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Ehrungen am Tag des Ehrenamtes

Osterholz-Scharmbeck. Ehrenamtliche kommen vielerorts aufgrund der sozialen Krisenlage an ihre Belastungsgrenze. Wie geht es den Engagierten in der Kreisstadt?

 

Nicht reden, sondern handeln - ca. 30 Millionen Bürger:innen der Bundesrepublik Deutschland engagieren sich paritätisch und mit viel Motivation für ihre Mitmenschen. Bürgermeister Torsten Rohde empfing am 4. Dezember zum Tag des Ehrenamtes einen Tag später 50 dieser von Vereinen und Einrichtungen etc. vorgeschlagenen tatkräftigen Helfer:innen im stilvoll umdekorierten Großen Sitzungssaal des Rathauses und sagte in seiner Begrüßung: „Wir können uns glücklich schätzen, dass sich viele durch eine Ehrenamtstätigkeit mit ihrem Wohnort und der Heimat identifizieren. Allen gebührt Anerkennung, Respekt und Würdigung.“ Das Gemeinschaftsleben sei vielfältiger denn je denn die Ehrenamtlichen gestalteten es mit ihrem Ideenreichtum und Einsatzwillen wesentlich mit. Dabei deckten sie ein breites Aufgabenspektrum ab, so der Bürgermeister weiter: Ehrenamtliche sind in der Hausaufgabenhilfe, in der Sportausbildung, in der Sterbebegleitung, in der Jugendarbeit, in der Krankenbetreuung und in der Flüchtlingshilfe aktiv. Nicht zu vergessen die ebenfalls ehrenamtlich organisierten THW und Freiwillige Feuerwehr, deren Mitglieder sogar Gesundheit und Leben zum Wohle der Gemeinschaft riskieren.

„Die Herausforderungen steigen und ich möchte auch andere dazu motivieren, sich für die Gesellschaft einzubringen. Machen Sie also ausgiebig Reklame für Ihre Tätigkeit, ganz nach dem Motto „Tue Gutes und rede darüber“, so der Appell des Bürgermeisters. Dem stimmte auch Brigitte Neuner-Krämer, stellvertretende Bürgermeisterin, zu: „Das Gemeinwesen würde ohne Ehrenämter kaum funktionieren.“

Nach einem Auftritt von Jens Wagner als Comedian on Platt wurden die geladenen Gäste geehrt, indem allen eine gediegene Anstecknadel mit dem Wappen von Osterholz-Scharmbeck und der Aufschrift „Ehrenamt 2022“ überreicht wurde.

 

Die Aktiven vor Ort

 

In einem Statement der Bundesregierung wird das Bekleiden von Ehrenämtern als zentrale Säule der Gesellschaft bezeichnet, was natürlich im Umkehrschluss bedeutet, dass sich Vater Staat inzwischen sehr darauf verlässt, dass seine engagierten und tatkräftigen Kinder in vielen Teilen der Gesellschaft seine Arbeit erledigen. Diese Selbstverständlichkeit wird in letzter Zeit nicht zuletzt aufgrund der steigenden sozialen Herausforderungen immer öfter von Verbänden kritisiert. Auch deshalb, weil immer weniger Menschen mehr Aufgaben übernehmen müssen. Denn: Es gibt mehr Hilfebedürftige als Ehrenamtler:innen. Aber wie bewerten die Aktiven ihre Situation?

Sigrid (69) und Gerd (70) Sobottka von „Pro Pennigbüttel“ machen ihre Arbeit gern: „Wir sind auch ohne Lob und Dank gerne im Einsatz. Zwar nehmen die Aufgaben zu, aber wir fühlen uns nicht ausgenutzt. Das Ehrenamt bringt auch uns selbst viel Freude und hält jung.“ Sie sagen aber auch: „Uns ist klar, dass viele Aufgaben eigentlich von Amts- bzw. Staats wegen erledigt werden müssten, aber das stört uns nicht. Und wer sollte denn auch zum Beispiel Sigrid‘s Job als Schülerlotsin bei jedem Wetter übernehmen?“

Auch Renate Thiele (70) und Beate Liebe (67) vom OpenSquares OHZ e. V. sind trotz viel Arbeit zufrieden: „Wir investieren zwar viele Stunden für die Organisation diverser Gemeinschaftserlebnisse, aber bekommen auch sehr viel zurück.“

Ebenso wurden Daniela (29) und Melanie (27) von der Abteilung Leistungsturnen des VSK OHZ geehrt. Und auch für sie überwiegt die Freude, Menschen helfen zu können.„Wir trainieren vor allem Kinder über viele Jahre hinweg und sind für sie oft auch Seel- und Fürsorgerinnen, beste Freundinnen und manchmal sogar Ersatzeltern. Sport kann nicht nur physische, sondern auch soziale Fitness bewirken. Der Dank und die Freude unserer Schützlinge sind uns dabei Lohn genug.“ Dennoch wünsche sie sich, dass die Arbeit der Ehrenamtlichen nicht als selbstverständlich wahrgenommen wird.

Uwe Landscheid (59) ist in der Suchtkrankenhilfe tätig:„Gerade in diesem kritischen Umfeld gibt es Höhen und Tiefen, aber es macht Freude, den Willen der Betroffenen zu stärken und ihnen zu helfen, ihre Probleme zu bewältigen. Deswegen fühle ich mich auch nicht vom Staat oder der Stadt ausgenutzt, sondern genau am richtigen Platz.“ Der Staat könne aber ruhig ein paar bürokratische Hürden abbauen, so Landscheid.

Eine Sorge, die alle umtreibt, ist der mangelnde Nachwuchs. Die sollte vom Staat ernst genommen werden, der die Rahmenbedingungen fürs Ehrenamt verbessern kann. (Siehe Seite 1) Andernfalls erhält der Tag des Ehrenamtes den Nimbus des Muttertages.


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