Benjamin Moldenhauer

Filmwelten

Das aktuelle Kinoprogramm vor Ort für den Monat November

Bild: Adobestock

From Dusk till Dawn

Ein Bankräuberfilm, der sich nach der Hälfte in etwas völlig anderes verwandelt: Robert Rodriguez’ „From Dusk till Dawn“ gehört zu den vergnüglichsten und krassesten Grenzüberschreitungen ud Genremischungen des freidrehenden Neunzigerjahre-Kinos. Die Brüder Seth (George Clooney) und Richard Gecko (Quentin Tarantino) sind auf der Flucht nach Mexiko. Unterwegs nehmen sie den ehemaligen Priester Jacob Fuller (Harvey Keitel) und dessen Kinder als Geiseln. In einer abgelegenen Bar wollen sie auf ihre Kontaktleute warten. Doch was dort nach Sonnenuntergang geschieht, stellt die Gewalttaten der beiden Gangster ohne Weiteres in den Schatten. Aus dem Gangster- wird ein Vampir-Splatter-Film. Quentin Tarantino spielt eine der Hauptrollen und hat das Drehbuch geschrieben, Robert Rodriguez („Desperado“, „Sin City“) hat Regie geführt.

Samstag, 31. Oktober, um 19.45 Uhr im Central Theater Osterholz-Scharmbeck

 

Clayface

Was bleibt von einem Schauspieler, wenn er sein Gesicht verliert? Matt Hagen (Tom Rhys Harries) steht in Gotham City kurz vor dem ersehnten Durchbruch, als ein brutaler Angriff ihn entstellt. In seiner Verzweiflung lässt er sich auf ein experimentelles medizinisches Verfahren ein. Tatsächlich kann sein Gesicht wiederhergestellt werden. Dafür beginnt sein Körper, sich in eine formbare Masse zu verwandeln. Der Regisseur James Watkins, der zuletzt mit „Speak No Evil“ einen unangenehm intensiven Psychothriller inszenierte, widmet sich hier einer Figur aus dem Batman-Universum. Anders als bei den üblichen Superheldenabenteuern steht jedoch nicht die Rettung der Welt im Mittelpunkt. „Clayface“ erzählt von einem Mann, dessen Wunsch nach einem neuen Gesicht in einen Albtraum mündet. Ein Film, mit dem das Batman-Universum sich dem klassischen Body-Horror annähert.

Im Central Theater Osterholz-Scharmbeck

 

Verity – Dunkle Geheimnisse

Ein Haus voller Geheimnisse und eine Schriftstellerin, die mehr weiß, als sie preisgeben kann: Die erfolglose Autorin Lowen Ashleigh (Dakota Johnson) erhält den Auftrag, die erfolgreiche Buchreihe von Verity Crawford (Anne Hathaway) fortzusetzen. Seit einem Unfall ist Verity dazu nicht mehr in der Lage. Lowen zieht in das abgelegene Anwesen der Familie. Und findet dort verstörende Aufzeichnungen, die alles, was sie über Verity und deren Ehemann Jeremy (Josh Hartnett) zu wissen glaubt, infrage stellen. Michael Showalter hat den Bestseller von Colleen Hoover als Psychothriller verfilmt, der um die Frage nach der Glaubwürdigkeit von Erzählungen kreist.

Im Central Theater Osterholz-Scharmbeck und im Filmpalast Schwanewede

 

Frau Winkler verlässt das Haus

Eine künstliche Intelligenz als letzter Gefährte? Im Jahr 2030 lebt die ehemalige Schauspielerin Frau Winkler (Angela Winkler) zurückgezogen und ist auf die Hilfe ihrer Tochter Emi (Laura Tonke) angewiesen. Als diese ein Theaterengagement annimmt, muss eine andere Lösung für die Versorgung von Frau Winkler gefunden werden. Die Krankenkasse stellt einen Pflegeroboter bereit, den sie zunächst entschieden ablehnt. Doch der erstaunlich belesene Apparat kann Tschechow rezitieren und gewinnt allmählich ihr Vertrauen. Aber bald nimmt die Geschichte eine neue Wendung, denn der Roboter ist nicht nur ein aufmerksamer Gesprächspartner, sondern auch Teil eines Gesundheitssystems, das die Bedürfnisse alter Menschen vor allem unter Effizienzgesichtspunkten betrachtet.

Im Filmpalast Schwanewede

 

Rose

Markus Schleinzers historisches Drama „Rose“ spielt während des Dreißigjährigen Krieges. In einem abgelegenen protestantischen Dorf taucht ein geheimnisvoller Soldat auf, der Anspruch auf einen verlassenen Gutshof erhebt. Trotz anfänglichen Misstrauens gewinnt der Fremde allmählich das Vertrauen der Dorfbewohner. Niemand ahnt, dass sich hinter der männlichen Identität eine Frau verbirgt. Sandra Hüller spielt die Figur, deren sorgfältig errichtete Existenz auf einer Täuschung beruht, mit großer Intensität. „Rose“ erzählt in eindrucksvollen Schwarzweißbildern von einer Zeit, in der gesellschaftliche Zugehörigkeit streng an Herkunft und Geschlecht gebunden war.

Dienstag, 3. November, und Mittwoch, 4. November, jeweils um 20 Uhr in den Ritterhuder Lichtspielen

 

The Piano Tuber

Niki White (Leo Woodall) verfügt über ein außergewöhnlich feines Gehör. Der junge New Yorker wollte eigentlich Pianist werden, verdient sein Geld inzwischen aber als Klavierstimmer. Seine besondere Begabung eröffnet ihm eine unerwartete zweite Karriere: Er kann am Klang eines Safeschlosses erkennen, wann dessen Mechanik die richtige Zahlenkombination erreicht. Bald wird die Unterwelt auf ihn aufmerksam. Regisseur Daniel Roher, dessen Dokumentarfilm „Nawalny“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, hat einen ungewöhnlichen Thriller gedreht, in dem die wichtigste Waffe nicht die Gewalt ist, sondern die Fähigkeit, ganz genau hinzuhören.

Dienstag, 24. November, und Mittwoch, 25. November, jeweils um 20 Uhr in den Ritterhuder Lichtspielen

 

Heimsuchung – Eine Jahrhundertgeschichte

Ein Haus an einem märkischen See wird zum Schauplatz eines ganzen Jahrhunderts deutscher Geschichte. Menschen ziehen ein, richten sich ein und müssen den Ort irgendwann wieder verlassen. Ihre Lebenswege sind geprägt von den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts, vom Nationalsozialismus über die deutsche Teilung bis zur Wiedervereinigung. Die Verfilmung von Jenny Erpenbecks Roman „Heimsuchung“ erzählt deutsche Geschichte nicht anhand großer politischer Entscheidungen, sondern aus der Perspektive der Menschen, die deren Folgen erleben. Das Haus und sein Grundstück bleiben, während die Bewohner wechseln und ihre Vorstellungen von Heimat immer wieder infrage gestellt werden. So entsteht ein vielschichtiges Panorama deutscher Geschichte, in dem die Sehnsucht nach einem dauerhaften Zuhause auf die Erfahrung trifft, dass nichts für immer bleibt.

Im Filmpalast Schwanewede


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