Sandra Fricke

Stress im Job

Burn & Learn - Die Stresskolumne von Sandra Fricke.

Stress im Job hat viele Gesichter: schwierige Kommunikation mit Kollegen oder dem Chef, Überforderung durch zu viel Arbeit, Zeitdruck, ständige Erreichbarkeit. Und nicht zuletzt spielt in unsicheren Zeiten auch die Angst um den eigenen Arbeitsplatz eine Rolle.

Jeder dieser Punkte verdient Aufmerksamkeit. Doch einen Satz höre ich immer wieder: „Bei uns gibt es keinen Stress.“ Organisatorisch mag das stimmen. Abläufe funktionieren, Zuständigkeiten sind klar. Aber wir sind keine Maschinen. Wir bringen unser ganzes Leben mit ins Büro.

Wenn es privat kracht – Trennung, Krankheit, Pflege eines Angehörigen oder finanzielle Sorgen – bleibt das nicht ohne Folgen. Der sonst ausgeglichene Kollege wird still. Die freundliche Mitarbeiterin reagiert gereizt. Konzentration fällt schwer, Fehler schleichen sich ein.

„Privates gehört nicht in den Job“ ist gut gemeint – aber selten realistisch. Gedanken lassen sich nicht an der Bürotür ablegen. Emotionaler Stress wirkt genauso wie beruflicher.

Und es gilt auch andersherum: Wer dauerhaft unter beruflichem Druck steht, nimmt diese Anspannung mit nach Hause. Gereiztheit, Rückzug oder fehlende Geduld treffen dann Partner und Familie. Arbeit und Privatleben sind keine getrennten Welten. Sie beeinflussen sich gegenseitig.

Ich habe das selbst erlebt. Diese Folge ist für mich gelebte Vergangenheit. Ich habe funktioniert – bis mein System nicht mehr konnte. Genau deshalb biete ich heute Bildungsurlaube zu diesem Thema an: als Raum zum Innehalten, Reflektieren und Neujustieren.

 

Mein Tipp: Menschlichkeit vor Perfektion.

Das Gespräch suchen. Interesse zeigen. Zuhören. Fragen, ob Unterstützung hilfreich wäre.

Ja, Hilfe wird nicht immer sofort angenommen. Aber allein die Möglichkeit, jederzeit wieder ins Gespräch zu kommen, schafft Vertrauen.


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