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Mizgin Ciftci tritt als Direktkandidat der Linken an

Osterholz-Scharmbeck (eb/jm). Mizgin Ciftci will in den Bundestag - und seine Partei Die Linke teilt diesen Wunsch. Kürzlich wählten die Mitglieder den Kreisstädter zum Direktkandidaten für den Wahlkreis Osterholz-Verden. Ciftci startet auf dem vierten Platz der Landesliste in Niedersachsen bei der kommenden Bundestagswahl.
Mizgin Ciftci wurde von seinen Genoss:innen zum Direktkandiaten der Linken im Wahlkreis Osterholz-Verden bei der kommenden Bundestagswahl gewählt. Foto: eb

Mizgin Ciftci wurde von seinen Genoss:innen zum Direktkandiaten der Linken im Wahlkreis Osterholz-Verden bei der kommenden Bundestagswahl gewählt. Foto: eb

Der 29-jährige ist in Osterholz-Scharmbeck geboren und aufgewachsen, ist ausgebildeter Gesamtschullehrer und arbeitet jetzt als Gewerkschaftsekretär. Seit 2011 engagiert er sich in der Linken, 2016 wurde er in den Kreistag Osterholz und den Stadtrat Osterholz-Scharmbeck gewählt.
In seiner Vorstellungsrede erläuterte Ciftci seine Motive, jetzt auf der Bundesebene aktiv werden zu wollen: Die Pandemie treffe nicht alle Menschen gleich, sagte Ciftci. Auf der einen Seite verlören Millionen Kurzarbeiter:innen Einkommen, besonders betroffen seien dabei Beschäftigte mit geringem Einkommen. Auf der anderen Seite sei die Zahl der Milliardär:innen um 29 auf 136 Personen gestiegen. Deren privates Vermögen wuchs im Jahr 2020 um mehr als 100 Milliarden Euro, obwohl die Wirtschaftsleistung pandemiebedingt schrumpfte.
„Diese skandalöse Ungerechtigkeit will ich bekämpfen und den ‚kleinen Leuten‘ im Bundestag eine Stimme geben“, so der ehemalige Personalrat und heutige Gewerkschaftssekretär. Die Linke sei die einzige Kraft, die in dieser Zeit das Wort „Solidarität“ mit Leben fülle. „Wir fordern eine Vermögensabgabe für Superreiche, damit die Kosten der Krise nicht auf die Arbeitnehmerschaft, die Rentnerinnen und Rentner und die sozial Bedürftigen abgewälzt werden“, so Ciftci.
 
„Geldbeutel der Eltern entscheidet Bildungserfolg“
 
Aus einer siebenköpfigen Arbeiterfamilie kommend seien ihm die Sorgen und Nöte der Menschen bekannt. Zum Beispiel in der Schule: „Da war der Zuspruch von Lehrerinnen und Lehrern am Osterholzer Gymnasium schon wichtig, um mich als Kind aus einer Migrantenfamilie durch das Abitur zu bringen.“ Später sei es ein gewerkschaftliches Stipendium für Arbeiterkinder gewesen, das ihn auf dem Weg zum Deutsch- und Politiklehrer unterstützte. „Im deutschen Bildungssystem entscheidet leider noch immer der Geldbeutel der Eltern maßgeblich über den eigenen Bildungserfolg“, so Ciftci rückblickend. Darum sei es nicht hinnehmbar, dass in der gegenwärtigen Krise massiv aufgerüstet werde. „Deutschlands Zukunft wird an unseren Kitas und Schulen, in unseren Krankenhäusern und Universitäten entschieden – nicht an der Ostfront“, erklärt Ciftci. „Wir brauchen dringend Investitionen in unser Bildungs- und Gesundheitswesen, in den Klimaschutz und den sozialen Zusammenhalt.“
 
Ciftci hat die richtigen Antworten
 
Darüber hinaus prüften die Mitglieder den Kandidaten. „Grün-Rot-Rot im Bund?“ oder „Wie hältst du es mit der Begrenzung der Mandatszeit?“, wurde er unter anderem gefragt. Eine Bundesregierung mit einer linken Mehrheit im Jahr 2021 erwartet Ciftci nicht, darum stelle sich die Frage einer Regierungsbeteiligung nicht. Ihm gehe es um ein gutes Ergebnis für die eigene Partei. Und sich öfter als dreimal für ein Mandat im Bundestag zu bewerben, kann sich der Linken-Kandidat nicht vorstellen. „Wer zu lange in Berlin sitzt, verliert irgendwann den Bezug zu den einfachen Menschen und ihren Problemen – das will nicht“, erklärt Ciftci. Die Mitglieder waren offenbar mit den Antworten einverstanden: Bei der Wahl gab es lediglich eine Nein-Stimme. Eine Gegenkandidatur gab es nicht.


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