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Die „Schattenpandemie“

Landkreis (pvio). Gleichstellungsbeauftragte machen auf häusliche Gewalt zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam.
 

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122 Frauen wurden 2018 in Deutschland von ihrem Partner getötet. Am 25. November sagen Frauen weltweit:  NEIN zu Gewalt an Frauen!“   Foto: adobestock/New Africa

122 Frauen wurden 2018 in Deutschland von ihrem Partner getötet. Am 25. November sagen Frauen weltweit: NEIN zu Gewalt an Frauen!“ Foto: adobestock/New Africa

Ein Drittel aller Frauen macht in ihrem Leben Erfahrungen mit häuslicher Gewalt, die Corona-Krise hat das Problem noch verschärft. Hiesige Gleichstellungsbeauftragte machen darauf zum Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen aufmerksam.
Seit 2001 ruft Terre des Femmes dazu auf, den internationalen Aktions- und Gedenktag „NEIN zu Gewalt an Frauen!“ am 25. November zu nutzen, um die Öffentlichkeit wachzurütteln und sich für ein weltweites Zeichen gegen Gewalt an Frauen und Mädchen zu vereinen. Darunter fällt nicht nur physische und sexualisierte, sondern auch psychische Gewalt und Stalking.
 
Gewalt durch den Partner Zuhause
 
122 Frauen wurden 2018 in Deutschland von ihrem Partner ermordet, totgeschlagen oder so stark verletzt, dass sie den Verletzungen erlagen. Das belegt die kriminalstatistische Auswertung zur Partnerschaftsgewalt. Es gibt auch Männer, die Opfer von Partnerschaftsgewalt werden, aber 81 Prozent der Opfer sind Frauen. Die Hälfte von ihnen hat mit ihrem Peiniger in einem Haushalt gelebt.
Insgesamt macht ein Drittel aller Frauen in ihrem Leben die Erfahrung häuslicher Gewalt. Zudem steigt die Gewalt gegen Frauen nach wie vor stetig. Das belegt die aktuelle kriminalstatistische Auswertung zur Partnerschaftsgewalt zum Jahr 2019. In jenem Jahr wurden 141.792 Opfer von Partnerschaftsgewalt in den definierten Kategorien polizeilich erfasst, knapp ein Prozent mehr als im Jahr zuvor. Darunter fallen 301 Mord- und Totschlagdelikte. (Die Zahl begreift versuchte Taten mit ein.)
Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung in Partnerschaften sind die Opfer zu über 98% weiblich, die Tatverdächtigen sind zu 66,1 Prozent Deutsche.
 
Pandemie verschärft das Problem
 
Seit Beginn der Corona-Krise sind in einigen Bundesländern mehr Fälle von häuslicher Gewalt gemeldet worden. Das hat eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei den zuständigen Ministerien und Behörden der Länder ergeben. Nicht zuletzt haben der Lockdown und das eingeschränkte Sozialleben Frauen mit ihren Peinigern ein- und das soziale Umfeld, das bei z. B. sichtbaren blauen Flecken hätte eingreifen können, ausgesperrt. Die Aufmerksamkeit von außen ist gerade deshalb wichtig, weil „Opfer, die Gewalt Zuhause erleben, sich oft nicht (trauen), darüber zu sprechen - aus Scham oder Angst“, wie Bundesfrauenministerin Giffey betont. Die Pandemie versteckt die sowieso verdeckte Gewalt noch mal mehr. Die UN hat ihre Verschärfung im Zuge von Corona daher als „Schattenpandemie“ bezeichnet.
 
Gleichstellungsbeauftragte machen aufmerksam
 
Die Gleichstellungsbeauftragten der Gemeinden Lilienthal, Grasberg und Worpswede werden zum diesjährigen Tag gegen Gewalt an Frauen an sinnvollen Orten in ihren Gemeinden Plakate aufhängen, Postkarten auslegen und MNS-Masken mit dem Slogan „Sag Nein zu Gewalt an Frauen!“ verteilen. Auf den Postkarten und Postern befindet sich der Aufruf an Zeug*innen von häuslicher Gewalt, Hilfe zu holen. Gerade während der Pandemie sind Opfer von Gewalt auf die Aufmerksamkeit anderer angewiesen. Das betont auch Maren Stabel, die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Bremervörde: „Gerade momentan - bedingt durch die Coronapandemie - heißt es noch einmal genauer hinzuschauen, wenn es um häusliche Gewalt, sexualisierte Gewalt, digitale Gewalt, sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, Zwangsheirat, Menschenhandel, Stalking, Mobbing, Genitalverstümmelung, Gewalt im Namen der „Ehre“, etc. geht“, so Stabel. Sie verweist zudem auf die im letzten November gestartete Initiative des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend „Stärker als Gewalt“, in dessen Rahmen auch ein bundesweites Hilfetelefon eingerichtet wurde. (08000 116 016).
Aber auch vor Ort sind Menschen erreichbar. Christina Weiland in Lilienthal (04298 929154), Evelin Meyer in Grasberg (04208 3966) und Heike Grotheer in Worpswede (01522 4334819). Weiterführende Infos gibt es zudem hier.


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