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Ralf G. Poppe

„Das schreibt ihr bitte nicht“

Auf dem Land laufen viele Termine wie ein Kaffeeklatsch unter Freunden ab, meint unser freier Mitarbeiter Ralf G. Poppe.

Ralf G. Poppe

Ralf G. Poppe

Pressetermine, Interviews, Berichte von Veranstaltungen – die Lokalzeitung ist in unserer Region fast überall dabei. Während jedoch Gesprächstermine in den Metropolen für bundesweite Publikationen z.B. mit prominenten Kunstschaffenden streng minutiös getaktet sind, geht es auf dem Land bzw. in den hiesigen Kleinstädten ungleich „relaxter“ zu.

Hier, in der norddeutschen Flachebene, beginnen Termine eher nicht zu den in Einladungen kommunizierten Uhrzeiten, sondern entspannt später. Eine angegebene Uhrzeit dient scheinbar dazu, sich langsam dessen bewusst zu werden, dass man zu den Tagesordnungspunkten übergehen sollte.

Oft beginnen Gesprächsleiter:innen anberaumte Termine dann mit sehr interessanten Geschichten, inklusive der fordernden Bitte, diese nicht abzudrucken. Das wäre nichts für die Zeitung, sondern nur mal eben so nebenbei bemerkt worden. Deshalb solle das Gesagte bitte nicht abgedruckt werden. Der Aufforderung leistet man meistens lächelnd, einem ungeschriebenen Gesetz zufolge, gern folge. Denn letztendlich geht es in den Geschichten um liebenswerte, sympathische Macken von Beteiligten oder um Klatsch und Tratsch. Irgendwie verbinden diese Storys Veranstaltende, Gäste und Presseleute dann zu einer friedlichen Einheit, bevor es zum eigentlichen Thema kommt. Man kennt sich, lacht gemeinsam, trinkt zusammen etwas Kaffee. Alles ist gut.

Ausnahmen bestätigen aber leider die Regel. In diesem Fall geht es um einen Termin aus dem Jahre 2017, bei dem ein Pressesprecher brisante Interna ausplauderte, die sich rund um eine Wohltätigkeitsveranstaltung abgespielt hatten. Damals war ich zum Glück nicht als Pressevertreter vor Ort, habe mir aber dennoch die Frage gestellt, ob man in diesem Fall all das Gesagte detailgetreu kommunizieren oder sich lediglich auf „offizielle“ Daten und Fakten berufen sollte.

Auf jeden Fall sollten sich diejenigen, die uns zu Presseterminen einladen, nicht grundsätzlich darauf verlassen, dass wir immer nur das schreiben, was in der Pressemappe steht - auch wenn man sich kennt.


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