angestiegen. Neben dem von Grünen, SPD, Linken und UWG unterstützten Rico Germanus wollen Galerist Markus Lippek, Bundeswehrsoldat Andre Ottens, Rechtsanwalt Felix Westpfahl (CDU) und der parteilose Strafverteidiger Konrad Schäfer am 13. September zur Wahl antreten. Der 65-jährige Schäfer wohnt mit seiner Familie in Neu-Sankt-Jürgen und rechnet sich realistische Chancen auf die Position aus.
Amt mit hoher Verantwortung
Bereits im Dezember des letzten Jahres reifte die Idee bei Konrad Schäfer, die Nachfolge des scheidenden Bürger meisters Stefan Schwenke ins Auge zu fassen. Familie, Freunde und Bekannte bestärkten ihn von Anfang an bei seinen Überlegungen und machten ihm Mut. Die geforderten 120 Unterstützerunterschriften konnte er innerhalb von 10 Tagen neben seiner Berufstätigkeit als Anwalt einsammeln. Dabei ging er unkonventionell vor und klingelte an fremden Haustüren im gesamten Gemeindegebiet. „Das waren sehr interessante und informative Gespräche“, so der Kandidat. Das Feedback sei überwiegend positiv gewesen und er werde auch im Wahlkampf den direkten Weg zu den Menschen suchen.
Geboren wurde Konrad Schäfer in Hünefeld im osthessischen Landkreis Fulda. Vor 37 Jahren zog es ihn nach Bremen und 2006 schließlich mit seiner Ehefrau und den zwei Kindern nach Neu Sankt Jürgen. Nach dem Hauptschulabschluss lernte er den Beruf des Kochs, war vier Jahre bei der Bundeswehr, erlangte auf dem zweiten Bildungsweg die mittlere Reife und das Fachabitur und begann ein Studium der Sozialarbeit in Fulda, das er mit einem Diplom abschloss. Bereits während des Studiums arbeitete er in verschiedenen sozialen Einrichtungen als Betreuer mehrfach schwerstbehinderter Menschen. Dabei kam er immer wieder mit rechtlichen Aspekten in Berührung und er entschloss sich mit 34 Jahren an der Uni in Bremen, Jura zu studieren. Danach folgten sechs Jahre als Sozialrechtsreferent beim Sozialverband VdK in Rotenburg. Schließlich wechselte er als selbstständiger Anwalt in eine Bremerhavener Kanzlei und vor vier Jahren in eine Bürogemeinschaft in Bremen. „In meiner jetzigen Tätigkeit als Strafverteidiger, bin ich im gewissen Maße auch als Sozialarbeiter unterwegs“, beschreibt Konrad sein berufliches Engagement. Seine Entscheidung, sich für das Bürgermeisteramt zu bewerben, formuliert er so: „Das Amt des Bürgermeisters ist mit hoher Verantwortung verbunden, es ist insbesondere auch im Verwaltungsbereich eine herausfordernde Tätigkeit und benötigt aus meiner Sicht auch einen entsprechenden juristischen Background.“
Optimistischer Realist
Konrad Schäfer bezeichnet sich selbst als einen optimistischen Realisten. Ihm sei bewusst, dass die finanzielle Situation des Künstlerortes mehr als misslich sei. „Nun aber die Tür verschließen und zu sagen, das war es, ist selbstverständlich keine Option.“ Er sehe in Worpswede soviel Potenzial, dass es sich lohne, optimistisch zu sein. Themen, die ihm besonders am Herzen liegen, seien die vielschichtigen Herausforderungen für Familien mit kleinen Kindern, jungen Menschen und besonders auch älteren Bewohnern der Gemeinde. Ein Dorn im Auge sei ihm die aktuelle und zum Teil untragbare Verkehrssituation im Ort. Weiterhin solle die Gemeinde die klimaneutrale Energiegewinnung fördern, den Ausbau unterstützen und sich für die Wiedervernässung von Mooren einsetzen. Selbstverständlich stünden Kunst, Kultur und Tourismus weit oben auf seiner Agenda. Entscheidend für alle zukünftigen Fragestellungen sei das kommunikative Handeln: „Kommunikation, das heißt für mich miteinander reden und vor allem zuhören. Erst durch diesen Prozess lässt sich ein verantwortungsvolles Handeln gestalten.“




