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Jeder ist willkommen! - Das Trauercafé in Osterholz-Scharmbeck

Osterholz-Scharmbeck (eb). Endlichkeit, Abschied und Trauer sind im Leben jederzeit präsent. Es trifft jeden - irgendwie und irgendwann. Trauer ist ein Prozess, der sehr individuell verläuft - sowohl im Erleben als auch in der Dauer. Manche Menschen brauchen ein paar Monate, andere Jahre. Manchen hilft der Gang zum Grab, anderen die Alltäglichkeit im Beruf, fast allen helfen Gespräche.

Die Zeiten, in denen die Begleitung trauernder Menschen mehr oder weniger selbstverständlich im familiären Umfeld stattfand, liegen lange zurück. Gesellschaftliche Veränderungen haben es mit sich gebracht, dass viele Menschen, die von einem Todesfall betroffen sind, weitgehend unverbunden oder allein zurückbleiben. Das heißt nicht, dass Familie, Freunde, Nachbarn, Gemeindemitglieder kein Verständnis haben, sondern in unserer schnelllebigen Zeit mit zunehmender Digitalisierung der Raum für Trauer nicht mehr gegeben ist. Trauer als natürliche Reaktion eines Menschen auf Verlust erfordert keine Therapie, sondern Menschen, die in der Lage sind, sich solchen Situationen zu stellen, sie auszuhalten, zuzuhören und auf Augenhöhe im Tempo des trauernden Menschen in eine echte und zugewandte menschliche Begleitung zu gehen.
Und genau aus diesem Grund bietet der ambulante Hospizdienst Osterholz-Scharmbeck neben einer Trauergruppe und Einzelgesprächen auch das Trauercafé an. Bereits seit 2006 findet jeden 1. Sonntag im Monat von 15 bis 17.30 Uhr das gemeinsame Kaffeetrinken in gemütlicher Atmosphäre in den Räumen des Alten Museums, Hundestr. 11, 27711 Osterholz-Scharmbeck.
Offenes Angebot
Es ist ein offenes, überkonfessionelles und kostenloses Angebot des Diakonischen Werkes, was bedeutet, niemand muss sich vorher anmelden. Deshalb ist die Anzahl der Gäste unterschiedlich. Mal sind es vier Gäste, dann sechs, ein anderes Mal sind es 16 Gäste. Egal wie viele Gäste den Weg ins Trauercafé finden, Platz ist ausreichend vorhanden. Der selbst gebackene Kuchen (von unseren Ehrenamtlichen) reicht auch immer für alle! Im Hinblick auf Alter und Geschlecht der Trauernden kann man keine Grenzen ziehen. Von jung bis ins hohe Alter, Männer und Frauen – es ist jedes Mal unterschiedlich. Jeder hat seine eigene Geschichte, die es zu verarbeiten gilt, bei manchen ist es erst einige Wochen her, andere leben bereits seit Jahren mit ihrem Verlust.
Insgesamt unterstützen neun ehrenamtliche Mitarbeiter, auch hier unterschiedlichen Alters und Geschlechts, das Trauercafé. Sie sprechen sich ab, wer an welchen Sonntagen das Trauercafé begleitet. Es sind mindestens zwei Mitarbeiter vor Ort, allesamt sind in der Trauerbegleitung ausgebildet.
Geschützter Raum
Das Trauercafé gibt den Gästen einen geschützten Raum, wo sie über ihren Verlust und ihre Gefühle sprechen können. Der Ablauf ist fast immer gleich. Die ankommenden Gäste werden begrüßt und wer das erste Mal kommt, bekommt direkt einen kleinen Einblick in die Räumlichkeiten des Cafés. Um 15.00 h gibt es eine kleine Runde, wo sich vorab die Ehrenamtlichen vorstellen. Im Anschluss macht ein schöner warmer Stein die Runde. Wer den Stein in Händen hält, darf sich vorstellen und von seinem Verlust sprechen. Jeder darf, keiner muss, das ist stets die Devise. Zudem steht jedem Gast die Möglichkeit offen, für seinen Verstorbenen ein Teelicht anzuzünden, welches zum Kaffeetrinken dann auch mitgenommen wird. Im Anschluss setzt man sich an die gedeckten Tische und bei leckerem Kaffee/Tee und Kuchen kann erzählt werden. Die Ehrenamtlichen sitzen zwischen den Gästen und die Erfahrung zeigt, dass es in der Regel zu angeregten Gesprächen kommt und es wird auch oftmals gelacht. Zum Ende des Trauercafés gehen alle Beteiligten nochmals in den Nebenraum und auch der Stein wird nochmals herumgereicht. Jeder darf - keiner muss - kurz schildern, wie es ihm nach diesem gemeinsamen Kaffeetrinken geht, ob seine Erwartungen erfüllt wurden oder was er sich ggf. noch gewünscht hätte. Zum Abschluss wird noch ein Impuls mitgegeben in Form einer kleinen Geschichte. Selbstverständlich ist es, dass alles Gesagte und Gehörte nicht nach außen getragen wird!
Die Erfahrungen der Ehrenamtlichen zeigen, dass die Trauernden bei Kaffee/Tee und Kuchen sich entspannen und fast immer ist die Aussage der Gäste, dass ihnen dieser Nachmittag gut getan hat. Deshalb ist auch zu beobachten, dass die Trauernden über einen längeren Zeitraum das Trauercafé aufsuchen, entweder regelmäßig jeden 1. Sonntag im Monat oder auch mit Unterbrechungen. Das zeigt den Mitarbeitern im Trauercafé, dass sie auf dem richtigen Weg sind, und gibt Ihnen die notwendige Kraft für diese oftmals traurige und kräftezehrende Aufgabe.


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