

Landkreis Osterholz. Wie unterscheiden Sie Ihre blaue, schwarze oder braune Tonne? Ganz einfach: Farbe sehen, Deckel auf, den entsprechenden Müll hineinwerfen und Deckel wieder zu. Für Menschen mit Sehbeeinträchtigungen ist das allerdings nicht so leicht. Die Abfall-Service Osterholz GmbH (ASO) bietet nun kostenlose eine Lösung.
Menschen, die erblindet sind, die unter Farbfehlsichtigkeit oder einer anderen Sehbeeinträchtigung leiden, haben jetzt die Möglichkeit, bei der ASO tastbare Symbole aus dem 3-D-Drucker zu erhalten und ihre Mülltonnen damit kennzeichnen zu lassen.
Auf dem Wertstoffhof in Lilienthal wurden die Tonnenkennzeichen durch die ASO-Abfalberaterin Rebecca Eberth und durch die Behindertenbeauftragten der Gemeinde Lilienthal, Reinhard Seekamp und Anette Paul, vorgestellt.
Seit ihrer frühesten Kindheit ist Anette Paul blind. Bislang benötigte sie bei der Suche nach der richtigen Mülltonne fremde Hilfe oder sie musste improvisieren. Deckel auf und riechen oder sogar hineingreifen? Dagegen spricht der Ekelfaktor. Jetzt freut sie sich, dass die Tonnenkennzeichen Menschen mit Sehbeeinträchtigungen landkreisweit ein Stück Unabhängigkeit ermöglichen.
Entwickelt wurden die Symbole durch die Firma Eichhorn aus Eltmann in der Nähe von Nürnberg in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Blinden- und Sehbehindertenbund e. V. Über diesen Weg wurde die Druckdatei der ASO und den Lilienthaler Behindertenvertretern kostenlos zur Verfügung gestellt. Jetzt wurden drei verschiedene, tastbare Symbole angefertigt und zunächst jeweils in einer Auflage von 100 Stück geordert. „Wir sind bereit, mehr zu bestellen“, erklärt Rebecca Eberth.
Begleitend wurde gemäß einer Leitlinie des Bundes, was Art und Farbgebung betrifft, ein erklärender Flyer entwickelt. An den Flyer und die Symbole wurden hohe Ansprüche geknüpft, berichtet Eberth. Nicht nur Sehbeeinträchtigungen, sondern auch Sprachbarrieren solle das Projekt überwinden. Die Symbolbeschreibungen sind in Deutsch und acht weiteren Sprachen abgedruckt. Im Flyer erfahren Interessierte, dass das Quadrat für Papiermüll, das X für Restmüll und das Dreieck für Biomüll stehe. Falls Bedarf bestehe, könne ein viertes Symbol, ein Kreis für die gelbe Tonne, nachgeordert werden.
Die 3-D-Symbole können bei der ASO bestellt werden. Mitarbeitende bringen diese dann einheitlich, im hinteren Bereich der Schiebegriffe, an. Im Vorfeld hatte sich die ASO viele Gedanken gemacht. Seitlich an den Tonnen befänden sich oft Spinnenweben und anderer Schmutz. So sei es einfacher und angenehmer, auf dem Deckel nach den Symbolen zu tasten.
Natürlich habe es Überlegungen gegeben, Aufkleber und Flyer in Blindenschrift zu entwickeln. Jedoch lerne nicht jeder Mensch mit Sehbeeinträchtigungen die Brailleschrift. Reinhard Seekamp nannte als Beispiel, wenn Menschen erst im höheren Alter erblinden, erlernen sie die Schrift oft nicht mehr. Oder Menschen mit Farbfehlsichtigkeit – auch sie beherrschen die Blindenschrift nicht. Anette Paul, die über das Equipment verfügt, Blindenschrift zu drucken, bot an, auf Anfrage die Symbolerklärungen entsprechend auszudrucken und zur Verfügung zu stellen, wenn nötig.
Nun hoffen alle Beteiligten, dass sich die Kennzeichen-Lösung schnell herumspricht, damit die Symbole gute Verwendung finden. Eine E-Mail oder einen Anruf beim Kundencenter der ASO können Interessierte an kundencenter@aso-ohz.de beziehungsweise 04791/9644-200 richten.




