

Ritterhude. Zu einer kurzweiligen 120-Jahr-Feier trafen sich Mitglieder und Freunde des SPD-Ortsvereins Ritterhude in den unteren Räumen des Hammeforums. Uwe Helmers, Vorsitzender des SPD-Ortsvereins Ritterhude, begrüßte den Landesvorsitzenden der Bremer SPD, Falk Wagner, die Bezirksvorständin Tina Wilke, Susanne Geils, die 15 Jahre lang als erste Frau das Bürgermeisteramt der Gemeinde Ritterhude bekleidet hatte, und den jetzigen Bürgermeister und Bürgermeisterkandidaten für September, Jürgen Kuck. Helmers begrüßte ebenfalls Michael Harjes als SPD-Gemeinderatsvorsitzenden, Kreistagsabgeordneten und Landratskandidaten. Letzterer wurde gemeinsam mit Jürgen Kuck und Falk Wagner ans Mikro gebeten, um von Ortsvereinsmitglied Nora Jäger Fragen rund um Politik, Person und Perspektive zu beantworten. Der 37-jährige wohnungspolitische Sprecher der SPD-Bürgerschaftsfraktion empfand es als ein Privileg, an so etwas Wichtigem wie dem Azubiwohnheim für bezahlbaren Wohnraum in Bremen mitzumachen und etwas zu bewegen.
Michael Harjes wünschte sich, dass ratsferne Menschen Sitzungsübertragungen aus dem Rathaus hören könnten und sich junge Leute mehr für die rahmengebende Politik vor Ort interessierten. „Wir müssen aus dieser Blase raus“, sagte er. 30 demokratische Gemeinderatsmitglieder könnten mehr tun, „damit wir gemeinsam die Leute rausdrängen, die das alles kaputtreden.“ Jugendliche Begeisterung, um mitzumachen, erwachse aus Projektarbeit. Die Zukunft für Ritterhude und den Landkreis Osterholz sah er in der sinnvollen Nutzung der Flächen für Mobilität und Wohnen hinsichtlich der älter werdenden Bevölkerung, aber auch der wichtigen Bildung. „Wir wollen gleiche Chancen für alle Menschen.“ Mehr Aufmerksamkeit verdiene der Katastrophen- und Zivilschutz, doch für all die Wünsche und Notwendigkeiten brauche es eine deutlich bessere Finanzausstattung, „die zurzeit sehr dürftig ist. Haushalte ohne grundlegende Reformen werden das nicht stemmen können – daran sollten alle Kommunalpolitikerinnen und -politiker gemeinsam arbeiten.“
Jürgen Kuck warf einen stolzen Blick zurück in die Geschichte Ritterhudes, das nach dem Zweiten Weltkrieg auf 7.000 Einwohner, also doppelt so viele, durch die Geflüchteten aus dem Osten angewachsen war. „Das hat Ritterhude sehr geprägt, auch herausgefordert, aber hingekriegt.“ Die Gebietsreform 1974 habe den Ort so geschnitten, wie er nun sei, „das war keine hier getroffenen Entscheidung.“ Und ein großer Wurf sei das Hammeforum gewesen, das Bürgermeister Fidi Verhoelen schon angeschoben habe.
Kirsten Addicks-Fittschen hatte sich im Vorfeld tief in die Geschichte des SPD-Ortsvereins Ritterhude gekniet und war überrascht, als „Zugezogene“ die Beziehungen in der Ritterhuder SPD-Geschichte zu beleuchten. Ihre gesammelten Materialien hatte sie zu einer informativen Ausstellung zusammengestellt. „Wenn der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert als Parteisekretär nicht 1906 in Ritterhude gewesen wäre und hier die Menschen nicht zur Gründung eines Ortsvereins der SPD aufgerufen hätte, wäre er vielleicht nicht gegründet worden“, wagte sie zu bedenken. Die Ex-Lehrerin beschäftigte sich gern mit Heimatgeschichte, die immer sehr spannend sei, gerade im Kontext zur deutschen Politik und der gesellschaftlichen Entwicklung. „Ich könnte da weitermachen“, verriet sie.




