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Ölgemälde von Frauke Migge in der Worpsweder Kunsthalle

Worpswede (an). Anlässlich des 80. Geburtstages von Frauke Migge zeigt die Worpsweder Kunsthalle über 30 Ölgemälde und Zeichnungen der Künstlerin, die in einem Zeitraum von über 40 Jahren entstanden sind.
Bilder
Bis zum 7. November zeigt die Worpsweder Kunsthalle eine Ausstellung mit über 30 Ölgemälden anlässlich des 80. Geburtstags von Frauke Migge. Foto: an

Bis zum 7. November zeigt die Worpsweder Kunsthalle eine Ausstellung mit über 30 Ölgemälden anlässlich des 80. Geburtstags von Frauke Migge. Foto: an

Es sind Werke an der Schnittstelle zwischen Realität und Fantasie einer Künstlerin, die vor allem durch die Genialität ihrer Technik und Ausführung überzeugt. Kühle Farben, ein Himmel, eingehüllt von einer Wolkendecke. Am rechten unteren Bildrand findet sich eine Stuhllehne, an der eine Tasche hängt. Die Größenverhältnisse sind irreal und doch wirken die Objekte gut durchdacht platziert. Das Werk trägt den Titel „Begegnung“. Es ist ein typisches Bild der Worpsweder Künstlerin Frauke Migge, deren Bilder einen hohen Wiedererkennungswert haben. „Eine Frauke Migge erkennt man sofort“, sagt auch Sonja Toeppe, Geschäftsführerin der Worpsweder Kunsthalle.
 
Prägende Kindheit
 
Frauke Migge wird 1941 in Bremen geboren und zieht zwei Jahre später aufs Land, wo sie für 8 Jahre wohnen wird. Ihr Vater stirbt früh und ihre Mutter muss die Familie nun alleine ernähren. Frauke Migge ist deshalb schon in jungen Jahren auf sich allein gestellt und verbringt viel Zeit in der Natur. Diese Erfahrung wird sie für immer prägen und große Auswirkungen auf ihr Schaffen als Künstlerin haben. Ihre Bilder, die durch das Kombinieren von Bildgegenständen und Bildebenen surreale Szenen inszenieren, basieren zum größten Teil auf der Worpsweder Landschaft. So erkennt man auch heute in ihren Bildern eine Faszination für die Natur und vor allem eine Gabe zu beobachten, die Frauke Migge wohl schon früh eingesetzt hat, um die Natur in ihrer Gänze wahrzunehmen.
1951 kehrt Migge nach Bremen zurück und äußert früh den Wunsch, die Bremer Kunstschule zu besuchen. Migge beginnt tatsächlich nach einer Ausbildung zur Dekorateurin das Studium, bricht dieses jedoch nach drei Semestern ab und macht sich als Grafikdesignerin selbstständig. Seit 1966 ist sie dann als freischaffende Malerin und Zeichnerin tätig. Sie erhält in den Folgejahren zwei Stipendien in den Martin Kausche Ateliers in Worpswede und fasst 1977 den Entschluss, für immer in Worpswede zu bleiben. Heute zählt sie zu den bedeutsamsten Worpsweder Künstlerinnen der Gegenwart.
 
Themen und Aussagen
 
Es sind große Themen, die Frauke Migge mit ihrer Kunst erfasst. Sie beschäftigt sich mit Zeit und Raum, Hoffnung und Vergänglichkeit, Leben und Tod. Durch die Verwendung abstrakter Titel wie „Geheimnis eines Tages“ oder „Die heimliche Bedrohung“ bleibt den Besuchenden viel Raum für Interpretationen, die die Vielschichtigkeit der Werke zeigen. Obwohl das menschliche Dasein, das auch in seiner Endlichkeit gezeigt wird, im Vordergrund steht, bildet Migge keine Menschen ab. Es sind Gegenstände, wie Bücher oder Möbel, die eine menschliche Seite aufzeigen. Im Mittelpunkt der Kunst steht jedoch klar die Abbildung der Landschaft, die durch die surrealen Bildelemente komplettiert wird. Ein weiteres Motiv ist auch die Darstellung der vier Elemente, die unter anderem durch eine Weltkugel, Flüsse, Wolken und das Licht symbolisiert werden. Immer wieder finden sich diese Bildelemente in den Werken der Worpsweder Künstlerin wieder. Im Laufe der Jahre sind ihre Bilder etwas weniger blass, im Bild „Lebensraum“ finden sich auch schon mal kräftigere Farben. Obwohl es vielleicht eines der untypischeren Bilder von Frauke Migge ist, steht auch hier der unverkennbare Stil für sich. Dieses Bild ist vor allem so besonders, da es ein Fenster aus der Natur in die Natur zeige, so Toeppe.
 
Brilliante Technik
 
Doch nicht nur das Zusammenführen von Bewusstem und Unbewusstem ist besonders, Frauke Migge ist vor allem durch ihre faszinierende Technik zu erkennen. Sie führt ihre Arbeiten in altmeisterlicher Technik aus und das mit einer Präzision, die beeindruckend ist. Ihre exakte Technik ermöglicht eine nahezu fotorealistische Darstellung, umso erstaunlicher, dass die Künstlerin im Vorfeld keine Skizzen anfertigt.
 
Bedeutung und Resonanz
 
Bis zum 7. November 2021 sind die in Zusammenarbeit mit Frauke Migge selbst ausgewählten Bilder noch in der Worpsweder Kunsthalle zu sehen. Die Resonanz sei äußert positiv, erzählt Sonja Toeppe, die die Faszination Frauke Migges und ihrer Werke treffend auf den Punkt bringt. So sei Frauke Migge nicht nur faszinierend, da sie ein enormes künstlerisches Talent habe, sondern auch dadurch, dass sie die Ideen in ihrem Kopf umsetzen und damit im nächsten Schritt auch die Faszination bei anderen auslösen könne. Um einen Einblick in das künstlerische Schaffen der Künstlerin zu bekommen, lohnt es sich also die Ausstellung „Frauke Migge - Magie der Zeichen. Eine Retrospektive“ zu besuchen.


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