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Die Gefahr der Elterntaxis

Landkreis. Auch wenn der eigenständige Schulweg gerade für Erstklässler*innen sehr wichtig ist, kutschieren Eltern ihre Kinder bis vor den Schuleingang.
Foto: tg

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Zum Schuljahresbeginn nimmt mit den sogenannten Elterntaxis eine äußerst umstrittene Beförderungsform buchstäblich wieder Fahrt auf - und vor vielen Schulen kommt es zu den Bring- und Abholzeiten zu teilweise chaotischen und gefährlichen Szenen. Dabei weisen Lehrer*innen wie Verkehrsexpert*innen immer wieder darauf hin, wie wichtig der eigenständige Schulweg auch schon für Erstklässler*innen ist.
 
Eltern blockieren wichtige Parkplätze
 
Volker Kullik, Leiter der Grundschule in Karlshöfen (Gemeinde Gnarrenburg), schreibt jedes Jahr aufs Neue einen Elternbrief mit einem klaren Appell: Die wenigen Parkmöglichkeiten, die es am Schulgelände gibt, müssen für die drei Busse und ein Taxi frei gehalten werden. Auch der Parkplatz, der für zwei körperlich beeinträchtigte Mädchen reserviert ist, darf nicht von anderen Fahrzeugen blockiert werden.
„Doch einige Eltern sind da ganz offensichtlich beratungsresistent. Es kam sogar schon zu verbalen Auseinandersetzungen“, sagt Kullik.
Er wisse, dass die Rahmenbedingungen mit so gut wie gar keinen Haltemöglichkeiten an der Schule schwierig seien. Es dürfe aber nicht sein, dass durch das Zuparken des Schuleingangs die Schüler*innen gefährdet würden, die eben nicht mit dem Auto bis vor die Tür kutschiert würden.
Kullik hat im vergangenen Jahr sogar die Polizei um Hilfe gebeten, um die beratungsresistenten Eltern morgens zu ermahnen. Doch ohne Polizeipräsenz sei die Situation schnell wieder die gleiche gewesen.
Er könne nicht nachvollziehen, dass die Eltern nicht die Haltemöglichkeiten nutzen, die in circa 100 Meter Entfernung zur Schule vorhanden sind.
 
Verkehrswacht macht den Schulweg sicherer
 
„Die Menschen sind häufig zu bequem“, sagt Dieter Grohs von der Verkehrswacht Worpswede. Auch er und seine vielen ehrenamtlichen Helfern weisen immer wieder darauf hin, wie wichtig ein eigenständiger Schulweg für Grundschüler*innen ist - und machen viel, um diesen sicher zu machen. Zum Beispiel werden jedes Jahr viele Reflektoren verteilt und die kleinen gelben Füße aufgesprüht, die den Kindern den Weg zeigen.
Eltern sollten den Schulweg mit ihren Kindern üben, sie dann aber allein bzw. mit anderen Kindern in der Gruppe alleine gehen lassen, so Grohs. Das sei gut fürs Ego der Kinder.
An alle Autofahrer*innen appelliert Grohs nachdrücklich, auf die Verkehrsanfänger*innen zu achten und an Schulwegen umsichtig zu fahren und Rücksicht zu nehmen.
 
Eigener Schulweg fördert die Sozialkompetenz
 
Eine deutliche Position gegen Elterntaxis bezieht auch der ADAC. Nach Ansicht des ADAC Verkehrsexperten Ronald Winkler entwickeln Kinder nur ein Risikobewusstsein und ein Verständnis für den Straßenverkehr, wenn sie nicht von den Eltern mit dem Auto zur Schule gebracht werden. Eine gute Möglichkeit für einen eigenständigen Schulweg ist laut Winkler unter anderem der „Walking Bus“, bei dem eine Gruppe von Kindern gemeinsam den Schulweg meistert - angeführt von Eltern oder älteren Schüler*innen. Dies fördere nicht nur eine höhere Aufmerksamkeit bei den Kindern im Unterricht, sondern auch die Gesundheit und die Sozialkompetenz.
 
Elternhaltestellen einrichten
 
In Einzelfällen könne aber auch das Elterntaxi eine vertretbare Alternative zum Zu-Fuß-Gehen sein. Förderlich wären dann aber sogenannte Elternhaltestellen im näheren Umfeld der Schule - empfohlen werden mindestens 250 Meter.
Unter www.adac.de steht eine Broschüre zum kostenlosen Download bereit, in der unter anderem erklärt wird, was bei der Einrichtung solcher Elternhaltestellen zu beachten ist und wie sich ein sicherer Schulweg am Besten realisieren lässt.


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