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Amelie Nobel

Die Aufrechterhaltung der Erinnerung

Im Landkreis gedachten am 27. Januar viele Menschen im Landkreis der Opfer des Holocausts.

Es ist passiert und kann folglich wieder passieren, so der Auschwitzüberlebende Primo Levi. Und damit es nie wieder passiert, muss die Erinnerung an die Verbrechen des NS-Regimes aufrechterhalten werden. Das taten am 27. Januar, dem internationalen Gedenktag der Opfer des Holocaust, viele Bürger:innen des Landkreises - trotz - aber im Rahmen - der Corona-Pandemie.
 
Der internationale Gedenktag
 
Vor 76 Jahren, am 27. Januar 1945 werden die Gefangenen in den Konzentrationslagern Ausschwitz und Ausschwitz-Birkenau durch die Rote Armee befreit. 7.000 von ihnen konnten noch bis zum Anmarsch der Truppen durchhalten.
Anlässlich ihrer Befreiung ist der 27. Januar als internationaler Gedenktag an die Opfer des Holocaust ausgewählt worden. Allein in Auschwitz werden zwischen März 1942 und November 1944 mehr als eine Million Menschen ermordet. In der überwiegenden Mehrzahl jüdische Häftlinge, die bald nach der Ankunft im Lager vergast werden. Für viele Befreite kommt die Hilfe zu spät. Etliche sterben an den Folgen von Hunger und Erschöpfung.
 
Mehr als nur Gedenken
 
Die Gemeinde Lilienthal hat zusammen mit dem Heimatverein zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus Blumen auf die Stolpersteine vor dem ehemaligen Wohnhaus der Lilienthaler Fotografenfamilie Frank abgelegt.
Die jüdische Familie lebte gegenüber der Galerie Kühn in Lilienthal. Zu Beginn der Nazi-Herrschaft müssen die Brüder Julius und Ludwig Frank das Haus zwangsweise verkaufen. Ludwig Frank, der als Schauspieler arbeitet, wird im Konzentrationslager Oranienburg inhaftiert, seinem Bruder Julius Frank gelingt es, 1936 nach Amerika zu emigrieren.
Den Nachlass der Familie Frank verwalten seit letztem Jahr der Heimatverein Lilienthal und das Focke-Museum. Sobald es wieder möglich ist, soll es eine Ausstellung im Heimatmuseum geben.
Es sei wichtig, zu erinnern und dafür zu sorgen, dass so etwas nicht noch einmal passiert, betont Bürgermeister Kristian Tangermann. Er spricht von Verantwortung und davon, dass der Tag mehr sei als nur ein Gedenken. Es gehe auch um die Dokumentation der Ereignisse und um die Weitergabe von Wissen. Denn die Zeitzeugen sterben aus.
 
Das darf nie wieder passieren
 
In Worpswede hat die Initiative „Nie wieder - Erinnern für die Zukunft - Gemeinsam gegen Rechts“ sich den Gedenktag zum Anlass genommen, um am Rosa-Abraham-Platz im Stillen mit Kerzen an das Schicksal der Familie Abraham aus Worpswede zu erinnern.
1855 zieht der jüdische Schlachter Michael Abraham nach Worpswede, wo nach seinem Tod 1885 sein Sohn Hermann Abraham das Haus und die Schlachterei übernimmt. Im Jahr 1891 heiratet Hermann Abraham Rosa Lösermann aus Hessen. Sie heißt dann Rosa Abraham. Gemeinsam mit seinen beiden Kindern lebt das Paar lange Zeit im heutigen Udo-Peters-Weg. Nach dem Tod ihres Mannes bleibt Rosa Abraham allein zurück. Ihre Kinder sind unter dem Druck der Judenverfolgung in die USA ausgewandert. 1938 spürt Rosa die Folgen der Nazi-Herrschaft. Sie muss ihren Schmuck und ihre Einrichtung verkaufen. Auch das Land ihres Sohnes Hugo Abraham wird größtenteils enteignet. Ihre Versuche auszuwandern, scheitern. Rosa wird gezwungen, ihr Haus zu verlassen und muss 1942 in ein Judenhaus nach Bremen ziehen. Später wird sie nach Theresienstadt deportiert und schließlich im September 1942 in das Vernichtungslager Treblinka verschleppt, wo sie auch sterben wird.
 
Antisemitismus bekämpfen
 
Der Gedenktag habe für alle eine immense Bedeutung, so Harro Jenss, Unterstützer der Worpsweder Initiative. Es geht vor allem ums Erinnern an die mit Worten nicht auszudrückenden, unvorstellbaren Verbrechen, die viele von uns immer begleiten werden. Jenss zieht immer wieder eine Verbindung zwischen Gegenwart und Zukunft. Er sagt ganz offen, dass ihn die heutigen Tendenzen: der Antisemitismus skeptisch machen. Man müsse aus der Erinnerung lernen, früh sensibel sein und Antisemitismus bekämpfen.
Das Gedenken in Corona Zeiten sei schwierig, so Jenss. Normalerweise ist das öffentliche Gedenken ein Ort der Begegnung und es werden Reden gehalten. In diesem Jahr konnte die Erinnerung nicht wie gewohnt realisiert werden. Doch das stille Gedenken habe auch seine Berechtigung. Es passe zu den grausamen Verbrechen, bei denen es schwierig sei, die richtigen Worte zu finden. Die wenigen, die Jenss einfallen sind: „Dass so etwas nie mehr passieren darf“.
 Virtuelle Lichterkette gegen das Vergessen Diesem Gedanken verpflichtet ist auch Gustav Grünthal, der Kreisschülerrat von Osterholz-Scharmbeck. Um der Opfer trotz Pandemie zu gedenken und ein Licht auf die Wichtigkeit der Erinnerung zu werfen, initiierte er eine virtuelle Lichterkette gegen das Vergessen, an der sich unzählige Schüler:innen beteiligten. Dieses Engagement sei in Anbetracht erstarkenden Antisemitismus unerlässlich, so Grünthal.


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