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Janine Girth

„Ich möchte ins Kleine gehen“ - Stoffliche Feinmalerei von Tine Pockels im Kunstverein

Die Ottersberger Künstlerin Tine Pockels vor einem ihrer großformatigen Stoff-Ölgemälden im Gespräch mit Andreas Pirner.  Foto: ek

Die Ottersberger Künstlerin Tine Pockels vor einem ihrer großformatigen Stoff-Ölgemälden im Gespräch mit Andreas Pirner. Foto: ek

von Eva Kairies
Osterholz-Scharmbeck. Die Wahl des Kunstvereins Osterholz (KVO) ist auf die Kunst der Ottersberger Malerin Tine Pockels gefallen. Sie stellt nun bis zum 28. April ihre ungewöhnlich gewöhnlichen Ölbilder unter dem Titel „Farb-Stoff und Malgrund“ in der Galerie auf Gut Sandbeck aus.
Jeans, Leinen oder Baumwolle mit und ohne Spitze und deren Faltenwurf sind das Sujet, das sie mitgebracht hat, in fast allen Formen und Farben. Oberflächen wie Stoffe oder Heizungsrohre, im spannenden Kontrast mit der gestischen (spontanen) Malerei, sind an den Wänden der hübschen Galerie zu sehen. „Von der Grafik und dem gegenständlichen Malen habe ich mich zum gestischen und großformatigen Malen weiterentwickelt“, sagte Tine Pockels im Gespräch mit Andreas Pirner vom KVO. Zufällig sei sie auf den Rhythmus und die Struktur der Oberflächen gestoßen. „Ich wollte die Beschaffenheit erforschen“, erinnerte sie sich. „Und da hat es mich gepackt und ich bin zurück ins Gegenständliche gekommen.“ Geblieben seien das gestische Malen und das Großformatige. In den Formen wolle sie sich nicht verlieren. „Ich möchte ins Kleine gehen. Ich bin ein analytischer Mensch“, beschrieb sich die sympathische Künstlerin selbst. Ihre Stofffaltenobjekte drapiere sie und lasse sie liegen oder arbeite über Fotografie. „Dann male ich auf loser grundierter Leinwand.“ Von der Rolle werde das Trägermaterial an die Wand getackert. „Erst später entscheide ich über den relevanten Ausschnitt.“ Ihre Bilder zwingen, in alltäglichen Anblicken wie ordentlich auf Bügeln hängende weiße Herrenoberhemden oder Fußstapfen im Schnee, wahre Kunst zu sehen. Die malerisch wiedergegebene Stofflichkeit entzieht sich tatsächlich den Interpretationsgewohnheiten des Betrachters, wie es schon in der Pressemitteilung über diese Ausstellung formuliert worden war. So übersetze sie Struktur ins künstlerisch Abstrakte. Tine Pockels arbeite „eigentlich nur“ in Öl. Die Farben mische sie selbst an, „das stand gottlob im Lehrplan der Kunsthochschule“, denn der Jeansstoff, den sie mit Jeansstoff bemale, bräuchte zum Beispiel eine trockene Ölfarbe, die sie selbst anrühren müsse. „Ich habe lange daran experimentiert. Manchmal erscheinen ungewollte Ölflecken auf dem Stoff erst Monate später.“ Das Trocknen der einzelnen Ölschichten der Bilder könne schon Wochen in Anspruch nehmen, antwortete sie auf die Frage nach der Schaffenszeit. „Aus zwei bis drei Schichten besteht so ein Bild immer.“ Das erlaube ihr, zeitgleich an mehreren Bildern zu arbeiten. Diese sehenswerte Ausstellung ist samstags von 15 bis 18 Uhr und sonntags durchgehend von 11 bis 18 Uhr zu besuchen. Der Eintritt ist frei.


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