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Sommeratelier auf Gut Sandbeck

Osterholz-Scharmbeck (nek). Auch im Corona-Sommer möchte der Kunstverein sich mit dem Sommeratelier auf Gut Sandbeck präsentieren. Der ANZEIGER bekam vorab einen Einblick in die verschiedenen Werke, die an diesem Wochenende auf dem historischen Rittergut präsentiert werden.

Bilder
Sonja Sancken ist mit ihrem Werk noch nicht zufrieden. „Da muss ich noch viel Arbeit reinstecken!“  Foto: nek

Sonja Sancken ist mit ihrem Werk noch nicht zufrieden. „Da muss ich noch viel Arbeit reinstecken!“ Foto: nek

Im Ausstellungsraum des Kunstvereins Osterholz-Scharmbeck wird eifrig gewerkelt. Der Fußboden ist mit Folien abgedeckt, damit eventuell herabtropfende Farbe keinen bleibenden Eindruck hinterlässt. Hier arbeiten fünf Künstlerinnen – in der Großen Scheune sind weitere acht Künstler untergebracht – an ihren Werken, die im Laufe des vierten Sommerateliers des Kunstvereins Osterholz-Scharmbeck entstehen sollen. Karin Uthoff betrachtet ihr Werk kritisch. Hände – nein, behandschuhte Hände – strecken sich dem Betrachter entgegen. Uthoffs Pinsel streicht noch einmal korrigierend über die Leinwand. „Mein Bild hat den Arbeitstitel „Applaus“, sagt die Ritterhuder Künstlerin. Damit will sie den Ärzten, Schwestern und Pflegern ein Denkmal setzen, die jetzt in der Corona-Krise so übermenschliches geleistet haben.
Gabriele Grau hat ein nachdenklich wirkendes Huhn auf die Leinwand gebannt. „Ich lasse mich von Fotos inspirieren, die ich gemacht habe“, erzählt sie und legt ein kleines Fotoalbum mit Makroaufnahmen vor.
Eva Betz tupft ganz zart Farbe auf ihr Werk. „Ich nenne es „das verunfallte Bild“, sagt sie. Die Leinwand habe ein Loch bekommen. Das Loch wurde inzwischen von hinten mit Gaze geschlossen, jetzt versuche Betz die letzten Spuren des Unfalls mithilfe des Pinsels und Farbe für den Betrachter unsichtbar zu machen. „Vielleicht mache ich ein Suchbild daraus und lasse die Besucher unserer Ausstellung raten, wo das Loch war“, sagt Eva Betz mit einem Schmunzeln.
 
Tipps vom Preisträger
 
Unterstützt werden die zwölf Künstlerinnen und der eine Künstler beim vierten Sommeratelier von Waldemar Grazewicz, Träger des Kunstpreises 1999/2000 des Landkreises Osterholz. „Hier sind schon fast Profis am Werk“, sagt Grazewicz, dessen eigene Arbeitsschwerpunkte in den Bereichen Installation, Fotoobjekte und Bühnenbild liegen, über seine Schützlinge. „Ich mache keine Vorgaben, jede und jeder kann tun, was gefällt“.
Hildegard Siegler-Gräbel malt mit Pixeln. An ihrem PC bearbeitet sie eigene Fotos, fügt Objekte ein und erstellt so Fotocollagen. „Mir geht es diesmal darum, Stille und Ruhe darzustellen“, erläutert sie. Auf dem blauen, ruhigen Gardasee ist ein Segelboot mit kräftig-roten Segeln zu sehen. Die glatte Wasserfläche und die grau-blauen Berge des Hintergrundes bewirken die von Siegler-Gräbel angestrebte Ruhe. Neben dem Boot mit den roten Segeln arbeitet Hildegard Siegler-Gräbel auch noch mit weiteren Bootmotiven. „Vielleicht mache ich eine Serie daraus“, überlegt sie.
Katja Lindemann hat zum Sommeratelier des Kunstvereins Zeichnungen ihres Enkelkindes mitgebracht, die sie nun zu einer Collage verarbeiten will. „Die dicken Augenbrauen hier – das soll Opa sein“, erläutert Lindemann und zeigt auf ein Strichmännchen-Gesicht mit eindeutigen Waigel-Brauen. „Und dieser Mund hier trägt Lippenstift!“ Die kräftigen roten Linien zeigen die Entschlossenheit der kleinen Künstlerin. „Ich überlege noch, wie ich das jetzt in Szene setze“, sagt Katja Lindemann und schiebt einige Gesichter auf der Leinwand des Hintergrundes umher.
Elisabeth May ist zum dritten Mal beim Sommeratelier des Kunstvereins dabei. Diesmal wolle sie mehr konkret malen, sonst male sie mehr abstrakt, berichtet sie. „Beim Sommeratelier haben wir genug Zeit und Raum, um zu experimentieren und mit den Materialien zu spielen“, lobt May. Auch den guten Austausch der Teilnehmer untereinander schätzt sie sehr.
Das bestätigt auch Elisabeth Kreis. Sie hat ein Bild mitgebracht, bei dem sie sich „vermalt“ habe. „Ich habe hier gute Anregungen bekommen, was ich tun kann“, freut sie sich. Kreis malt auch mit Bitumen-Farbe, ebenso wie Sonja K. Sancken, die gleich nebenan ihre Staffelei aufgestellt hat. „Aber unsere Techniken unterscheiden sich total. Es ist toll, neue Ideen zu bekommen!“
Am Sonnabend, 1. August, können die entstandenen Arbeiten in der Zeit von 15 bis 18 Uhr und am Sonntag, 2. August, durchgehend von 11 bis 18 Uhr auf Gut Sandbeck besichtigt werden.


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