

Zum 33. Mal hat die Volksbank Osterholz Bremervörde ihren Kulturpreis verliehen. Vergangene Woche wurden die Gewinnerinnen feierlich auf Gut Sandbeck gekürt. Das diesjährige Thema lautet „Die Farbe Grau“. Den ersten Preis gewinnt Ursula Barwitzki für ihr Mutter-Tochter-Porträt, ein übermaltes Feld von neun Schwarz-Weiß-Fotografien. Susanne Fasse belegt mit ihrer Graphitzeichnung den zweiten Platz.
Insgesamt nahmen 49 Künstlerinnen und Künstler an dem Wettbewerb teil und reichten 68 Werke ein. Und wer bei der Farbe Grau an Eintönigkeit denkt, liegt falsch: Die Teilnehmenden brachten verschiedenste Interpretationsansätze mit und setzten diese anhand zahlreicher Medien und Materialien um.
Warum grau?
Der französische Maler Paul Cézanne sagte: „Solange man kein Grau gemalt hat, ist man kein Maler.“ Philosoph Peter Sloterdijk machte daraus in seinem Buch „Wer noch kein Grau gedacht hat“: „Solange man das Grau nicht gedacht hat, ist man kein Philosoph.“
Genau das war die Inspiration für Volksbank-Vorstandsvorsitzenden Jan Mackenberg. Seine Kollegin Birgit Asmann brachte zudem die Idee ein, eine oder zwei Farben als Thema zu verwenden. Und Kulturjournalist, Kunstkritiker sowie Juror Rainer Beßling benannte Grau als seine Lieblingsfarbe. Da lag die Entscheidung nahe.
„Grau erscheint als Farbe der Übergänge, der Zwischenräume, der Ambivalenz und der Reflexion“, sagt Beßling auch in seiner Laudatio auf Gut Sandbeck. „Nicht nur in der Kunst, sondern auch in Politik und Gesellschaft.“ Das Ergebnis des Wettbewerbs ist ein Portfolio aus erfrischend ähnlichen Werken – zumindest was die Farbgebung angeht. Denn die verwendeten Medien und Materialien sind umso unterschiedlicher und kreativer. Die Betrachter:innen werden nicht von bunten Farben erschlagen, sondern können sich ganz auf die Substanz der Kunstwerke, ihre Bedeutung und Interpretation, einlassen.
Von Foto bis Graphit
„Susanne Fasse hat ein Werk zwischen Zeichnung und Malerei, Strich und Farbe erschaffen“, lobt Beßling das zweitplatzierte Werk. „Sie hat ein Bild geschaffen, das bei jeder Betrachtung nahezu neu entsteht.“ Dafür bedachte die Jury Fasse mit dem zweiten Platz des Kulturpreises, der mit 1000 Euro dotiert ist.
Ursula Barwitzki hat die Fotografie, um die sich ihr Werk dreht, in einer Schublade ihrer unlängst verstorbenen Mutter gefunden. Das Foto zeigt sie selbst im Alter von sieben Jahren. Die Mutter war damals 30. „Absicht der Künstlerin war es nach ihrer eigenen Aussage die verlassene Erinnerung – ihre eigene und unser aller – zum Ausdruck zu bringen“, erklärt Beßling in seiner Laudatio. „Nicht farbige Fotografien sind nicht schwarz-weiß, vielmehr bestehen sie aus vielen Grautönen. Daher gehört dieses Werk zum Kern von Betrachtung und Wahrnehmung allgemein über Fotografie und Malerei.“ Aus diesem Grund erhielt Ursula Barwitzki den ersten Preis, dotiert mit 2000 Euro.
Den dritten Preis – einen Publikumspreis dotiert mit 500 Euro – konnten Besucher:innen der Ausstellung direkt vor Ort wählen. Die ausgestellten Werke sind weiterhin noch bis zum 8. Februar in der Galerie auf Gut Sandbeck zu sehen.



