Elbe-Weser-Raum trotzt dem Trend
Niedersachsen. Im Elbe-Weser-Raum sind im vergangenen Jahr weniger Unternehmen insolvent gegangen als im Vorjahr. Gleichzeitig legte die Zahl der Neugründungen zu. Darauf weist die IHK Elbe-Weser hin.
„Trotz der angespannten konjunkturellen Lage in vielen Bereichen gibt es auch positive Wirtschaftsnachrichten aus dem Elbe-Weser-Raum“, berichtet Henrik Gerken, Volkswirt der IHK. Von Januar bis Dezember beantragten nach Angaben des Landesamt für Statistik Niedersachsen 146 Unternehmen bei den Amtsgerichten die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das waren 39 Unternehmen weniger als im Vorjahr – ein Rückgang um 21 Prozent. „Der Elbe-Weser-Raum widersetzt sich damit der Entwicklung im Rest des Landes“, so Gerken.
Neben den Unternehmensinsolvenzen stellten 217 ehemals selbstständig Tätige Anträge auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Das entspricht einem leichten Anstieg um 0,2 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Mehr Abmeldungen – aber auch mehr Neugründungen
Die Zahl der Gewerbeabmeldungen ist ebenfalls gestiegen. Insgesamt wurden 6.169 Abmeldungen bei den Gewerbeämtern im Elbe-Weser-Raum registriert, darunter 5.142 vollständige Aufgaben. Das sind 5,7 Prozent mehr als im Vorjahr.
„Nicht immer ist die Insolvenz der Grund, dass die Geschäftstätigkeit eingestellt wird“, sagt Arne Reinecker, stellvertretender Hauptgeschäftsführer und Leiter der Abteilung Gründung und Förderung der IHK Elbe-Weser. „Neben wirtschaftlichen Problemen können auch organisatorische oder persönliche Gründe eine Rolle spielen, nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Unternehmensnachfolge.“
Auf der anderen Seite nahm auch die Zahl der Gewerbeanmeldungen zu – um 5,1 Prozent. Insgesamt wurden 7.309 Anmeldungen gezählt. Neben Zuzügen und sonstigen Anmeldungen entfallen davon 6.126 auf Neuerrichtungen, also Neugründungen und Umwandlungen.
„Ich freue mich, dass die Menschen in unserer Region trotz der wirtschaftlichen Herausforderungen ihren Mut nicht verlieren und immer noch Unternehmen gründen“, sagt Reinecker. Gründer sorgten durch Kreativität und Innovationskraft für frischen Wind in der Unternehmenslandschaft. Erfolgreiche Nachfolgeregelungen sicherten den Unternehmensbestand und brächten neue Ideen in traditionelle Betriebe. „Beides führt zu einer permanenten Weiterentwicklung und Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit unserer regionalen Wirtschaft“, so Reinecker.
Viel Bewegung im Handel
Die meisten Unternehmensinsolvenzen entfielen mit 29 Fällen auf den Handel einschließlich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen. Es folgen das Baugewerbe mit 26 Fällen sowie das Gastgewerbe und die sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen mit jeweils 12 Fällen.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Gewerbeanzeigen: Die meisten An- und Abmeldungen gab es im Handel, gefolgt von den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen und dem Baugewerbe.
Trend zum Nebenerwerb hält an
Auffällig ist zudem der anhaltende Trend zu Teilzeitgründungen. Im Vergleich zum Vorjahr hat ihre Zahl weiter zugenommen. „Der Trend zur Gründung im Nebenerwerb hält weiterhin an“, so Gerken. Inzwischen erfolgen sechs von zehn Gründungen im Nebenerwerb.
„Bei der angespannten konjunkturellen Lage wollen viele Gründer ihre Geschäftsidee zunächst parallel zu Angestelltendasein, Studium oder Schule einem Praxistest unterziehen“, erläutert der IHK-Volkswirt.
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