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Meeresforscherin Antje Boetius illustriert das Leiden der Meere

Osterholz-Scharmbeck. Die Direktorin des renommierten Alfred-Wegener-Instituts hielt einen engagierten Vortrag über die Bedrohungen der Meere in Osterholz-Scharmbeck.
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Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Rotenburg Osterholz Ulrich Messerschmidt, Prof. Dr. Antje Boetius und Christoph Lübken, Präsident des Lions Club Osterholz

Der Vorstandsvorsitzende der Sparkasse Rotenburg Osterholz Ulrich Messerschmidt, Prof. Dr. Antje Boetius und Christoph Lübken, Präsident des Lions Club Osterholz

Der Vortragsraum der Sparkasse Rotenburg Osterholz in der Bahnhofstraße war gut gefüllt mit erwartungsvollen Gästen. Zunächst begrüßte Vorstandsvorsitzender Ulrich Messerschmidt die Gäste und freute sich, dass die Referentin, Frau Prof. Boetius so ein starkes Interesse hervorgerufen hat. Er bedankte sich beim Lions Club Osterholz, dass auch in diesem Jahr wieder eine sehr kompetente Rednerin gewonnen werden konnte. Zudem lobte er die gute Organisation.
Christoph Lübken, der Präsident des Lions Club Osterholz, begrüßte anschließend das anwesende Publikum und vor allem die Referentin des Abends, Frau Prof. Dr. Antje Boetius, seit 2017 Direktorin des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz Zentrum fu¨r Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven.
 
Neues Erdzeitalter
 
Boetius begann ihre spannende Reise durch die Tiefsee mit den Worten: „Ich gehöre zu den Menschen, die abtauchen dürfen“, und es wird schnell klar, dass dieses Forschungsgebiet für sie nicht nur Beruf, sondern gleichermaßen Berufung ist. Die Referentin erläutert, warum die Meere, die zwei Drittel der Erde bedecken, für die Menschheit von großer Bedeutung sind. Anschließend kommt sie auf die großen Probleme zu sprechen, die letztendlich das Leben auf der Erde bedrohen. In der Wissenschaft wird heute diskutiert, dass wir in ein neues Erdzeitalter eingetreten sind, das Anthropozän. Der Mensch übt heute eine größere Kraft aus auf die Veränderung der Erdoberfläche als andere natürliche Prozesse.
 
Menschengemachter Wandel
 
In langen Messreihen hat man seit 1750 die Entwicklungen einzelner Indikatoren über Jahre verfolgt: Verlust von tropischen Wäldern, Zunahme an Düngemitteln, Anstieg der Temperaturen, Energieverbrauch, Verbrauch von Trinkwasser, Verkehr und viele weitere Faktoren. Seit 1950 sind die Werte für diese Indikatoren dramatisch angestiegen und haben die Welt rapide verändert. Bezogen auf die Meere verdeutlicht Boetius diese Entwicklungen am Beispiel der Fischerei.
Noch vor wenigen Jahren lag der Anteil der Fische aus Aquakultur, der Züchtung von Fischen, bei 4 %. Heute wird mehr Fisch aus dieser „Landwirtschaft der Meere“ gewonnen als aus natürlichem Fischfang.
 
Das Leiden der Meere
 
Große Probleme bereitet den Meeren der ungebremste Verbrauch von Plastik und Mikroplastik. Es gibt heute bereits kaum noch Meeresbereiche, in denen keine dieser Materialien gefunden werden. Boetius berichtet unter anderem von den Lummen auf Helgoland. Deren Nester bestehen heute zu großen Teilen aus Plastikmaterialien. Eine große Herausforderung für die Zukunft wird sein, die Nachfrage der Menschheit nach Rohstoffen aus dem Meer in geordnete Bahnen zu bringen. Es gibt zum Beispiel Bestrebungen, Millionen Jahre alte Manganknollen auf dem Meeresboden mit speziellen Tiefseebaggern zu heben. Die Knollen enthalten unter anderen Eisen, Kupfer, Nickel, Lithium und Kobalt. Der Abbau würde den Meeresboden zerstören und alles Leben dort auf sehr lange Zeit vernichten.
 
MOSAIC Expedition
 
Zum Abschluss der Veranstaltung berichtet die Referentin noch über ein Forschungsprojekt des Alfred-Wegener-Instituts, die einzigartige MOSAIC Expedition „Der Polarstern durch die Arktis“ Richtung Nordpol. Hier gibt es aktuell einige Herausforderungen, denn die Eisschichten um das Schiff herum sind unerwartet dichter als gedacht und es musste ein weiterer Eisbrecher geordert werden, um die Versorgung der Wissenschaftler an Bord zu sichern. Schließlich appellierte Frau Boetius an das Publikum, die Meeresschützer der Meeresschutzorganisation DEEPWAVE, die sich besonders für den Schutz der Tiefsee einsetzen, mit einer Spende zu unterstützen.
Zu guter Letzt bedankte sich der Vorsitzende des Lions Club Christoph Lübken für diesen engagierten Vortrag.


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