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Die Kraft der Freundschaft

„Klaus“ ist einfach, aber kein bisschen doof: Warum der Netflix-Animationsfilm zu den besten Weihnachtsfilmen der letzten Jahre gehört.

Animationsfilme und Weihnachten, bei der Kombination droht großes Kitschpotenzial. Umso schöner, dass der filmästhetisch und auch erzählerisch gelungenste Weihnachtsfilm der letzten Jahre an diesem Punkt mit aller Kraft gegensteuert. Was in diesem Zusammenhang heißt, mit Abgeklärtheit, Melancholie und großer Komik. Der seit 2019 auf Netflix zu sehende Zeichentrickfilm „Klaus“ erzählt eine herzerweichende Geschichte vom Ursprung der Weihnachtsmannlegende, und das mit Bildern, die an die Goldene Ära des Zeichentrickfilms anschließen und trotzdem innovativ sind.

Postbote am Polarkreis

Aber zuerst der Plot. Der junge Postbote Jesper (im Original gesprochen von Jason Schwartzman) ist sagenhaft schlecht in seinem Beruf und wird an einen Ort versetzt, an dem er wenigstens nicht allzu viel Schaden anrichten kann. Jesper muss nun nördlich des Polarkreises wirken, im eisig-kalten Zwietrachtingen, in dem die soziale Kälte dem Wetter entspricht. Alle sind einander spinnefeind.

Briefe schreibt man entsprechend kaum, und Jesper hat wenig bis gar nichts zu tun. Einziger Lichtblick ist die Lehrerin am Ort, Alva. Und, vor allem, die langsam entstehende Freundschaft zu dem eremitenhaft im Wald Leben Sonderling Klaus, der in seiner Hütte Spielzeug baut und bastelt, ohne damit weiter etwas anzufangen.

Von da aus entfaltet „Klaus“ eine eben gar nicht kitschige Geschichte über die Kraft der Freundschaft und der Verbundenheit unter zuerst noch feindlichen Bedingungen. Klaus und Jesper beginnen nach langem Kennenlernanlauf, Geschenke an die Kinder des Ortes zu verschenken.

Der Plotverlauf ist einfach, schlägt aber trotzdem immer wieder kleine, überraschende Haken. Regisseur Sergio Pablos fasst die Erzählung in seinem Regiedebüt in rundum beeindruckende Bilder, die ansetzen in einer Phase, in der der Animationsfilm noch nicht durch und durch digitalisiert war. Also zurückführend in die Zeit vor den Pixar-Filmen, die die Ästhetik des Genres Mitte der Neunzigerjahre grundlegend verändert haben.

Von Hand gezeichnet

Die Figuren in „Klaus“ sind von Hand gezeichnet, digitale Mittel kommen hier nur bei den Hintergründen zum Einsatz. Und die verleihen dem Geschehen in ihrer spielerischen Düsternis wirkliche, organische Tiefe. Mal ganz abgesehen davon, dass das alles wunderschön anzusehen ist. Man könnte sich jedes einzelne Bild aus diesem Film an die Wand hängen.

Diese Tiefe verbindet sich über die Figuren aber mit einer unheimlichen Geschwindigkeit und Dynamik. „Klaus“ ist nicht so schwergängig, wie es bis hierhin vielleicht klang, sondern fährt, gerade im letzten Filmdrittel, krachende Action auf. Damit realisiert der Film in gewisser Weise das Beste, was der Animationsfilm zu bieten hat: eine berührende, nicht-doofe Geschichte, wunderschöne, beeindruckende Bilder und eine mitreißende Bewegungsdynamik. Und ein, so viel kann man sagen, ohne zu spoilern, sehr bewegendes Ende.


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